Jülich - Arbeitslosenprojekt muss gestoppt werden

Arbeitslosenprojekt muss gestoppt werden

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Jülich. Am Ende sah sich der Vorstand des Christlichen Sozialwerks Jülich (CSJ) gezwungen, „die Reißleine zu ziehen“: Ende des Monats gibt der Verein zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit sein Projekt „Hilfen in Haus, Hof und Garten“ auf, das von Anfang an mit zum CSJ-Angebot gehörte.

Drei Gründe nennt CSJ-Vorsitzender Dr. Thomas Kreßner als Ursache für die finanzielle Schieflage des Projektes, die auf Dauer nicht durch den Griff in die Rücklagen auszugleichen war. Betroffen sind vier Mitarbeiter, die sich arbeitssuchend gemeldet haben.

0 Euro öffentliche Förderung

Zuletzt musste das CSJ in diesem Sektor mit „0 Euro öffentlicher Förderung“ auskommen. Die letzten Zuschüsse flossen 2012 von der jobcom für einen behinderten Mitarbeiter. Als Grund hat Dr. Kreßner politische Entscheidungen in Berlin identifiziert, wo durch erhebliche Kürzungen im Etat der Bundesanstalt für Arbeit faktisch die Streichung bewährter Programme für Langzeitarbeitslose beschlossen worden sei.

Die Situation hat sich weiter verschärft, als mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) ein Großkunde verloren ging, der das Projekt bisher zu 60 bis 70 Prozent ausgelastet hat. Die „Hilfen in Haus, Hof und Garten“ besorgten bislang die Grünpflege in den LVR-Wohngruppen von Viersen bis Bonn und waren, so Kreßner, auch sehr mit deren Garten- und Hausmeistertätigkeit zufrieden. Als jedoch kurzfristig die Vergabeverfahren geändert werden mussten, hatte das CSJ-Projekt prompt das Nachsehen.

„In dem Bieterverfahren haben wir trotz knapper Kalkulation den Zuschlag verfehlt“, äußerte der CSJ-Vorsitzende den Verdacht, dass andere Bewerber hier mit Dumpinglöhnen arbeiten, während beim CSJ nach Tarifvertrag gezahlt wird. Ähnliche Erfahrungen machte der Verein bereits vor einigen Jahren bei den Ausbildungsbegleitenden Hilfen (AbH) , einem pädagogischen Hilfsprojekt für Azubis, das nach öffentlicher Ausschreibung ebenfalls wieder eingestellt werden musste.

Der Versuch, den Verlust des LVR-Großauftrags durch die Gewinnung vieler kleiner Kunden zu kompensieren, führte trotz großer Anstrengungen nicht zum Erfolg und mündet nun in der Schließung der Gartenabteilung, zumal die Arbeitsförderung umgestellt worden ist: Das Geld aus der Arbeitslosenversicherung werde gezielt in die Vermittlung qualifizierter Arbeitsloser gesteckt, aber die Mittel für den Teil der Arbeitslosen stark gekürzt, die auf besondere Hilfen angewiesen sind.

Das sind rund drei Millionen Frauen und Männer, deren Vermittlung in den Arbeitsmarkt durch gravierende Schwierigkeiten stark beeinträchtigt ist und um die sich insbesondere das CSJ kümmert. Diese Personengruppe ist gekennzeichnet durch hohes Lebensalter, geringe Qualifikation, gesundheitliche Einschränkungen bzw. eingeschränkte Mobilität. Je mehr Faktoren zutreffen, desto schwieriger ist die Vermittlung. „Die Politik muss einsehen, dass es im Kreis der Arbeitslosen diese große Gruppe gibt, die auf Dauer Förderung benötigen“, fordert Dr. Kreßner ein Umdenken. „Andernfalls rutschen sehr viele Menschen in ein gesellschaftliches Ghetto und haben nicht mehr die Möglichkeit der Teilhabe am normalen Leben“ – also Arbeitsförderung statt Hartz IV. So ist das Sozialwerk stolz darauf, dank Integration durch Arbeit „viele Menschen bis zur Rente“ geführt zu haben.

Großen Wert legt der CSJ-Vorstand auf die Feststellung, dass die übrigen Projekte des Sozialwerks von der Schließung nicht betroffen sind. So setzen das Gebrauchtmöbel-Kaufhaus „Möbel und Mehr“ (MuM, vier Stellen) am Hexenturm, die Alten- und Familienhilfe (elf Stellen), das Stellenmanagement sowie die Fahrradreparatur für Menschen mit geringem Einkommen (je eine Stelle) ihre Arbeit fort. Erhalten bleibt auch die Möglichkeit, Haus oder Wohnung durch das MuM-Team entrümpeln zu lassen. Als neues Projekt steht demnächst „Café Gemeinsam“ an.

Gleichwohl gewarnt ist das CSJ durch das „Trägersterben in Deutschland“: Ein Negativbeispiel für Konsequenzen der als falsch empfundenen Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung wird etwa In Via Düren-Jülich genannt.

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