Jülich - Arabische Teekanne trifft deutsche Torte

Arabische Teekanne trifft deutsche Torte

Von: Nicola Gottfroh
Letzte Aktualisierung:
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Ein Stück deutsche Sahnetorte und dazu Tee aus der arabischen Silbertkanne: Im Leben von Iman, Nouria und Ilham Kerroumi (von links ) verschmelzen marokkanische Wurzeln und deutsche und arabische Lebensweisen. Die Familie ist in Jülich integriert. Foto: Nicola Gottfroh

Jülich. Was bedeutet Integration? Heißt es, die eigene Vergangenheit zu verleugnen, Traditionen zu vergessen und Kultur und Religion bedingungslos aufzugeben? Bedeutet es, die persönlichen Überzeugungen zu verleugnen und sich von den eigenen Wurzeln loszulösen, nur um in einer Gesellschaft akzeptiert und anerkannt zu werden?

Die Kerroumis aus Jülich haben einen Weg der Integration gefunden, auf dem sie sich nicht selbst verloren haben.

Stattdessen verschmelzen im Leben der Familie mit marokkanischen Wurzeln deutsche und arabische Lebensweisen: Im Wohnzimmer brennen die Räucherstäbchen mit süßem Opiumduft, ansonsten mutet es wenig orientalisch an: Der Stil der Einrichtung ist mehr schwedisch als marokkanisch. Tee wird zwar aus der arabischen Silberkanne serviert, dazu wird aber deutsche Sahnetorte gereicht. Wie viele andere Migranten leben die Kerroumis den Mix aus europäischer und arabischer Kultur. Dennoch bleiben sie ihren tiefsten Werten treu, ohne sich vom Rest der Gesellschaft abzuschotten.

Ein zentraler Punkt im Leben der Kerroumis ist die Religion, der Islam. Deshalb tragen die fünf Frauen der Familie ein Kopftuch. Gelegentlich, so erzählen sie, werden insbesondere die jungen Töchter gefragt, ob sie zum Tragen des Kopftuches gezwungen werden. Doch bei ihnen schließen sich Emanzipation und Kopftuch nicht aus. Sie tragen das Kopftuch mit Selbstbewusstsein und absoluter Selbstverständlichkeit. Was für viele ein Zeichen der Unterdrückung der Frau ist, ist bei den Kerroumis nichts weiter als ein Zeichen des tiefen Glaubens fünf intelligenter und emanzipierter Frauen, die sich nicht unterdrücken lassen.

Ebenso wichtig wie ihr Glaube ist den Frauen die Bildung. „Das hat unsere Mutter uns vorgelebt”, sagt die 22-jährige Iman, die älteste Tochter der Familie. „Sie hat immer sehr großen Wert auf unsere Bildung gelegt. Bevor die Hausaufgaben nicht fertig waren, durften wir nicht spielen”, sagt sie und lacht. Die Einstellung von Mutter Nouria hat sich ausgezahlt. Als die heute 43-Jährige nach ihrem Abitur in Marokko 1987 nach Jülich kam, konnte die junge Frau kein Wort Deutsch. Doch weil Nouria Kerroumi eine Frau ist, die selbstständig sein wollte und die Kontakte in alle Bereiche und Gruppen der Jülicher Gesellschaft anstrebte, lernte sie die fremde Sprache schnell.

Da Nouria zu den Eltern der Freunde ihrer Tochter einen guten Kontakt pflegte, versteht sie sich blendend mit der Pfarrersfamilie und hat in der Kirche schon zum Thema Islam referiert. Ihr ist ein vorurteilsfreier Umgang miteinander sehr wichtig. Dank dieser Einstellung ist die Familie ein fester Bestandteil in der Jülicher Gesellschaft, die Kontakte zu deutschen, marokkanischen und Familien anderer Nationalitäten pflegt. Sie bleiben sich selbst treu und sind trotzdem offen für Neues.
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