Altersheilkunde soll Standort Jülich sichern

Von: Volker Uerlings
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Ein wichtiges Ziel nach der Behandlung von erkrankten oder verletzten Seniorinnen und Senioren im Krankenhaus Jülich soll künftig die Mobilisierung sein – in einer geriatrischen Abteilung. Foto: Stock/Geisser
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Eine akut geriatrische Versorgung soll den Krankenhausstandort Jülich langfristig sichern. Foto: Jonel

Jülich. Wenn von „defizitären Krankenhäusern auf dem Lande“ die Rede ist, fallen natürlich die Namen einiger Kliniken, die mehr ausgeben als sie einnehmen. In der großen Politik sind dann Experten schnell geneigt, diesen Einrichtungen die Schließung zu empfehlen. Das St. Elisabeth-Krankenhaus in Jülich gehört seit geraumer Zeit zu diesem Kreis.

Schon unter Führung der Malteser gab es Millionen-Defizite, unter Träger ctw (Caritas Trägergesellschaft West) ist es besser geworden, aber noch nicht gut. Von daher war eine frische Mitteilung von ctw-Geschäftsführer Bernd Koch im Stadtrat rundweg erfreulich: „Es gibt nicht den Hauch von Anzeichen, dass die Bezirksregierung Standorte infrage stellt.“ Das gilt mithin für Jülich und Linnich gleichermaßen. Derzeit läuft die „Krankenhausplanung 2015“. Hier will sich Jülich so aufstellen, dass es langfristig sicher ist: mit Einrichtung einer „akut geriatrischen Versorgung“.

Bernd Koch und der Kaufmännische Direktor in Jülich, Dirk Offermann, warben im Stadtrat um politische Unterstützung für dieses Unterfangen, denn die Entscheidung über eine neue Abteilung sei nicht allein eine technische Abstimmung mit den Kostenträgern, also den Kassen. Koch: „Die Bezirksregierung hat den Erfahrungen gemäß einen Ermessensspielraum.“ Da sei es nicht unwichtig, ob es aus Stadt und Kreis politischen Rückenwind gebe.

Offermann erklärte dem Stadtrat: „Geriatrie ist Zukunft. Die Bevölkerung wird extrem altern, und dieser Entwicklung müssen wir uns stellen.“ Die Fachabteilung für Altersheilkunde scheint da wie geschaffen. Der Schachzug scheint klug, denn während es in allen möglichen Fachbereichen Betten-Überkapazitäten gibt, ist für zwei Versorgungsbereiche eher Mangel festgestellt: Neurologie und Geriatrie, wie Bernd Koch informierte.

Im Kreis Düren und mit dem Schwesterhaus St. Marien Birkesdorf gebe es bereits eine Geriatrie samt Tagesklinik. Ziel für Jülich sei eine „akut geriatrische Komplexbehandlung“. Bedeutet: Beispielsweise bei einem Oberschenkelhalsbruch wird nicht nur die Erkrankung/Verletzung an sich behandelt, sondern der Patient in der Nachsorge auch mobilisiert. Dirk Offermann formuliert das Ziel: „Ein älterer Patient wird so mobilisiert, dass er nicht erst in ein Heim muss oder mindestens die vorhandene Pflegestufe behält.“

Strategisches Ziel aller Bemühungen sei die „Sicherung des Standortes Jülich“, wie die ctw-Vertreter im Stadtrat darlegten. Das Haus habe „viele Millionen Euro Defizit eingespielt“, erklärte Offermann. Daher wurden die „Bereiche, die stabil liefen“, ausgebaut. Mit Geburtshilfe/Gynäkologie wurde eine Abteilung, die eben nicht wirtschaftlich gewesen sei, geschlossen. Die Geriatrie ist nun der Schritt in die Zukunft.

Neueinstellungen notwendig

Obschon die geburtshilfliche/gynäkologische Versorgung zum 31. Juli in Jülich endete, hat sich nach Angaben des Kaufmännischen Direktors die Beschäftigtenzahl nicht verändert. 350 Frauen und Männer arbeiten im Krankenhaus, weil sich die Klinik bereits auf die gewünschte Geriatrie-Abteilung einstellt. Damit kann das Haus nicht erst anfangen, wenn die Bezirksregierung grünes Licht gibt, sondern muss bereits Grundstrukturen zeigen können. Wenn – wie oben beschrieben – Senioren behandelt werden, dann kümmert sich seit Oktober ein interdisziplinäres Team um die Patienten. Dazu waren Neueinstellungen notwendig, die Versetzungen kompensiert haben.

Assistenzärzte, die sich zum Geriater weiterbilden lassen wollen, könnten das in Jülich tun, denn wieder macht sich die Beziehung nach Birkesdorf für das Haus in der Herzogstadt positiv bemerkbar. Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es laut ctw-Geschäftsführer Bernd Koch eben in dieser Region nur in Birkesdorf, Würselen oder Frechen.

Der Kreis Düren hat die Pläne der Caritas Trägergesellschaft West für Jülich offensiv unterstützt. „Der Kreistag befürwortet die Ausweisung einer akut geriatrischen Abteilung in Jülich, auch der Landrat hat sich entsprechend positioniert“, berichtete Geschäftsführer Bernd Koch im Neuen Rathaus der Herzogstadt. Am 28. November sei ein Schreiben aus Düren an die Bezirksregierung gegangen.

Der Stadtrat selbst beließ es nach einigen Fragen bei einer „gefühlten“ Zustimmung – kopfnickend.

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