Jülich - Campus des Forschungszentrums steht auf dem Präsentierteller

Campus des Forschungszentrums steht auf dem Präsentierteller

Von: ptj
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Gerne verschaffen sich Besuchergruppen unter Führung von Bau-Projektleiter Kai Deuster (l.) und Dr. Jürgen Moers (2.v.l.) von außen einen Einblick in den gelblichtigen Reinraum. Foto: Jagodzinska
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Dr. Melanie Schwarten erläutert die strukturelle Aufarbeitung von Proteinen. Foto: Jagodzinska

Jülich. Als hoch interessant erwies sich der zweite „Tag der Architektur“ im Forschungszentrum Jülich. Trotz Nieselregens hatten sich viele Kleingruppen auf den Weg über den interdisziplinären Wissenschafts-Campus gemacht, der an zwei Tagen jährlich für die breite Öffentlichkeit seine Türen öffnet.

Gerne erkundeten Besucher auf eigene Faust anhand eines Lageplans die Anlage, nahmen an kleineren Fußrunden oder der von der Unternehmenskommunikation organisierten großen Runde im Transfer-Bus teil, die durch das ganze Gelände führte und auch einen zweiten Blick auf die im vergangenen Jahr vorgestellten Gebäude warf.

Wie ein Sandwich gebaut

Highlight unter den drei Neubauten, die aktuell auf dem Präsentierteller standen, war ohne Zweifel das 12,75 Millionen Euro teure Reinraumgebäude (HNF-1), dessen Gliederung in der Fassade durch große Lamellen- und Sichtbetonflächen erkennbar ist. „Uneingeschränkt genutzt“ wird es laut Bau-Projektleiter Kai Deuster „erst seit einigen Wochen“. Konzipiert ist der mit rund 1000 Quadratmetern größte Forschungsreinraum für Nanoelektronik in Europa „wie ein Sandwich“: Der von einer einen Meter dicken Betonplatte getragene Reinraum befindet sich zwischen den Klimaanlagen oberhalb und der Medienversorgung unterhalb, die aus Strom, Spezialgasen, Kühl- und Reinstwasser, Druckluft und Chemikalien besteht.

Einen Eindruck der hohen technischen Ausstattung geben die Daten: Von 5500 Quadratmetern Bruttogeschossfläche werden 2000 Quadratmeter direkt genutzt. „Wir arbeiten mit Sechsneuner-Gasen“, vermittelte Dr. Jürgen Moers einen Eindruck über die fast 100-prozentig reine Luft im Reinraum, in der „Allergiker sehr gerne arbeiten“. Die Luft wird „alle zwölf Sekunden von oben nach unten einmal komplett gewechselt, vom Reinbereich in den Graubereich, dann ins Plenum“.

Interessant ist ferner: „Wir betreiben Grundlagen-, nicht Anwenderforschung und können Risiken eingehen, die die Industrie nicht eingehen würde“, betonte Leiter Dr. Wolfgang Albrecht. Trotzdem darf der gelblichtige Reinraum, wo mit lichtempfindlichen „Resist“-Flüssigkeiten gearbeitet wird, nur mit Vollschutzkleidung betreten werden. Die interessierten Besucher durften ihn deshalb nur von außen betrachten. „Eine sehr interessante Führung für jemanden, der unbeleckt ist“, brachte Besucherin Doris Gnendinger die weit verbreitete Begeisterung auf den Punkt.

Barrierefreiheit wird gesichert

Sehenswert war auch der 2,3 Millionen Euro teure lichtdurchflutete Anbau des bestehenden Schülerlabors, der über 690 Quadratmeter Nutzfläche verfügt. Der Verbindungsbaukörper ermöglicht einen Blick in den Altbau und sichert durch den Neubau die Barrierefreiheit beider Gebäude. „Um sich etwas eigenständiger abzusetzen“ befindet sich laut Baufachmann Georg Malat die Fassade in Schrägstellung.

Multifunktional ist das großzügig gestaltete Erdgeschoss mit „gläsernem Labor“ gehalten, zu physikalisch-technischen Experimenten lädt das Labor im ersten Stock mit Strom, Druckluft und Notausknopf in Deckeninstallation ein. Hier können experimentierfreudige Schüler mit Blick auf den gleichzeitigen Rückbau der Forschungsreaktoren gleichzeitig „den Wandel erleben“, wie Ina Keutmann es ausdrückte. In der oberen Etage liegen das Leitungsbüro, eine große Terrasse für Außenexperimente und ein großer Medienraum, der auch von anderen Instituten genutzt wird.

Drittes Gebäude im Blickpunkt der Öffentlichkeit war der Neubau des Büro- und Laborgebäudes, wo auf strukturbiologischer Basis Alzheimer-Forschung betrieben wird. Das zweigeschossige, 3,1 Millionen Euro teure Institutsgebäude mit einer Nutzfläche von 1100 Quadratmetern wurde in vergleichbar kurzer Bauzeit aus 36 vorgefertigten Raummodulen errichtet.

„Im Nachgang erfolgte der traditionelle Hausbau“, wie Roman Gnendiger betonte. In den ICS-6-Laboren geht darum, fehlerhafte Interaktionen und fehlgefaltete Strukturen zu verstehen, die letztendlich zu Krankheit und Alterung führen. „Proteine werden strukturell aufgeklärt“, wie Dr. Melanie Schwarten erklärte: „Das Gen für das Protein wird in die Bakterie eingesenkt, die das Protein herstellt. Dann wird das Protein aus der Bakterie isoliert und untersucht“, ergänzte sie für den Laien verständlich.

Die Vorstellung eines städtebaulichen Stufenentwicklungsplanes der Jahre 2020, 2030 und 2050 zur Attraktivierung und gleichzeitigen Verkehrsberuhigung umrahmte den rundum ansprechenden „Tag der Architektur“.

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