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„Bänder“ verknüpfen das Werk der Kunstschaffenden

Von: ptj
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Aktion vor dem Hexenturm: Künstler Hans Peter Bochem führt mit der Umwicklung zweier Besucherinnen in sein Thema ein. Foto: Jagodzinska

Jülich. Viele fantasievolle Aspekte, dazu gute Laune und Live-Musik prägten die Vernissage zur ersten Themenausstellung in der Reihe „Made in Jülich“ im Hexenturm. Ausrichter ist ein „Ableger“ des Kunstvereins, der sich „art.com-spätschicht“ nennt.

Die sechs Kunstschaffenden konnten sich während ihres Berufslebens erst nach ihrem Tagwerk der Kunst widmen, nun steht sie im Vordergrund. Das Format „Made in Jülich“ wurde auf Wunsch geschaffen, um auch Vereinsmitgliedern eine Plattform zu bieten, was die Satzung des Kunstvereins untersagt.

Kreativ starteten die beiden Aussteller Monika Langthaler und Leo Brenner die Vernissage bereits vor dem Tor des Hexenturms mit afrikanischen Trommeleinlagen. Gleichzeitig führte Hans Peter Bochem in sein Thema „Verwicklung“ ein. Mit rot-weißem Absperrband umwickelte er die Besucherinnen Kornelia Grotta und Karin Straub.

Ungewöhnlich gestaltete sich auch der Aufstieg in den Hexenturm. Die Stufen der steilen Eingangstreppe hatte Kirsten Müller-Lehnen mit Substantiven und Adjektiven zum Ausstellungsthema „Bänder“ beschriftet und ließ Künstler und Gäste diese während des Aufstiegs als „Begriffsöffner“ in beliebiger Reihenfolge laut ausrufen. Beispiele sind „Verbindlichkeiten“, „Telefonverbindung“ oder „unverbindlich“.

Überwältigt zeigten sich die zahlreichen Gäste vom Hexenturm als fantasievoller Gesamtinstallation. „Wie kreativ! Darauf wäre ich nicht gekommen.“ oder „Man geht ganz anders durch den Turm und erkennt auf einmal überall Bänder“, formulierten Besucher ihre sensibilisierte Wahrnehmung.

Bevor sie die Ausstellung näher betrachteten und den superben Live-Vortrag von Sängerin Christa Dohmen und Gitarrist Leo Schwan durch Mitsingen und -klatschen schwungvoll begleiteten, stellte Kirsten Müller-Lehnen die Aussteller und ihre Werke vor.

Hans Peter Bochem hatte die Idee, Teile des Hexenturms zu umwickeln, um „dem bekannten ehrwürdigen Gebäude neue Aufmerksamkeit zuzuführen“. Im Rahmen seiner „Verwicklungen“ verführte er im Glasgang zum Kulturhaus zum Betreten einer „Verbotslandschaft“, die der Fantasie keine Grenzen setzt. In seinen weiteren Arbeiten im Turm spielen Holz, Papier und Licht eine Rolle.

Emotionale Botschaften

Leo Brenner wählte den hinteren Teil des Turms für eine malerische Installation mit schmalen, bemalten und beschrifteten Bändern mit emotionalen Botschaften, die den Besucher wie ein leichtes Zelt umschlossen. Um den Raum zu betreten, galt es, eine Bandsperre zu durchschneiden.

Monika Langthalers Werke basieren auf dem monatelangen Einwirken der Elemente Licht, Wind, Wasser und Gras auf Walzstahlplatten. Bei genauer Betrachtung wurden die Pflanzen auf dem Objektuntergrund sichtbar. Eine Bildebene und anschließende Verdichtung zur eigenständigen Skulptur entstand in Verbindung mit Sicherheitsnadeln, einem Synonym für Sicherheit und das Zusammenfügen.

Die raumbildenden Bandkonstruktionen „in schöner Klarheit“ des Druckgrafikers Michael Küpper entstanden aus Farbgebung, Druck und Faltung. An der „Strenge des Raumes“ erkennt der Betrachter den ehemaligen Berufsarchitekten, der auch den Ernst einmal beiseite lassen kann. Er wünschte „guten Appetit beim Genuss eines Bandsalates“, den er auf einem Teller neben Glas und Besteck servierte.

Seine Ehefrau Rosy Küpper macht Kalligrafie in vielen Werken „sinnlich erfahrbar“. Besonders fiel ein „Leoporello“, eine wandumfassende Bandzusammenfügung mit dem in unterschiedlichen Schriften und Schreibgerätschaften kalligrafierten Gedicht „Von der Freundschaft“ des libanesischen Poeten Khali Gibran ins Auge.

Auf Kirsten Müller-Lehnens „Begriffsöffner“ an der Treppe folgten bemalte Industrieschläuche als gebündelte Farbobjekte im Treppenhaus. Um Verbindungen Gestalt zu geben, setzte sie Acrylmalerei, Schrift und Collage ein. Emotionale Kräfte machte die Künstlerin in Bilderstrips mit „heftigen gestischen Zeichen“ sichtbar.

Die Themenausstellung „Bänder“ ist bis zum 27. August samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr im Hexenturm zu sehen.

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