Aus für den Quelle-Shop nach 43 Jahren

Von: Simone Dolfus und Siliva Jagodzinska
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Der Aldenhovener Quelle-Shop-Betreiber Adolf Warnecke ist fassungslos über das Aus für das Versandhaus. Foto: Simone Dolfus

Aldenhoven/Rödingen. Die Klingel an der Ladentüre schellt, eine ältere Dame kommt wie selbstverständlich herein und fragt nach der roten Herrenjacke im Schaufenster. Im Geschäft stapeln sich Kartons und Waren aller Art.

Alles scheint seinen normalen Gang zu gehen im Quelle-Shop von Adolf Warnecke in Aldenhoven, einem der ehemals 20 besten Shops deutschlandweit, wie der 58-jährige als selbstständiger Unternehmer nicht ohne Stolz erzählt. Seit 1966 verkauft er Produkte des insolventen Versandhandelsriesen.

Wie es jetzt weitergeht, weiß Warnecke nicht. Informationen aus der Zentrale des Unternehmens in Fürth hat er nicht bekommen. Und so hat er noch an diesem Morgen einen Elektroherd, Weihnachtssachen und Miederwaren für seine Kunden geordert. Rund 5000 Stammkunden zählt der Unternehmer.

Er geht davon aus, dass er bis Dezember verkaufen kann. Den Laden will er auf jeden Fall halten. Möglicherweise vertreibt er dann Neckermann-Produkte. Die hat er schon jetzt im Programm. Das ist der Tatsache geschuldet, dass Neckermann zwischenzeitlich auch Teil der Karstadt-Quelle-Gruppe war, mittlerweile aber wieder als eigenständiges Unternehmen geführt wird und somit nicht von der Pleite betroffen ist.

Eine Zusammenarbeit mit dem Konkurrenten Otto kann sich Warnecke nicht vorstellen, aus Überzeugung: „Das ist, als ob man immer einen Opel hatte und plötzlich VW fahren soll.” Mit der umfangreichen Produktpalette ist er stets gut gefahren: „Die Sachen von Quelle waren nicht kaputt zu kriegen. Meine Kunden schwören darauf!” Dazu kamen große Kulanz, umfangreicher Kundenservice und lange Garantiezeiten. Manch einer habe seine Wohnung komplett mit Quelle-Ware ausgestattet, sagt Warnecke. Auch Einbauküchen habe er in Hülle und Fülle verkauft.

Gerade wer wenig Geld in der Tasche hatte, habe gerne auf die Ratenkaufangebote des Versandhauses zurückgegriffen. Für viele ältere Menschen - gerade auf den Dörfern - gebe es keine andere Möglichkeit Bedarfsgegenstände einzukaufen. „Ich habe schon selbst Waschmaschinen ausgeliefert. Kostenlos natürlich. Manchmal habe ich mich sogar um die Entsorgung der alten Maschine gekümmert”, erinnert sich Warnecke.

Wer den Laden an die Wand gefahren hat, darauf hat er eine eindeutige Antwort: „Zu hundert Prozent das Management!” Schon 1999, als Quelle mit Karstadt fusionierte, beschlich ihn die düstere Vorahnung: „Das ist unser Untergang!” Als Hertie, Wehmeyer und SinnLeffers pleitegingen beziehungsweise verkauft wurden, bestätigten sich seine Befürchtungen. „Wir wären besser ein eigenständiges Unternehmen geblieben.” Bei allen Wachstumsbemühungen hätten die wechselnden Manager einerseits das Kerngeschäft vernachlässigt, andererseits den Sprung ins Internet verpasst.
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