Blütezeit bei Obst und Gemüse um 14 Tage verzögert

Von: Daniela Martinak
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Immer tiefer und tiefer gräbt Spargelbauer Christopf Steffens, doch nichts ist zu sehen. Der Spargel lässt aufgrund der kalten Temperaturen noch auf sich warten. Foto: Martinak
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Der Obstbaumwart Klaus Flaskamp kontrolliert die Knospen des Apfelbaums regelmäßig. Auch der könnte ein bisschen mehr Wärme vertragen.
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Peter Bellartz zeigt, dass die Erdbeerpflanze ebenfalls gelitten hat.

Jülicher Land. Stress pur! Dann soll sie wachsen, dann wieder nicht. Einmal wird es lausig kalt, danach knallt die Sonne auf die schwarze Folie. Die sehnsüchtig erwarteten saisonalen Frühlingsboten – Spargel und Erdbeeren – haben es wirklich nicht leicht. Warum? „Na, die haben kein Mäntelchen, was sie sich mal eben überwerfen können“, erklärt Peter Bellartz.

Der Obstbauer aus Broich schüttelt beim Blick aus dem Fenster den Kopf. Jetzt schon befürchtet er bis zu 30 Prozent Ertragseinbußen bei seiner Erdbeerenernte. „Es kommt ja ein Extrem nach dem anderen. Während wir Mitte März eine Bodentemperatur von -19 Grad hatten und die Kälte immer noch anhält, soll es nächste Woche sofort wieder warm werden“, sagt der 54-Jährige. Für die Pflanze sei das Stress. Die Temperaturen sollten eigentlich langsam und kontinuierlich ansteigen.

Aber noch viel wichtiger als die Sonne sei jetzt warmer Regen: „Nur so kann der Boden aktiv werden.“ Abwechslungsreiches Wetter wäre toll, aber „wenn sich jeder das ideale Wetter für seine Pflanzen aussuchen dürfte, hätte der Obstbauer mit dem Gemüsebauern Streit. Es ist schon gut so, dass es auch etwas gibt, was wir Menschen nicht beeinflussen können.“ Auch, wenn sich die Blüte und damit auch die Erntezeit aufgrund der untypischen „Frühlingstemperaturen“ jetzt schon um 14 Tage verzögert hat – Peter Bellartz fügt bestimmt hinzu: „Wir Landwirte nehmen jede Situation so wie sie ist. Was bleibt uns auch anderes übrig?“

Jetzt muss es im Mai passen

Jetzt hofft er nur, dass der befürchtete Frühlingsfrost, der im Mai noch auftreten kann, ausbleibt. Jetzt schon wirke sich die fehlende Wärme auf den Preis des Obstes aus, bisher könne man aber noch nicht sagen, ob das auch für den Ertrag gelten wird.

Christoph Steffens vom Merzbachhof hat ein ganz anderes Problem: „Spargel darf nur bis zum 24. Juni gestochen werden, unabhängig davon, wann die Erntezeit beginnt.“ Und die schrumpft von Tag zu Tag. Während regulär der erste Spargel bereits Mitte April gestochen wird, können die Feldarbeiter ihr wichigtstes Werkzeug, die Spargelstecher, noch getrost liegen lassen – und das voraussichtlich noch bis Anfang Mai. „Damit der Spargel wächst, braucht er eine Bodentemperatur von sieben Grad. Die sind bisher nicht gegeben“, bedauert der Gemüsebauer. Es gebe zwar schon Spargel, aber dieser werde mit Fernwärme behandelt. Und die Spargelliebhaber müssen richtig tief in die Tasche langen: Bis zu fünf Euro zahlen sie momentan pro Kilo auf den „normalen“ Preis. „So extrem habe ich das noch nicht erlebt“, muss Steffens zugeben. „Es tut uns Landwirten schon richtig weh. Bei den Kartoffeln und beim anderen Gemüse sieht es ja nicht besser aus“, stellt der 39-Jährige wehmütig fest.

Einzig Obstbaumwart Klaus Flaskamp bringt noch ein Lächeln über die Lippen. Um die Bäume und die Obsternte macht er sich trotz der eisigen Temperaturen keine zu großen Sorgen: „Die Blüte verzögert sich zwar auch hier um 14 Tage, aber die Knospen lauern. Wir leben hier in einem gesegneten Land für Bäume“, sagt der 64-Jährige.

Gesegnet deshalb, weil der Boden der Jülicher Börde aufgrund der Vulkanasche relativ locker ist und das auch noch ganz tief unter der Erde. Was neben der fehlenden Wärme weitaus schlimmer wäre, sei die ausbleibende Bestäubung. Den Bienen macht das Wetter schließlich auch zu schaffen – sie finden keine Nahrung, keinen Nektar, weil nichts blüht. Ein ewiger Kreislauf also. Und warum sollte es den Bestäubern besser gehen als ihren „Kunden“?!

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