Jülich - Business-Inkubator hilft Ausgründern

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Business-Inkubator hilft Ausgründern

Von: Volker Uerlings
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Ein Unternehmen, zwei Standorte: Professor Bert Voigtländer hat die mProbes GmbH gegründet, die ihre Labortätigkeit weiter im Forschungszentrum ausübt... Foto: Uerlings
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..., während Verwaltung und Vertrieb im Technologiezentrum angesiedelt sind. Carlo Aretz (v.r.), Peter Coenen, Dr. Andrea Mahr, Bert Voigtländer und Ralf Raue präsentieren den „Inkubator“. Foto: FZJ

Jülich. Die Botschaft ist ebenso simpel wie einleuchtend: Ohne Fleiß kein Preis! Produkte aus Deutschland genießen in der Welt einen exzellenten Ruf. Die Qualität unter dem Etikett „Made in Germany“ ist nicht von ungefähr entscheidender Faktor für das Exportgeschäft, das wiederum so manche Krise spürbar abschwächt, wie die jüngere Vergangenheit belegt. Damit das so bleibt, sind beständige Innovationen Grundvoraussetzung. Die werden am Wissenschaftsstandort Jülich quasi in Serie produziert.

Doch nicht alle guten Ideen und Forschungsergebnisse gelangen auf den Markt. Das hat auch etwas mit Risikoabwägung zu tun: Lohnt sich das? Ein neuer „Business-Inkubator“ soll in Jülich bei der Beantwortung dieser Frage helfen und gibt dem „Neugeborenen“ im übertragenen Sinne den vielleicht entscheidenden Klaps auf den Po.

Der Inkubator ist ein gemeinsames Projekt des Forschungszentrums Jülich und des Technologiezentrums dieser Stadt. Ein erste hier gepflegte Ausgründung ist das Unternehmen mProbes, das einen „Koala-Motor“ entwickelt hat.

Einzelne Atome

Dieser winzige Antrieb „bewegt sich an einer Stange so, wie ein Koala-Bär einen Baum hochklettert“, erklärt Professor Bert Voigtländer lachend. Denn die ungewöhnliche, aber sympathische Bezeichnung hat ihm schon viele Fragen und Komplimente eingebracht. Die von Voigtländer und seinen Mitarbeitern wie Diplom-Ingenieur Peter Coenen entwickelte Technik kommt in der Rastersondenmikroskopie zum Einsatz. Sie tastet im Nano-Bereich mit einer feinen Spitze Oberflächen ab und ist so genau, dass einzelne Atome abgebildet werden können.

„Wir waren uns sicher, dass das nicht nur für uns interessant sein könnte. Aber lässt sich hieraus auch ein Geschäftsmodell entwickeln, mit dem wir Geld verdienen können?“, beschreibt Voigtländer die grundlegenden Gedanken. Als Mitarbeiter des Forschungszentrums genießt man schließlich auch die Sicherheit, die der Arbeitgeber bietet. Der mProbes-Gründer: „Für Festangestellte ist das schon ein Schritt. Da steigen sie nicht sofort aus, sondern müssen doppelt arbeiten.“

Erste Hilfe gab es von der Abteilung Technologie-Transfer im FZJ unter Leitung von Dr. Ralf Raue. Der „Koala-Motor“ wurde in den AC2-Wettbewerb geschickt und landete dort unter den ersten Zehn. Im September des letzten Jahres wurde schließlich die mProbes GmbH gegründet. Und genau hier setzt der Business-Inkubator an: Das neue Unternehmen hat sich quasi aufgeteilt. Die Labor-Arbeit erfolgt weiter im Forschungszentrum, so ziemlich alles andere im Technologiezentrum. Damit nimmt mProbes das TZJ nicht so in Anspruch wie andere Firmen, die sofort auf die volle Infrastruktur zurückgreifen.

Zwischen 6 und 18 Monaten können die blutjungen Firmen den Inkubator nutzen: mProbes hat ein technisch voll ausgestattetes Büro für kleines Geld angemietet, ist telefonisch erreichbar, kann Konferenzen und Kundengespräche in einem der repräsentativen TZJ-Räume planen; selbst profane Dinge wie die Anlieferung von Paketen ist hier kein Problem. Daneben bietet das Technologiezentrum aber weitere Chancen: Beratung und Hilfestellung bei Businessplänen und Marktanalysen, bei Patent-/Lizenzstrategien und ganz wichtig: bei der Erschließung von Finanzierungswegen.

Das bestehende Netzwerk kann das alles liefern. Auch die Chance, vor den Experten im kompetenten und kritischen Beirat des TZJ die Geschäftsidee zu präsentieren, ohne aber Konsequenzen fürchten zu müssen, ist schon viel wert. Im Falle von mProbes zahlte sich das gleich aus, denn ein Beiratsmitglied stellte sofort Kontakt zu einem großen Kunden her.

Gleichzeitig gibt es weiterhin das Standbein im Forschungszentrum. Carlo Aretz, Geschäftsführer des Technologiezentrums: „Dass hier eben beide Einrichtungen genutzt werden können, die sich sehr gut ergänzen, macht den Reiz des Inkubators in Jülich aus.“

Diese Begleitung junger Unternehmen zahlt sich aus. Über einen Messeauftritt, den noch federführend die Abteilung Technologie-Transfer begleitet hat, stellten die mProbes-Verantwortlichen fest, dass sie nicht den ersten und einzigen Nano-Positionierer entwickelt haben.

„Die Welt kommt auch ohne uns aus. Die Konkurrenz ist knallhart. Sie müssen zehn Mal besser sein als die Wettbewerber und halb so teuer“, bringt es Professor Voigtländer auf eine griffige Formel. Damit hatte sich das Geschäftsmodell aber nicht erledigt.

Für den Nischenmarkt

Der „Koala-Motor“ ist nicht der erste Nano-Positionierer, den es gibt. Aber er ist vom Ursprung her bestens für den Einsatz in der Mikroskopie geeignet, besser auch als Wettbewerbs-Produkte. „So könnte man beispielsweise einen Nischenmarkt besetzen“, schlussfolgert Carlo Aretz. Den hat Bert Voigtländer schon im Auge: „Wir möchten unser Produkt als Standard in der Halbleiterindustrie positionieren. Das wäre die große Perspektive.“

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