Bürgerpreis für einen Helfer, der Flucht und Not selbst erlebt hat

Von: Kr.
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Mit dem Bürgerpreis der SPD Linnich wurde Oumanou Abdou (Mitte) durch die Ortsvereinsvorsitzende Bürgermeisterin Marion Schunck Zenker und dem NRW Vorsitzenden Michael Groscheck ausgezeichnet. Foto: Kròl

Linnich. Wenn der SPD Ortsverein Linnich zur Bürgerpreis-Verleihung einlädt, darf man sicher sein, dass die Mitglieder sich im Vorfeld viele Gedanken gemacht haben, um die richtige Wahl zu treffen. 23 Mal gelang ihr dies, und auch zur 24. Verleihung dieser Auszeichnung bewies die SPD eine sichere Hand.

Mit Oumanou Abdou zeichnet sie einen Mann aus, der nicht nur für eine gelungene Integration steht sondern auch für ehrenamtliches Engagement weit über das übliche Maß hinaus. 1979 in Niger geboren, floh Oumanou Abdou vor 17 Jahren vor Verfolgung und Terror nach Deutschland. Nach einer wahren Odyssee durch dieses Land gelangte er vor 15 Jahren nach Linnich. Hier hat er sich integriert, mit viel Fleiß die deutsche Sprache gelernt, neue Freunde und eine neue Heimat gefunden.

Sein Traum war es, Arzt zu werden, doch dies ließen die Lebensumstände nicht zu. „Heute ist er Seelendoktor für viele, die wie er nach Linnich kommen, um hier Schutz und Hilfe zu finden“, erklärte der Landesvorsitzende der SPD Michael Groscheck. Er war nach Linnich gekommen, um die Laudatio für diesen außergewöhnlichen Mann zu halten, der trotz der furchtbaren Erlebnisse, oder vielleicht gerade deshalb, sich für andere einsetzt. „Als Brückenbauer und Dolmetschers setzt er sich ein, nimmt die an die Hand, die ein ähnliches Schicksal erfahren haben, und hilft ihnen, ihr Leben zu bewältigen“, erklärte Groscheck.

Zunächst hat Oumanou Abdou Ein-Euro-Jobs ausgeübt, sich als sehr fleißig erwiesen, und heute ist er als Hausmeister in der Flüchtlingsunterkunft in Welz tätig. Man kennt ihn als die „Gute Seele“ am Fahlenberg. Er weiß aus eigener Erfahrung, was es heißt, auf die Anerkennung auf Asyl zu warten.

Bei ihm dauerte dies 15 Jahre. „15 Jahre des Wartens und der Unsicherheit“, erklärte Groscheck und meinte weiter, „das ist keine Willkommenskultur. So geht es nicht.“ An den Preisträger gewandt, erklärte der ehemalige Landesminister: „Sie haben uns gelehrt, wie ‚Wir schaffen es‘ auszusehen hat.“

Zuvor hatte Linnichs Bürgermeisterin und Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Marion Schunck-Zenker, die Gäste zur Preisverleihung im Café Jedermann begrüßt. Dabei wandte sie sich auch an alle ehemalige Geehrten und betonte: „Eigentlich müssten wir Sie jedes Jahr wieder ehren. Sie gehen mit offenen Augen und wachem Herzen durch die Welt und sehen, wo Hilfe nötig ist.“

An Abdou gewandt meinte sie: „Sie sind als Fremder gekommen und sind heute ein Freund. Sie wissen, was es heißt, die Heimat zu verlassen, haben Verfolgung kennengelernt und wissen daher, Frieden und Freiheit besonders zu schätzen. Sie wissen aber auch, dass dieser Frieden und die Freiheit bedroht sind und stemmen sich dagegen. Sie sind kein Mann großer Worte aber großer Taten.“

Unter den Gästen weilte auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Dietmar Nietan. Er appellierte, zur Wahl zu gehen und damit die demokratischen Parteien zu stärken. „Nur gemeinsam können wir die anstehenden Probleme lösen, und gemeinsam schafft man vieles, wenn man sich nicht auseinanderhetzen lässt.“

„Ich fühle mich hier zu Hause“

Das letzte Wort an diesem Tag hatte der Geehrte selbst. Gerührt bedankte er sich bei all jenen, die ihn aufgenommen und geholfen hatten und die ihm auch heute noch zur Seite stehen. „Ich fühle mich hier zu Hause“, gestand er.

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