Allseits beliebter Bäckerwerker in Aldenhoven

Von: hfs.
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Der 26-jährige Max Krumbach (v.l.) hat trotz Handicap den Beruf des Bäckerwerkers erlernt. Darüber freuen sich Arbeitgeber Helmut Stolz, Bundessieger Daniel Plum, Heike Stolz und Pascal Devos von der Bundesagentur für Arbeit. Foto: hfs.

Aldenhoven. „Ich möchte den Kollegen Mut machen, behinderten Menschen eine Arbeitsstelle zu geben“, sagt Heike Stolz, die mit ihrem Mann Helmut in Aldenhoven die Bäckerei und Konditorei „Café Bremen“ und ein weiteres Geschäft in Hoven führt. An beiden Standorten arbeitet Maximilian Krumbach.

Seit August ist er angestellt, hat einen, wie es in der Branche zu üblich ist, zweijährigen Arbeitsvertrag erhalten. Max ist 26 Jahre alt. Er hat ein Handicap, leidet an Trisomie 21, auch Downsyndrom genannt. Das hat ihn jedoch nicht daran gehindert, eine Bäckerlehre zu absolvieren und erfolgreich abzuschließen.

„Max ist unser Goldstück, unser Sonnenschein“, sagt Heike Stolz mit sichtlichem Stolz über ihren Angestellten. Der, dem soviel Lob zuteil wird, lacht, freut sich über das Kompliment. Nicht minder Mutter Ruth, die stolz ist auf ihren Sohn. Mit Recht, denn Max absolvierte eine vierjährige Ausbildung. „Er ist jetzt Bäckerwerker“, sagt Ausbildungsmeister Helmut Stolz. Das Berufsbild gibt es in NRW noch nicht lange, eröffnet Menschen wie Maximilian aber die Chance, eine Lehre zu absolvieren. „In reduzierter Form, was Praxis und Theorie anbelangt“, erklärt der Chef. Er ist froh, den 26-Jährigen angestellt zu haben. „Natürlich wollten wir Max zuerst einmal kennenlernen, die Chemie muss ja stimmen, nicht nur zwischen dem Arbeitgeber, auch mit den anderen Angestellten.“

Nach einem Kurzpraktikum war klar: Max Krumbach wird eingestellt. Danach „haben sich direkt unsere anderen Gesellen erkundigt, ob der Max nicht mehr kommt“. Dabei war er nur für einen Tag erkrankt, stand anderntags morgens um 5 Uhr pünktlich in der Backstube. Helmut Stolz kann seinen Bäckerwerker überall einsetzen und tut es auch. Ausgenommen sind Arbeiten, für die mehr Körpergröße, zum Beispiel am Backofen, gefragt ist. „Dass Tolle ist: Max sieht, wo Arbeit nötig ist, und packt dann auch direkt an“, berichtet die Chefin, bei der Max Krumbach einen Stein im Brett hat. Angesprochen auf seine Lieblingstätigkeiten in der Backstube, nennt Krumbach das Brötchenbacken. „Bei uns werden die noch mit der Hand gemacht“, sagt er und ergänzt, dass Mohn- und Sesambrötchen besonders gelingen, „wenn die mit viel Liebe gemacht werden.“

Besonders freut sich Max Krumbach, wenn ihm Daniel Plum über die Schulter schaut. „Er ist mein Freund“, sagt er über den Arbeitskollegen, der sich zuletzt einen Namen als Bundessieger im Bäckerhandwerk sowie als 3. Europameister machte. Bereits vor zehn Jahren stellte Helmut Stolz einen jungen Mann mit Handicap ein. „Das habe ich nie bereut“, sagt der Meister, der hervorhebt: „Menschen mit Behinderung gehören zu uns, sie leben mit uns, sie partizipieren von unserer Gesellschaft, aber sie geben uns auch viel zurück.“

Worte, die bei Pascal Devos auf Zustimmung stoßen. Er ist bei der Bundesagentur für Arbeit als Arbeitsvermittler in der Arbeitgeberbetreuung tätig. „Betriebe wie die von Helmut Stolz sind leider noch nicht üblich“, sagt Devos. Er bemüht sich deshalb, noch mehr Menschen mit Handicap in ein Arbeitsverhältnis zu vermitteln. Ende November waren im Kreis Düren 616 Menschen mit Handicap arbeitslos gemeldet. „Das sind 5,7 Prozent der Arbeitslosen“, weiß Klaus Jeske, bei der Bundesagentur für Marketing zuständig. Er hebt das soziale Engagement der Eheleute Stolz hervor. „Da wird Integration gelebt“, so Jeske, der den Leitgedanken von Heike Stolz, „dass ein Miteinander nur funktioniert, wenn man es mit dem Herzen macht“ nur bejahen kann.

Das ist daran zu erkennen, dass Max nicht aufgab, als der erste Lehrherr insolvent wurde und ein zweiter Ausbildungsbetrieb her musste, der ihn nach erfolgreicher Lehre aber nicht übernahm. Zwar sei mehr Aufwand zum Beispiel beim „Schreibkram“ notwendig, räumt Heike Stolz ein, „aber da wurden und werden wir hervorragend von der Agentur für Arbeit unterstützt“.

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