Radarfallen Blitzen Freisteller

Autor Helmut Clahsen: Kindheit in der NS-Diktatur

Von: ng
Letzte Aktualisierung:
lesung_clahsen_bu
Er hat die NS-Diktatur in Aachen überlebt - viele Verwandte des halbjüdischen Helmut Clahsen fanden jedoch den Tod. Aus dem Buch „Mama, was ist ein Judenbalg? - Eine jüdische Kindheit in Aachen”, in dem er seine Geschichte festgehalten hat, liest er im Jülicher Roncalli-Haus. Foto: Gottfroh

Jülich. „Ein paar Nazis konnten sogar richtig gut rechnen”, erinnert sich Helmut Clahsen im Roncalli-Haus in Jülich an die furchtbarste Zeit seines Lebens. Dank der „mathematischen Fähigkeiten” der Nazis lernte er bereits als vierjähriger Junge, dass er zur Hälfte Jude war.

Dass es ihm aber keine Vorteile brachte, im Nationalsozialistischen Deutschland ein halbjüdisches Kind zu sein, auch das begriff der Junge schnell. Der Grund für den Besuch des heute 79-jährigen Autors in Jülich war eine von der Frauengemeinschaft Propsteipfarre St. Franz-Sales und des Bezirks Lich-Steinstraß initiierte Lesung. Clahsen las aus seinem Buch „Mama, was ist ein Judenbalg? - Eine jüdische Kindheit in Aachen” vor.

Beleidigt und gedemütigt

Das autobiographische Werk erzählt die Geschichte Helmut Clahsens Kindheit und gibt dem Leser einen Einblick wie es gewesen sein muss, als halbjüdisches Kind im Aachen der NS-Zeit aufzuwachsen.

Beleidigungen und Demütigungen waren für den kleinen Clahsen an der Tagesordnung - auch wenn er nicht immer verstand, was mit „Judenbalg” oder „Konzentrationslager” oder Aufforderungen wie „Kauf nicht beim Juden” und Türschildern „Juden und Hunde verboten” gemeint war. Wenn die Mutter auf Nachfrage jedoch zu weinen anfing, so war es für ihn ein Indikator dafür, dass das Gesagte etwas Schlimmes bedeuten musste.

Die Zuhörer lernten neben dem kleinen Helmut auch dessen Mutter, eine jüdische Konzertpianistin mit Auftrittsverbot, und seinen katholischen Vater kennen. Sie erfuhren vom „grauenhaften Schicksal der geliebten Tante Gustel”, die im KZ Auschwitz ihr Leben ließ und seiner Großmutter, die die Zeit im Konzentrationslager ebenfalls nicht überlebte.

„Meine Großmutter hielt es allerdings noch recht lange in Theresienstadt aus - es war schließlich das „Vorzeigelager”. Dort konnten Hilfsorganisationen bei Kontrollbesuchen an einem Tag noch den Gesang des Kinderchores anhören, der am nächsten Tag vergast wurde”, schildert Clahsen ganz drastisch.

Doch obwohl er Schreckliches erlebte und geliebte Menschen in Deutschlands schwärzester Zeit verlor - 70 seiner Verwandten ließen unter der Herrschaft des NS-Regimes ihr Leben - so ist er doch kein verbitterter Mann geworden, auch wenn manchmal ein Hauch Frustration in seinen Erzählungen mitschwingt - Groll fehlt in seinen Erzählungen überraschenderweise völlig.

Stattdessen erzählt Clahsen nicht nur von Tätern und Opfern, sondern auch von Menschen, die der braunen Gefahr trotzten und unter Einsatz ihres eigenen Lebens seine Familie schützten. „Man kann nicht alle Menschen verurteilen. Immer wieder haben mir Menschen - und erstaunlicherweise waren es jedes Mal couragierte Frauen, die in gefährliche Situationen eingriffen - das Leben gerettet. Man kann sagen, dass ich viele Schutzengel gehabt habe”, lächelt Clahsen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert