Baumkrippe umzäumt von Stacheldraht

Von: gep
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Rudolf Weniger, Küster der Pr
Rudolf Weniger, Küster der Propsteikirche, zeigt die Iktebacher Zwangsarbeiter-Krippe. Rechts Hans Bockisch von Pax Christi Jülich. Foto: gep

Jülich. Rätselraten um eine Baumkrippe, die an das Zwangsarbeiterlager Iktebach erinnert, an die dort während der Nazi-Zeit inhaftierten und zu Tode gekommenen.

Weihnachten 2010 stand die Krippe zwei Wochen lang am Gedenkkreuz in der Leo-Brandt-Straße, erzählt Hans Bockisch von Pax Christi Jülich. Er war von Anwohnern darauf aufmerksam gemacht worden. Niemand brachte in Erfahrung, wer die Krippe gebaut und sie am Gedenkkreuz aufgestellt hatte.

Doch über die Absichten des Unbekannten besteht Klarheit. Die Beschriftung auf der Krippe verweist auf das „Lager Iktebach”. Der Hauptbestandteil der Krippe ist ein mit Stacheldraht umzäumter Wurzelstock, aus dem geschnitzte Hände sich flehentlich gen Himmel recken. Dieser wurde, so der anonyme Krippenbauer, „in der Nähe des ehemaligen Lagers gefunden”. Und über die dorthin Verschleppten vor allem aus Osteuropa schreibt er: „Diese Menschen glaubten auch an Weihnachten.”

Ein Jahr später, zwischen dem 2. und 3. Advent entdeckt der Küster der Propsteikirche, Rudolf Weniger, neben der großen Kirchenkrippe etwas, verhüllt mit einer Kunststofftüte. „Wer stellt mir da was hin”, ist seine erste Reaktion. „Ups, ist eine Krippe” mit alten Gips-Krippenfiguren: Maria und Josef mit dem Jesuskind und einem Pferdchen. Bochisch, der mit Pax Christi 1985 die Idee von Pfarrer Christian Ahlbach eines Gedenkkreuzes für die Zwangsarbeiter realisieren konnte, empfindet beim Anblick der Krippe eine „gewisse Ehrfrucht”. Die Darstellung der Geburt Christi sei doch „sehr ergreifend”.

Das Zwangsarbeiterlager Iktebach befand sich gegenüber dem damaligen Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Jülich-Süd, das heute von Bundeswehr und Forschungszentrum genutzt, wird.

1942 wurden zunächst fünf Baracken errichtet. Direkt an dieses Lager I schloss sich ein Areal mit Baracken für die Luftwaffe an, da im RAW unter anderem . Tankuhren für Flugzeuge produziert wurden. Östlich davon entstanden schließlich bis 1943 die Lager II und III zur Unterbringung von Zwangsarbeitern.

Die von Werkschutzleuten bewachten und mit Stacheldraht umzäunten Lager beherbergten zeitweise über tausend Menschen, überwiegend Russen, Letten und Polen. Aber auch Franzosen, Belgier, Niederländer und Italiener wuirden hierher verschleppt. Zum Teil wurden Kriegsgefangene aus dem Stalag Düren-Arnoldsweiler in die Lager überstellt.

Am 29. September erfolgte ein schwerer alliierter Luftangriff auf das RAW, der auch das daneben liegenden Lager I traf, aber auch einer dort in Bereitstellung liegenden Panzereinheit gegolten haben könnte. Der Angriff erfolgte zur Zeit der Essensausgabe in Lager I. Hunderte Menschen - die Schätzungen bewegen sich zwischen 120 bis 400 - kamen um, sie wurden später in den Bombentrichtern verscharrt.

Der damals siebzehnjährige Pole Czeslaw Parchatko erlebte und überlebte das Bombardement. Der Schanzarbeiter und spätere Oberstleutnant der polnischen Luftwaffe, hat, wie berichtet, 2010 das Gedenkkreuz für das Lager Iktebach besucht und über seine grauenvollen Erfahrungen in Jülich und an der Westfront berichtet.

Heute zeugen vom einstigen Lagerkomplex nur noch Fundament- und Mauerreste.Es fanden sich zudem einige Essschüsseln und Emailbecher, die zum Teil kyrillische Schriftzeichen trugen. In eine Buche geritzt war auf dem Areal mit kyrillischen Buchstaben der Name Fenja. Sie konnte als die aus Solotarewka/Ukraine stammende Fenja Fauenkowa identifiziert werden.

Zu sehen ist die ZwangsarbeiterKrippe am Samstag, 21. Januar, während der Messe der Krippenbauer um 10 Uhr im Andreashaus in Lich-Steinstraß, die Kirche ist wegen Bauschäden gesperrt.
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