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Atommüll-Transport: Demonstration ohne Konfrontation

Von: hfs.
Letzte Aktualisierung:
Siegfried Faust
Siegfried Faust

Jülich. Es könnte ein Vorgeschmack gewesen sein auf den Tag, an dem der erste genehmigte Castortransport die Herzogstadt Jülich verlässt. Hier die Demonstranten, die einen Verbleib der 152 Behälter im Zwischenlager des Jülicher Forschungszentrum fordern. Dort die Polizei, die für die Sicherheit der Atommüll-Transporte nach Ahaus sorgen muss.

Beide Seiten, so hatte es nun beim so genannten Autobahnaktionstag am Samstag in Jülich den Anschein, testeten den Ernstfall. Hier rund 200 Protestler, dort um die 300 Einsatzkräfte.

„Wehrt Euch, leistet Widerstand gegen das Atom verseuchte Land”, intonierte der Sänger auf dem Jülicher Marktplatz. Dort hatten sich nach Polizeiangaben rund 150 Demonstranten - die Organisatoren sprachen von 300 Personen - versammelt, um gegen die geplante Verlegung der im Forschungszentrum gelagerten 152 Castorbehälter ins westfälische Ahaus zu protestieren. In Ahaus hatte am Vormittag der Autobahnaktionstag begonnen. Ein anschließend in Duisburg gestarteter Autokorso mit rund 80 Fahrzeugen führte dann über die Autobahn nach Jülich.

Kontrolliert

„Es hat keine schwerwiegenden Zwischenfälle gegeben”, so Heiner Möller, Sprecher von den Münsterländer Anti Atom-Initiativen. Der hatte die Fahrt bis Jülich organisierte, die von einem Großaufgebot von Polizeifahrzeugen begleitet wurde.

Fünf große, von den Initiatoren in Bonn angemietete Lastwagen mit großflächigen Transparenten gegen den Atomtransport weckten unterwegs die Aufmerksamkeit der Polizei. „Drei Fahrzeuge wurden aus dem Konvoi heraus gewunken, wurden hinsichtlich ihrer Sicherheit kontrolliert. Man wollte wissen, ob die Fahrer auch die entsprechende Fahrerlaubnis hatten”, berichtete Möller und sah dies als legitimes Mittel der Polizei an.

Offizielle Einsatzzahlen wurden nicht mitgeteilt. „Es sind so viele Polizeibeamte vor Ort, damit wir auf jede Situation angemessen reagieren können”, meinte der Kreis Dürener Polizeisprecher Willi Jörres. Den Einsatz insgesamt koordinierten Jörres Kollegen aus Borken. So hatte man denn auch Spezialkräfte aus NRW zusammen gezogen, Einheiten aus Bonn, Recklinghausen oder auch Köln. Auffällig auch, dass Beamte im Zivil im Einsatz waren.

Die Jülicher Kernstadt war am Samstag Nachmittag jedenfalls fest in der Hand der Einsatzkräfte, nicht nur auf dem Walramplatz, sondern auch in den Seiten- und Zufahrtstraßen waren Polizeifahrzeug in großer Anzahl postiert. Nach Schätzungen und offiziell nicht bestätigten Zahlen waren es an die 80 Fahrzeuge, darunter viele mit ausgerüsteten Einsatzkräften besetzt waren. Es dürften rund 300 Beamte im Einsatz gewesen sein, ein Einsatz, der an diesem Tag ausgesprochen friedlich verlief.

Dass es einmal anders zugehen wird, verkündete Matthias Eickhoff von der Initiative „Sofortiger Atomausstieg” als Redner auf dem Marktplatz. „Sollten die Transporte rollen, dann werden die Behörden die gesamte Bandbreite eines Protestes erleben. Auch auf den Autobahnen. Wir werden dann die Transporte so teuer wie möglich machen”, kündigte er an, wobei er in diesem Zusammenhang auch die vom Energieriesen EON geplanten zwei Transporte mit so genannten Mischoxid-Brennelemente (Mox) mit rund 450 Kilogramm hoch radioaktivem Plutonium von Antwerpen ins Kernkraftwerk Grohnde /Hannover ins Visier nahm. „Die werden wir verhindern”, betonte Eickhoff. Er wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass EON diese schon am Vormittag per Ankündigung auf Eis gelegte hatte.

Dass der Sprecher in der Folge die im Forschungszentrum tätigen Mitarbeiter als „Kriminelle, denen wir das Handwerk legen werden”, bezeichnete, erregte den Unmut von einigen ganz wenigen Jülichern, die die Protestaktion am Rande verfolgte. „Ich bitte Sie dafür zu sorgen, dass diese Aussage jetzt sofort zurückgenommen wird. Langsam ist es mit der Verunglimpfung der Mitarbeiter genug”, forderte zum Bespiel der Jülicher Helmut Seyfarth, ehemaliger Angestellter des Forschungszentrum Tel.den Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer (Bündnis 90/Grüne) auf.

Doch der zeigte diesbezüglich kein Interesse an dem Protest, hatte zuvor als Redner Land und Bund aufgefordert, endlich für Klarheit hinsichtlich der weiteren Zwischenlagerung in Jülich zu sorgen. An die anwesenden Protestler von Bündnis 90/Grüne appellierte er, „Druck auf ihre Landesregierung zu machen, damit die Castoren in Jülich bleiben. Denn man muss gemeinsam eine Lösung finden”, sagte er an die Adresse von Bundesministerin Schavan und NRW-Regierungschefin Kraft.

„Atommüll-Verschieberei”

Dass der in den Castorbehälter eingeschlossene Atommüll nur für 40 Jahren sicher eingeschlossen sei, dies behauptete Heiner Möller. „Danach muss dieser Verschluss wieder kontrolliert werden, so sieht es die Genehmigung vor. Soll er dann wieder zurück von Ahaus nach Jülich, denn nur in den dortigen Heißen Zellen ist eine solche Kontrolle möglich?”, wetterte Möller gegen die Atommüll-Verschieberei, die noch nicht entschieden ist. Auch wenn hinsichtlich der weiteren Lagerung in Jülich nachgedacht wird, werde, so Möller, „weiterhin intensiv an den Plänen zum Transport nach Ahaus gearbeitet”.

Dass die Polizei, wie angekündigt, auf jede mögliche Eskalation sofort reagieren würde, erlebten zwei Jugendliche, die am Walramplatz in einen verbalen Streit gerieten. Sofort wurden sie von Polizeikräften umstellt, die Personalien überprüft.
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