Linnich - Brücken brauchen Spritzen zur Lebensverlängerung

Brücken brauchen Spritzen zur Lebensverlängerung

Von: Otto Jonel
Letzte Aktualisierung:
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Wenn die Buschhofbrücke schon saniert wird, sollte gleich eine Unterführung für den Ruruferradweg angelegt werden. Jetzt müssen sich Radler und Fußgänger noch tief bücken. Foto: Jonel

Linnich. Sechs Brücken im Linnicher Stadtgebiet hat die Aachener Diagnose- und Ingenieurgesellschaft Dr. Boué untersucht. Das Generalurteil: Man kann über alle sechs nicht nur gehen, sondern auch fahren.

Allerdings brauchen mindestens zwei der Brücken ein paar zusätzliche Korsettstangen, um ihre ursprüngliche Tragfähigkeit wieder herzustellen. Bei allen muss die Stadt Geld in die Hand nehmen, um die Lebensdauer der Bauwerke zu verlängern.

Statische Untersuchung

Der Problemfall unter den sechs Brücken ist die so genannte Buschhof-Brücke an der Zufahrt zum Rurdorfer Sportplatz. „Die sieht statisch bedenklicher aus als die Floßdorfer Brücke”, runzelte Gutachter Andreas Boué sorgenvoll die Stirn. Seine Empfehlung: Da muss sofort die Statik untersucht werden. Das kostet rund 4800 Euro. Danach wird man wissen, woran man ist.

Aber das, was der Ingenieur jetzt schon weiß, geht ins Geld. Mit einem Aufwand von 93.000 Euro ließen sich unter anderem die Fahrbahn erneuern, das Geländer streichen, Betonschäden punktuell beheben und 25 Jahre Haltbarkeit erkaufen. Dann aber wäre der Neubau fällig.

800.000 Euro würde eine Straßenbrücke kosten, für 200.000 Euro wäre eine Rad- und Fußwegbrücke zu haben. Eine so weitreichende Entscheidung traf der Werksausschuss natürlich nicht. Aber er stimmte einem Prüfauftrag zu.

Die CDU hatte beantragt, im Zuge dieser Brückensanierung die Möglichkeit abzuklopfen, ob eine Unterführung für den Ruruferradweg angelegt werden kann. Der Durchlass unter der Brücke ist so niedrig, dass sich jeder Normalwüchsige tief bücken muss. Wers im Kreuz hat, fährt die Rampe zur Brücke hinauf, überquert die Straße und gelangt über die zweite Rampe hinab wieder auf den Radweg.

Auch der zweite Antrag der CDU ging einstimmig durch. Auf die Brücke über den Mühlengraben in Tetz könnte man ganz verzichten, weil seit Jahrzehnten kein Wasserzufluss oberhalb der Mühlenfalderbrücke festzustellen sei. Dann könne man den Graben an dieser Stelle gleich zuschütten. Gutachter Dr. Boué hatte an Sanierungskosten knapp 20.000 Euro ermittelt. Die wären nötig, um dem Brückenbogen wieder festen Halt zu geben. Boué: „Ein Rückbau wird teurer.”

Am stärksten belastet ist die Rurbrücke am Stadteingang bei SIG Combibloc. Trotzdem ist sie in einem „verhältnismäßig guten Zustand”, urteilt Boué. Aber auch sie braucht Zuwendung, um weitere 40 Jahre ihren Dienst tun zu können.

Eine neue Deckschicht, neue Fahrbahnübergänge, eine Ausbesserung der Betonschäden und Beseitigung der Stahlkorrosion am Überbau gehören zu den Sofortmaßnahmen mit einem Gesamtaufwand von 102.000 Euro. Innerhalb der nächsten 10 bis 20 Jahre müssten die Fahrbahnplatte und das komplette Geländer (etwa 500.000 Euro) erneuert werden.

Eine Sonderstellung nimmt die Rurbrücke bei Körrenzig Richtung Brachelen ein. Obwohl sie erst vor einigen Jahren saniert wurde, sind im Asphalt wieder Schäden aufgetreten. Und die Ursache scheint klar: „Trotz der Lastbeschränkung wird die Brücke offenbar regelmäßig überlastet.” Innerhalb der nächsten drei, vier Jahre müsse sie saniert werden, „sonst kriegen wir verkehrssicherheitliche Probleme”. Als Hausnummer nennt der Ingenieur fast 120.000 Euro inklusive Bauwerksuntersuchung.

Blieben noch die beiden Brücken in Körrenzig über den Malefinkbach (Bachstraße) und in Floßdorf über die Rur. Die Lebensdauer der ersteren ließe sich mit einem Sofortaufwand von rund 36.000 Euro um zwölf Jahre verlängern. Fast doppelt so viel muss aufgewendet werden, um die Floßdorfer Brücke ebenfalls für weitere zehn bis zwölf Jahre zu ertüchtigen. Danach wirds richtig teuer mit 185.000 Euro für eine komplette Betonsanierung samt Austausch der Brückenlager.
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