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Braunkohlebagger als Brutplatz

Von: Burkhard Giesen
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Ein Schnappschuss: Zahlreiche
Ein Schnappschuss: Zahlreiche Wanderfalken leben im rheinischen Braunkohlenrevier. In den Tagebauen Inden (Foto) und Hambach brüten jedes Jahr insgesamt vier Paare - auf den Baggern und Foto: Gero Speer

Kreis Düren. Wer eine Familie gründen will, der sucht sich einen Partner und einen schönen Ort, an dem er sich niederlassen will. Manche Orte für das heimische Nest sind dann auch schon mal außergewöhnlich, wie Gero Speer weiß.

Speer gehört seit vielen Jahren dem Naturschutzbund Deutschlands (NABU) an und engagiert sich insbesondere in der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz. Der 74-Jährige wohnt in Sindorf und ist eng mit Düren verbunden - der Wanderfalken wegen. Die haben nämlich einen Ort zur Aufzucht ihrer Jungen auserkoren, der ungewöhnlicher kaum sein könnte: Bagger und Absetzer im rheinischen Braunkohlenrevier.

Seit den 1970er Jahren schon kümmert sich Gero Speer um den Schutz der Wanderfalken. Die galten damals in NRW als ausgestorben. Erst in den 90er Jahren nahm der Bestand wieder zu. Nisteten Wanderfalken früher nur in Felsen und Steinbrüchen, brüten heute über 90 Prozent des Bestandes an menschlichen Bauwerken, auf Kirchen, Kraftwerkstürmen oder eben den Baggern in rheinischen Braunkohlenrevier in den Tagebauen Garzweiler, Hambach und Inden.

Speer: „Erstmals haben wir im Jahr 2000 im Tagebau Inden auf dem Bagger 281 brütende Wanderfalken entdeckt.” Seitdem brüten dort in jedem Frühjahr Wanderfalken, inzwischen sind es sogar zwei Brutplätze. Ebenso im Tagebau Hambach, wo seit 2004 zwei Brutplätze dokumentiert sind.

Warum gerade auf Baggern, die zudem ja noch in Betrieb sind? „Die Tiere haben von da einen guten Überblick über die Landschaft und es gibt im Umkreis ein hervorragendes Nahrungsangebot”, weiß Speer. Leichter macht das für ihn die Arbeit nicht. Die Tiere werden normalerweise beringt, damit man später nachvollziehen kann, woher sie stammen.

„In den Tagebauen können wir die Falken nur in Ausnahmefällen beringen; man kann die Bagger ja nicht so ohne weiteres stoppen”, so Speer, der aber zum Beispiel von den Beschäftigten im Frühjahr umgehend informiert wird, wenn ein Bagger, auf dem Wanderfalken brüten, zur Reparatur angehalten werden muss.

Zu den Aufgaben von Speer gehört natürlich auch, über die Tiere zu wachen, Bruterfolge zu dokumentieren. „Die Zusammenarbeit mit dem Tagebaubetreiber klappt hervorragen. Probleme, an Ort und Stelle zu kommen, um die Tiere zu beobachten, gab es noch nie”, berichtet Speer. Am Erfolgreichsten sind übrigens die beiden Paare im Tagebau Hambach.

Seit 2004 brütet ein Paar an Bagger 289 in einem fest installierten Kasten. Hier schlüpften inzwischen mehr als 15 Junge. Genau so viele sind es beim zweiten Brutplatz - einem Krähennest im Absetzer 739.

Für Speer ist die Beobachtung der Wanderfalken ein Hobby, eine „liebe Nebensache”, wie er sagt. Er betrachtet die Tiere eher unter wissenschaftlichen Aspekten. Und da bleiben für ihn noch einige Fragen offen. Zum Beispiel, wohin es die Jungvögel zieht. „Natürlich wäre es vielleicht möglich, die Tiere mit einem Satellitensender zu versehen. In anderen Regionen wird das schon gemacht. Aber dazu fehlt das Geld. Da müssten man bestimmt über 10.000 Euro aufbringen, weil man ja auch eine Anlage zur Ortung benötigt”, so Speer.

Bis es so weit ist, freut er sich einfach, wenn er auch in diesem Frühjahr wieder Wanderfalkenpaare sichtet und die Jungvögel beobachten kann, wie sie flügge werden.
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