Jülich - Auch in Jülich: Zahnärzte spüren Loch in der Kasse

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Auch in Jülich: Zahnärzte spüren Loch in der Kasse

Von: Christoph Classen
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Bislang werden Patienten in Jülich behandelt wie bisher und nicht nur in Notfällen. Foto: Christoph Classen

Jülich. Die Kollegen haben bei Dr. Thomas Heil einen Nerv getroffen. „Die Aktion finde ich richtig”, sagt er und meint damit die Zahnärzte, die Kassenpatienten bis zum Jahresende nur noch in Notfällen behandeln wollen.

Heil, Zahnarzt mit Praxis in Jülich und Vorsitzender der Bezirksgruppe Aachen im Freien Verband Deutscher Zahnärzte, ist der Meinung, das sich eine Behandlung nicht nach nicht dem zur Verfügung stehenden Budget, sondern nach der medizinischen Notwendigkeit auszurichten habe. Dr. Henry Schneider sieht das ganz ähnlich. „Budgets gehen an der Wirklichkeit vorbei”, sagt der Zahnarzt aus Linnich.

Es sind die Budgets an denen sich der aktuelle Streit entzündet und derentwegen Zahnärzte im Kassenbezirk Bayern und Berlin-Brandenburg die Bohrer ruhen lassen. Zumindest, wenn es sich eben nicht um einen akuten Notfall handelt. Die Zahnärzte begründen ihre Aktion damit, dass ihre Behandlung-Budgets für das laufende Jahr bereits jetzt vollständig aufgebraucht seien. Viele Mediziner arbeiteten deswegen auf eigene Kosten.

„Loch in der Kasse”

Im Kassenbezirk Nordrhein und damit auch in unserer Region wird dagegen weiterbehandelt wie bisher. Noch zumindest. „Ähnliche Aktionen kann ich hier im Moment ausschließen”, sagt Rolf Hehemann, Vorstand der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Nordrhein.

Ob er diese Garantie auch für die Zukunft geben könne, hänge im Wesentlichen vom Ausgang der Gespräche mit den Krankenkassen ab, bei denen Hehemann derzeit als Verhandlungspartner mit am Tisch sitzt. „Ich bin da bislang sehr optimistisch”, zieht Hehemann eine Zwischenbilanz. Generell stellt er aber klar: „Auch bei uns klafft ein Loch in der Kasse. Wir haben im Grunde genommen dieselben Budgetprobleme, wie die Kollegen in anderen Kassenbezirken.”

Ein Unterschied zwischen Bayern und Berlin-Brandenburg und dem Bezirk Nordrhein besteht allerdings bei der Aufteilung der Budgets. „Bei uns ist die Honorarverteilung auf das Quartal bezogen, nicht auf das Jahr”, sagt Waldemar Radtke, Regionaldirektor der AOK Rheinland-Hamburg für das Gebiet Düren-Jülich.

Radtke möchte sich gar nicht dagegen sperren, über die Höhe der Budgets eine Diskussion zu führen. Im Gegenteil, sie sei sogar „unbestritten Notwendig”. Für die Teilzeit-Streikaktion der Zahnärzte kann er allerdings kein Verständnis aufbringen: „Es ist nicht fair gegenüber den Patienten, diesen Konflikt auf ihrem Rücken auszutragen.”

Zahnarzt Schneider verweist darauf, dass den Medizinern gar keine andere Möglichkeit bliebe, um auf den Missstand aufmerksam zu machen. „Und falls man mal eine Zahnsteinentfernung in das nächste Jahr verschiebt, wenn sie dann wieder bezahlt wird, haben viele Patienten Verständnis dafür”, sagt er. Und: „2008 bezahlten die Krankenkassen erbrachte Leistungen im Gegenwert von 150 Millionen Euro nicht.” Da sei es nicht verwunderlich, dass es auch in unserer Region in den vergangenen Jahren einige Praxiskonkurse gegeben habe.

Nicht alles abgerechnet

Kollege Heil sagt, dass es bei den Zahnärzten in Jülich ohnehin Alltag sei, dass erbrachte Leistungen nicht abgerechnet würden. Weil die Budgets dann noch viel früher ausgeschöpft seien.

Heil hält das gesamte Honorarsystem schlichtweg für nicht mehr zeitgemäß, er wünsche sich, bei der Behandlung von Patienten nicht darüber nachdenken zu müssen, ob er das Geld von den Krankenkassen auch erstattet bekommt. Heil sagt: „Budgets führen dazu, dass Sie Behandlungen nach Budget führen.”
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