Bezirksregierung genehmigt Gesamtschule

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Das Linnicher Schulzentrum ist einer der beiden Standorte der Gesamtschule. Auf lange Sicht wird sie Realschule und die Hauptschule (im Hintergrund) ablösen – wenn sie genügend Anmeldungen erhält und eine eventuelle Klagehürde nimmt. Foto: Jonel

Aldenhoven/Linnich. Die Genehmigung der Gesamtschule ist da. In Linnich und Aldenhoven war die Erleichterung geradezu mit Händen zu greifen. Etwas mehr als einen Monat lang herrschte seit dem Moderationsverfahren Ungewissheit, wie die Bezirksregierung entscheiden würde. Diese Frage ist nun beantwortet.

„Die Bezirksregierung Köln hat am Dienstag den hilfsweise gestellten Antrag der Gemeinde Aldenhoven und der Stadt Linnich auf Errichtung einer gemeinsamen Gesamtschule genehmigt. Pro Jahrgang werden fünf Parallelklassen genehmigt unter der Bedingung, dass 125 Anmeldungen von gemeindeeigenen Kindern erreicht werden“, so die offizielle Verlautbarung aus Köln, die Dienstagmorgen die Runde macht. Die Genehmigung umfasst den Parallelbetrieb der Klassen 5 und 6 ind Aldenhoven und Linnich. „Die Klassen 7 bis 9 werden am Standort Aldenhoven und die Klassen 10 bis 13 am Standort Linnich unterrichtet.“

Die Dauer des Genehmigungsverfahren ist sicherlich auch der breiten Front an Ablehnern dieser Schule geschuldet. Die Einwendungen seien rechtlich geprüft worden, erklärt die Bezirksregierung. „Im Ergebnis stellen sich die Errichtungspläne aber nicht als rücksichtslos gegenüber den Nachbarkommunen dar und gefährden nicht deren Schulen.“ Die von den beiden Kommunen beantragte sechszügige Gesamtschule erhielt keine Genehmigung.

Infoabend

„Wir haben es gemeinsam geschafft! Die Ungewissheiten sind vom Tisch“, sprach aus Aldenhovens Bürgermeister Lothar Tertel die pure Erleichterung. Er zeigte sich überzeugt, dass bei 240 Grundschulabgängern aus Aldenhoven und Linnich die geforderten 125 an der Gesamtschule angemeldet werden.

In Aldenhoven fand Dienstagabend bereits die erste Informationsveranstaltung für Eltern dieser Kinder unter Leitung von Johannes-W. Stollenwerk statt. Von der Bezirksregierung eingesetzt, soll der Leiter der Gesamtschule Mariaweiler als Geburtshelfer der neue Gesamtschule Aldenhoven/Linnich fungieren. Bereits am Montag hatte er mit einigen Haupt- und Realschulpädagogen aus Aldenhoven und Linnich, die Bereitschaft zum Schulwechsel bekundet haben, vorbereitende Gespräche geführt.

Die zweite Informationsveranstaltung ist Mittwochabend um 19 Uhr in der Linnicher Hauptschule angesetzt. Dort wird Bürgermeister Wolfgang Witkopp der Gastgeber sein. „Ich bin unheimlich erleichtert“, sagte er auf die Genehmigung angesprochen. „Es hat wenige politische Vorgänge gegeben, die eine solche Herzensangelegenheit waren, wie dieser“, ließ er die Gefühlstiefe ahnen.

Den Eltern werde über die Vorstellung des geplanten Gesamtschulbetriebs auch Einblick in die 29 Seiten starke Genehmigungsbegründung gewährt. Eines stellte der Linnicher Bürgermeister klar. Es werde an diesem Abend nur über das Wie, nicht mehr aber über das Ob gesprochen. „Das ist mit der Genehmigung erledigt.“

Zumindest sollte es sein, auch nach Ansicht des SPD-Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan. „Die Bezirksregierung hat Klartext geredet. Jetzt müssen die Eltern entscheiden.“ Auf Nietans Initiative war seinerzeit der Schlichtungsversuch zwischen den beiden Antragstellern und den Ablehnern der Gesamtschule eingeleitet worden. Die Entscheidung sollten nun auch die Kritiker akzeptieren und „dem Elternwillen eine Chance geben“. Nietan: „Es nützt niemandem was, wenn man sich gegenseitig bekämpft.“

Ähnlich reagierte Josef Wirtz (CDU, MdL), der aus seinem Votum für eine Sekundarschule nie ein Hehl gemacht hatte. „Es hat ein ordnungsgemäßes Verfahren gegeben. Damit sollte man sich abfinden.“ Die Gesamtschule schließe nicht aus, dass es in absehbarer Zukunft „Nachjustierungen“ geben könne, dachte Wirtz an Kooperationen mit umliegenden Kommunen. Eindringlich appellierte er an alle Beteiligten in dieser Schulfrage: „Der Krieg müsste jetzt mal beendet werden.“

Bei den Kritikern kam die Entscheidung der Bezirksregierung gar nicht gut an. Jülichs Bürgermeister Heinrich Stommel meinte unverblümt: „Ich habe für die Entscheidung kein Verständnis.“ Diese kleine Gesamtschule könne kein „qualifiziertes, umfängliches Angebot in der Oberstufe“ gewährleisten. „und ab der Klasse 7 müssen die Kinder fahren“ – auch vorbei an Gymnasium Overbach. „Ich gehe davon aus, dass andere Schulen von dieser Entscheidung tangierte werde.“

Der Jülicher Verwaltungschef zeigte sich zudem äußerst verwundert, dass die Bezirksregierung als Kommunalaufsicht die Finanzlage Aldenhovens und Linnichs nicht berücksichtigt habe. Die Frage nach rechtlichen Schritten gegen die Entscheidung ließ Stommel offen. Er werde zunächst den Schulausschuss informieren, bevor man sich mit anderen Kritikern der Gesamtschule Aldenhoven/Linnich über das weitere Vorgehen verständigen werde.

An diesem Punkt ist auch der Titzer Bürgermeister Jürgen Frantzen. „Jetzt ist sie da, und wir müssen überlegen, wie wir damit umgehen.“ Frantzen, entschiedener Gegner dieser Schule, nicht der Schulform, wird die Titzer Kommunalpolitik, die eigentlich schon in Karnevalspause ist, umgehend in Kenntnis setzen.

Empörung kennzeichnete die Reaktionen in Langerwehe und Niederzier. Die Bürgermeister beider Gemeinden schlossen eine Klage gegen die Entscheidung nicht aus. Baesweilers Bürgermeister indes will die Genehmigung nicht anfechten. Er vertraut darauf, dass die Siersdorfer Kinder weiterhin nach Baesweiler tendieren. Auch die Stadt Eschweiler, die die Gesamtschulen abgelehnt hatte, denkt derzeit nicht an eine Klage.

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