Arbeit mit geistig Behinderten: „Kompass”-Film will aufklären

Von: ptj
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Das gesamte Filmteam an einem Tisch: Vorne rechts ist Darstellerin Silke Zeschke zu sehen, hinten rechts Rebecca Hilger. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Jeder geistig Behinderte oder Angehörige im Einzugsbereich des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) kann sich an Kompass wenden. Wir beraten zeitnah und niederschwellig vor Ort”, fasst Dipl.-Psychologe Reinhold Braun die Arbeit des LVR-Instituts für Konsulentenarbeit „Kompass” mit Sitz im Technologiezentrum zusammen.

Das Beratungsangebot richtet sich auch an Fachkräfte der Behindertenhilfe.

Der LVR-Einzugsbereich reicht grob gerechnet von Kleve bis Wuppertal und von Aachen bis Much. In den fünf Jahren ihres Bestehens verzeichnete das Institut etwa 500 Anfragen. Kooperationspartner ist das niederländische „Centra voor Consultatie en Expertise”. Beide Institute entwickeln ihre Arbeit im Austausch mit dem deutsch-niederländischen Euregioprojekt „Hand in Hand”.

Um gegenüber der Öffentlichkeit, Fachwelt und Politik sowohl die Probleme geistig Behinderter als auch die Leistung ihrer Betreuer zum Ausdruck zu bringen, ließ „Kompass” erstmals in Deutschland einen Film über diesen Entwicklungsprozess drehen.

Geldgeber war der ehemalige Institutsleiter Heinz Tietjen, Produzent die niederländische Firma „Woord & Beeld”. „Der Film” ohne konkreten Titel zeigt fünf ausgewählte Beispiele, in denen Konsulenten in kritischen Situtationen geistig Behinderter zu einer positiven Veränderung beitragen.

So hat Rebecca Hilger in einer Neusser Gärtnerei wieder Arbeit und Anschluss gefunden. Sie hatte ein „stark herausforderndes Verhalten und war verbal sehr ausfallend”. Durch „Kompass” fand sie in Matthias Oeffling einen „Transfer-Coach”, der sie im Austausch mit Elternhaus und Werkstatt in einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess begleitete. Dieser dauert laut Coach bei geistig Behinderten etwa fünf Jahre. Seine Aufgabe ist es in dieser Zeit, „dass keiner den Mut verliert”. Zu Wort kam im Film auch Mutter Hilger, die offen gestand: „Manchmal fällt es mir sehr schwer”.

Zweites Beispiel ist Silke Zeschke, die in Düren eine eigene Wohnung hat und regelmäßige Betreuungsstunden erhält. Neben ihrer geistigen Behinderung war die zwanghafte Zerstörung ihrer notwendigen Brille ein Problem.

In der Aufarbeitung mit Braun, zu der eine bildhafte Umsetzung mit Playmobilmännchen zählte, erkannte sie ihre Zerrissenheit: „Einerseits will sie lernen, ohne gesetzliche Betreuung zu leben, andererseits macht sie sich selbst einen Strich durch die Rechnung”, umschrieb eine Betreuerin den Konflikt. Zeschke kompensierte Probleme im Elternhaus mit Zerstörung. Spürbarer Erfolg der Unterstützung und Motivation durch „Kompass” ist , dass die 38-Jährige ihre Brille seit einem halben Jahr schont.

Zudem stellt der Film den Neuorientierungsprozess von Dirk Kupke dar, der jetzt seine eigene Wahl trifft. Er zeigt And Keller, der wieder mehr Verständnis für seine Wünsche und Absichten findet, und Silvia Gottfried, die lernt, wichtige Entscheidungen für sich selber zu treffen.

In einer Feierstunde dankte Braun allen am Film Beteiligten, besonders den Darstellern mit Handicap für ihren Mut und ihre Offenheit. Braun wünscht sich eine größere Transparenz der bisher viel zu sehr im Stillen verrichteten Arbeit von „Kompass”.
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