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Atommüll-Transport: Protestdemo in Jülich

Von: hfs.
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Jülichprotest
Rund 100 Atomkraftgegener haben am Samstag auf dem Jülicher Marktplatz beim ersten „Aktionstag” gegen die „Verschiebung von hochkontaminiertem Müll” ins Zwischenlager in Ahaus protestiert. Foto: hfs.

Jülich. „Der Atommüll soll so lange in Jülich bleiben, wie die Frage der Endlagerung geklärt ist”, sagt Felix Ruwe, Sprecher der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus”.

Sie war es, die am Wochenende zum ersten Aktionstag gegen den geplanten Transport von radioaktivem Material aus dem Zwischenlager des Jülicher Forschungszentrum (FZJ) ins westfälische Ahaus aufrief. Rund 130 Demonstranten folgten dem Aufruf und versammelten sich auf dem Jülicher Marktplatz.

Neben der BI aus Ahaus waren es die Anti-Atomkraft-Initiativen aus dem Münsterland, dem Ruhrgebiet und dem Rheinland, das Klimabündnis Niederrhein, der BUND Duisburg sowie diverse Parteiverbände, die sich an dem ersten Aktionstag unter dem Motto „dem Castor entgegen” beteiligten. Rund 150 dieser tonnenschweren Behälter lagern noch auf dem Gelände des FZJ.

Genehmigung läuft aus

In jedem ist verstrahltes Material aus dem Abbruch des Versuchsreaktor AVR eingeschlossen, wartet in einem Zwischenlager auf den Weitertransport. Ob ins Zwischenlager nach Ahaus, oder aber in ein Endlager, darüber sind sich die Experten nicht einig. „Wir fordern, dass der Atommüll hier in Jülich bleibt, dort wo er auch produziert wurde”, machte Ruwe auf die Problematik aufmerksam.

Denn die Genehmigung für das Jülicher Zwischenlager läuft im Jahre 2013 aus, eine Verlängerung kommt für die zuständige Atombehörde aus Sicherheitsgründen - die elektronische Überwachung der rund 300.000 hochradioaktiven Brennelemente Kugeln aus dem AVR-Reaktor entspricht nicht mehr dem neuesten Stand der Technik - nicht mehr in Frage.

Ein Neubau würde über 40 Millionen Euro kosten, Geld, das das FZJ beziehungsweise der Bund als 90-prozentiger Eigentümer nicht mehr investieren will. Da das Zwischenlager in Ahaus noch genügend Kapazitäten aufweist, soll der Atommüll frühestens ab dem Jahre 2012 dorthin transportiert werden.

„Dies ist nur ein Verschieben des grundsätzlichen Problems, das Ganze ist konzeptlos”, meinte der Bundestagsabgeordnete Volker Krischer von Bündnis 90/Grüne in Jülich. „Mit dieser ungewöhnlichen 170 Kilometer langen mobilen Demonstration wollen wir unseren Protest gegen diese sinnlose Atommüll-Verschieberei dorthin tragen, wo der Atommüll lagert und bearbeitet wird.

Die jetzt geplanten Atommülltransporte nach Ahaus zeigen, dass eigentlich niemand weiß, wohin der Müll soll”, schloss sich Krischer der Forderung der BI an. Samstagmittag hatte sich ein Autokonvoi von rund 25 Fahrzeugen von Duisburg aus auf den Weg über Ahaus nach Jülich gemacht.

Bis zur Abfahrt Koslar

Die Absicht der Demonstranten, sich an der Autobahnabfahrt Jülich-Mersch mit hiesigen Protestlern zu treffen, wurde von der Polizei untersagt.

Da nicht feststand, wie viel Autos sich an der geplanten Umfahrung des FZJ beteiligen würden, die Fahrt von Mersch aus durch die Jülicher Innenstadt möglicher Weise mit einem Verkehrschaos enden würde, mussten die Protestler bis zur Abfahrt Koslar weiter fahren. Dort wurde sie von Polizeikräften auf den Jülicher Markt geleitet.

Die Polizei gab Hilfestellung, entfernte die Absperrpolder, damit ein mitgeführtes großes Castor-Modell auf den Marktplatz gefahren werden konnte. Dort machten Mitglieder von Bündnis 90/Grüne und der Partei „Die Linke ” ihrerseits mit Transparenten auf den „Müll-Verschiebe-Transport” aufmerksam.

Falsches Castor-Modell

Auch einige Jülicher Bürger beobachten aus einer gewissen Distanz die Protestaktion, die ohne jegliche Vorkommnisse endete. Hier und da gab es lediglich kleinere Diskussionen unter den Beobachtern.

„Wenn ihr schon protestiert, dann sollten ihr doch ein richtiges Castor-Modell mitführen”, meinte zum Beispiel ein ehemaliger FZ-Bediensteter, der selbst im Zwischenlager gearbeitet hatte. Denn die in Jülich vorgefahrene Castor-Attrappe entsprach nicht der Größe, die im Zentrum gelagert werden. „Dies ist ein Castor, wie er in anderen Kernkraftwerken gebraucht wird, rund 80 Tonnen schwer. Die hat es in Jülich nie gegeben”, sagte der Fachmann.

Für den Sicherheitsdienst des FZJ war der Aktionstag zwar kein Samstag wie jeder andere - es herrschte, so hieß es, eine etwas angespannte Aufmerksamkeit - doch gab es den normalen Schichtdienst.

Lediglich das große eiserne Tor am Besucherzentrum war geschlossen worden. Vor diesem hatten sich vor der Demonstration auf dem Marktplatz einige Protestler mit ihren Autos „verirrt”, hatten nicht mitbekommen, dass die BI angesichts der zeitlichen Verzögerung - die Kundgebung fand mit fast einstündiger Verspätung an - kurzfristig den Plan geändert hatte, die Umfahrung des Jülicher Zentrums auf das Kundgebungsende verschoben hatte.

So machten sich denn weit weniger Autos auf die „Umfahrung”. Dass diese erste Demonstration nicht die letzte sein wird, betonte Ruwe. „Wir kommen wieder, wir unterstützen euch bei dem Bemühen, die Transporte zu verhindern.” Dafür gab es Applaus bei den Aktionisten und den Parteimitgliedern, denn die angesprochenen normalen „Jülicher Bürger”, die sucht man bei der Demo vergebens.
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