Begeisterndes Jugendtheater zwischen Schein und Sein

Von: ptj
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Was ist ein „Emo”?: Cosimo (Sebastian Reinartz, links vorn) und sein Freund Ska geben einen Einblick. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Zwischen den Sekunden” heißt das Jugendtheaterstück zwischen Schein und Sein von Marco Steeger. Vor einem begeisterten Publikum präsentierte das junge Kuba-Theaterensemble „Zwischendrin” unter Leitung von Sonja Wirtz ausdrucksstark das emotionale Stück mit Schmunzeleinlagen und überraschendem Ende.

Die Rahmenhandlung spielen vier junge Frauen aus einer Theater-AG (Jaci Lüttgen, Miriam Rateike, Hannah Richardy und Mirjam te Laak), die jeweils am Anfang und Ende einen Satz aus ihrer Rolle rezitieren - alle durcheinander - mal ängstlich an die Wand gedrückt, mal fröhlich durch den Raum schreitend.

Wie etwa: „Wer in der Zukunft leben will, muss in der Vergangenheit blättern.” Die Kommandos gibt Protagonist Timo (Sebastian Reinartz), der später mit schwarzer Perücke auch in die Rolle des unglücklichen „Emo” Cosimo schlüpft. „Emos” sind „einfühlsamer als der Durchschnitt”, wie Cosimo und sein Freund Ska (Andreas Schulze) es beschreiben.

Zurück zur Theater-AG: Timo landet zufällig in seiner fantastischen Welt, wird begeistert aufgenommen und fühlt sich so wohl wie nie zuvor. Bald schon öffnet er sich und erzählt, warum er aus seiner Vergangenheit geflohen ist. Nun lassen die kreativen Theater-Akteurinnen die Vergangenheit lebendig werden, bei schnellen Wechseln der wenigen Requisiten und im alternierenden Hell und Dunkel.

Tim ist verantwortlich für Cosimos Unfall -oder war es mehr? Die Freundinnen um Cosimos Schwester Kim (Hannah Richardy) leben „Sex & Drogs and Rock´n´ Roll”. Sie lieben das Spiel „Wahrheit und Pflicht” mit verschärften Regeln, das den nach Orientierung und Anerkennung suchenden Cosimo fast das Leben kostet. Erst als er im Koma im Krankenhaus liegt, sein „ganzer Körper eine Wunde ist”, geraten sie in Panik.

Schuldzuweisungen werden hin und her geschoben, Träume und Realität geraten durcheinander. Die Aufarbeitung der Geschehnisse „zwischen den Sekunden” dauert, „Bilder und Geräusche sind eingebrannt”. „Diesmal sind wir in der Pflicht”, wissen Kims Freundinnen, während diese am Bett ihres Bruders die Vergangenheit noch einmal durchlebt.

Wunderschöne Gesangspassagen von Mirjam te Laak, Gitarren- und Geigeneinlagen (Reinartz/Richardy) vertiefen das einfühlsame Stück und verdienen Zwischenapplaus. Die Clique aus dem Rückblick kommt wieder zur Besinnung und bittet Tim zurückzukommen - in Grenzszenen zwischen Realität und Traumwelt.

Zur Rückkehr in seine alte Welt rät auch die Theater-AG dem geheimnisvollen Protagonisten. Die Namensgravur in Tims Halskette verrät schließlich, dass die Geschichte nur „in seinem Kopf passiert ist”. Tim will bei den Theaterleuten bleiben: „Ihr lebt in mir, ihr seid Gefäße für meine Gedanken.”

Doch die Schauspielerinnen wollen aussteigen. „Aussteigen, coole Idee, das kann ich ganz gut”, lautet Tim Schlussplädoyer, bevor sich die Anfangsszene leicht verändert wiederholt.
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