Jülich - Breit aufgestelltes Bildungsangebot am Berufskolleg

Breit aufgestelltes Bildungsangebot am Berufskolleg

Von: spl
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Jörg Parting erläutert Schul
Jörg Parting erläutert Schulleiterin Heike Schwarzbauer die Vorteile des Ölgebläsebrennerns.

Jülich. Aufmerksam hören Eltern und Jugendliche Studiendirektor Bernhard Pohl bei seinen Erklärungen zum Tischlerberuf zu. Staunende Blicke ernten dabei die Werkstücke, die von angehenden Tischlern am Berufskolleg Jülich angefertigt wurden.

Wem sich die Frage nach der beruflichen Zukunft und Ausbildung stellt, konnte sich beim Informations- und Beratungstag des Berufskollegs Jülich ein umfassendes Bild der Bildungsangebote machen.

Was den Tischler betrifft, machte Pohl eines schnell klar: Ob Lautsprecherbox, Treppenaufgang oder Kanu, ein Tischler ist bei der Holzbearbeitung Spezialist. Als Bau-, Möbel- oder Modelltischler erleben Gesellen und Meister in diesem Handwerk ein abwechslungsreiches Tätigkeitsfeld, das besonders kreativen Köpfen Entfaltungsmöglichkeiten bietet.

Da wundert es nicht, dass Sven Quernheim, Bildungsgangkoordinator Tischler, von den Zuhörern mindestens ebensoviel Aufmerksamkeit zukommt, als er das Zeichnen am Computer erläutert und die Umsetzung durch einen spezielle Maschine direkt am Werkstück zeigt.

Schulleiterin Heike Schwarzbauer erläuterte, dass sich die Schule bewusst dazu entschlossen habe, dass künftige Schüler die Ausbildungswerkstätten und Labore anschauen können, damit sie eine konkrete Vorstellung der Berufe erhalten. So machte auch Lehrer Jörg Parting deutlich, dass es vielfach ein Problem gebe: Oft hätten die Schülerinnen und Schüler ein falsches Berufsbild.

„Die Technik ist nicht mehr der typische schwere Handwerkerberuf. Es kommt vor allem auch auf strategisches Vorgehen an”, erklärte Parting zum Beruf des Anlagemechanikers für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Die Fehleinschätzung führe etwa dazu, dass sich Mädchen für manche Ausbildungsgänge kaum interessierten. „Ich wäre dankbar, wenn in solchen Ausbildungen ein paar mehr Mädchen wären”, betonte der Oberstudienrat. Die würden obendrein bei den Prüfungen meist auch besonders gut abschneiden.

Um Vorurteile von harter Knochenarbeit und robuster Handarbeit auszuräumen, konnten sich die Jugendlichen auch die verschiedenen Ausbildungsgeräte anschauen, die wie Parting erläuterte, alles andere als realitätsfern seien. „Wir holen die Praxis in die Schule”, betonte der Lehrer.

So ließen sich im Labor bis zu 100 Versuche zur Wärmetechnik realisieren mit Geräten, wie sie auch im späteren Berufsleben zu finden seien. Wie der Lehrer erläutert, hätten trotz steigender Ausbildungszahlen viele Betriebe mit Nachwuchssorgen zu kämpfen.

Vielleicht liegt das am oberflächlichen Berufsbild. Das beklagte jedenfalls Frank Tönnißen, Bildungskoordinator Industriemechaniker. Dabei bietet das Berufskolleg seit zwei Jahren den dualen Studiengang Maschinenbau PLuS (Praxisorientierte Lehre und Studium) an.

Innerhalb von vier Jahren erwerben die Schüler sowohl den Gesellenbrief als Industriemechaniker als auch - in Kooperation mit der FH Aachen - den Bachelor of Engineering. „Ich sehe da nicht einen einzigen Nachteil”, sagt Tönnißen. „Die Lehrlinge wachsen schon früh in den Betrieb hinein.” Auch deswegen würden viele Betriebe die Lehrlinge am liebsten schon während der Ausbildung vertraglich an sich binden. Die Übernahmechancen seien also entsprechend hoch.

Allerdings erzeuge der Beruf des Industriemechanikers schnell eine falsche Vorstellung. So lernten die Schüler auch technisches Zeichnen und längst spiele sich nicht mehr alles in harter Knochenarbeit ab, versicherte der Pädagoge.

Auch von zwei neuen Ausbildungsgängen machten sich Interessierte ein detailliertes Bild. So wird ab kommendem Schuljahr im Rahmen der zweijährigen Berufsfachschule für Ernährung und Hauswirtschaft eine Ausbildung zur staatlich geprüften Servicekraft angeboten. Das Besondere: Der Bildungsgang führt zum Hauptschulabschluss nach Klasse 10 oder zur Fachoberschulreife und einem Berufsabschluss. Ermöglicht wird insbesondere Jugendlichen mit Hauptschulabschluss eine berufliche Perspektive, mit der sich auch weitere Ausbildungen, zum Beispiel als Koch, anstreben lassen.

Auch das „ABI plus” ist neu. Die Schüler erwerben hier neben der Allgemeinen Hochschulreife den Berufsabschluss „Kaufmännischer Assistent”. Besonders ist auch das so genannte „Euregiokompetenzzertifikat”, für das die Schüler sowohl Fremdsprachenkompetenzen in Niederländisch oder Französisch als auch interkulturelle Kompetenzen erlernen. „Auf jeden Fall habe ich damit, einen Trumpf in der Bewerbungsmappe”, sagte Lehrerin Anja-Maria Albert.

Das vielfältige Angebot, sich zu informieren und beraten zu lassen, wurde von den Jugendlichen und ihren Eltern, die vielfach mitgekommen waren, dankend angenommen. Reges Treiben erfüllte das Berufskolleg, wie es sonst wahrscheinlich nur an einem Wochentag mit normalem Schulbetrieb zu finden ist.
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