Band 26 der „Neuen Beiträge zur Jülicher Geschichte“ herausgegeben

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Fenster zur Vergangenheit: Beispiele aus der Totenzettel-Sammlung der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Geschichtsbücher lesen sich mitunter spannender als Krimis. Schauer läuft dem einen oder anderen über den Rücken, wenn von Henkern die Rede ist und die Aufzeichnungen nicht der Fantasie entspringen, sondern vergangene Realitäten zeigen.

So auch die „Neuen Beiträge zur Jülicher Geschichte“- Band 26, herausgegeben von Günter Bers in Verbindung mit der Joseph-Kuhl-Gesellschaft für die Geschichte der Stadt Jülich und des Jülicher Landes. Schon auf den ersten Seiten ist von Scharfrichtern zu lesen, einem Berufsstand, der seit dem Mittelalter die Todesstrafe vollstreckte.

Der Leser wird in ein grausames Kapitel unserer Historie entführt. Tobias A. Kemper stellt in einem Aufsatz die Genealogie der Scharfrichterfamilie Dillenburg in Münstereifel, Köln und Jülich dar. Interessant liest sich die Tatsache, dass Heiraten lediglich innerhalb des Berufsstandes erfolgten. Scharfrichterfamilien waren so häufig mehrfach untereinander verwandt.

Ein kleinerer Beitrag von Günter Bers mit der Überschrift: Ein „Exzess“ des Jülicher Scharfrichters im Jahre 1667, ergänzt das Thema. Er eröffnet Einblicke in das alltägliche Leben und der gesellschaftlichen Stellung. Einerseits war der Scharfrichter derjenige, der die geltende Rechtsprechung vollzog, andererseits wurde ihm mancherorts das Abendmahl verweigert.

Bers schildert einen Streit mit dem Kellner in Jülich, einem landesherrlichen Beamten, der die staatlichen Einnahmen und Ausgaben zu verwalten hatte. Die Auseinandersetzungen begründeten sich wahrscheinlich auf nicht ausgezahlte Gelder, worauf der junge Scharfrichter sich aggressiv zeigte, suspendiert wurde und später die Stadt verließ.

Ein weiterer Aufsatz, verfasst vom ehemaligen Oberkreisdirektor Josef Hüttemann, beschäftigt sich mit der kommunalen Neugliederung von 1971 und trägt den Titel „40 Jahre neuer Kreis Düren“. Der Autor beschreibt darin detailliert die Entwicklung der Zusammenlegung der damaligen Kreise Düren und Jülich, deren Zusammenhänge gerade im Hinblick auf die aktuellen Planungen, der Errichtung einer Kreishausniederlassung in Jülich, informativ sind, denn schon 1971 setzten sich die Vertreter Jülichs für eine Außendienststelle ein.

Der Name „Kreis Düren“, der heute noch manche Geister scheidet, stand ebenfalls zur Diskussion. Die Vertreter beider Kreise einigten sich auf den Namensvorschlag „Rurkreis Düren-Jülich“, setzten sich damit aber bekanntermaßen nicht durch. Landesregierung und Landtag lehnten mit der Begründung ab, Kreisnamen sollten kurz sein und möglichst nur den Namen der Kreisstadt führen. Der Landtag habe später, so Hüttemann, Doppelnamen wie Rhein-Erftkreis oder Kreis Siegen-Wittgenstein zugelassen.

Die Familie Rothschild aus Linnich

Hermann-Josef Paulißen widmet sich der Geschichte des Landjudentums und beleuchtet die Familie Rothschild von Linnich – von 1750 bis zum Gang in die Vernichtungslager des Ostens. Einen Beitrag zur Geschichte der örtlichen Juden leistet Harald Bongart in seinem Aufsatz „Die jüdischen Familiennamen von 1808 in Münstereifel“.

Bemerkenswert ist die Dokumentation von Michael Osieka „Familiengeschichte aus Zigarrenkisten – Die Totenzettel-Sammlung der Universitäts-und Stadtbibliothek Köln als Fenster zur Vergangenheit.“ Totenzettel fanden ihre Verbreitung, ausgehend vom 17. Jahrhundert, vor allem in den katholischen Teilen Europas. Sie hielten das Andenken der Toten wach und verbreiteten die Nachricht.

Eine Variante sind die heutigen Todesanzeigen. Vielfältige Informationen und eine reiche Gestaltung zeichnen die Sterbezettel bis in die 1960er Jahre aus. Neben den Geburts- und Sterbedaten, wurden Angaben zu Ehepartnern und Kindern gemacht, das Lebensumfeld und die Todesursache beschrieben. Damit ermöglichen sie einen kultur-und kunsthistorischen Überblick über den jeweiligen Zeitgeschmack sowie einen Einblick in die Geistes- und Gefühlswelt unserer Vorfahren, informiert Osieka. Einige Exemplare der Totenzettel-Sammlung der Universitäts-und Stadtbibliothek Köln sind abgebildet.

Kleinere Beiträge, Dokumentationen und Rezensionen komplettieren den neuen Band. Zusätzlich ist ein Register von Willi Dovern zu „Neue Beiträge zur Jülicher Geschichte“ Band 15-25 erschienen. Beide Bände sind im Jülicher Buchhandel zu haben.

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