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Algensprit soll einmal Flugzeuge antreiben

Von: hfs.
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Auf 1000 Quadratmetern hängen Süß- und Salzwasseralgen in Plastikschläuchen. Dank optimierter Lichtbedingungen sind die Pflanzen in der Lage, ihr Gewicht pro Stunde zu verdoppeln. Foto: hfs.

Jülich. Täglich werden weltweit 600.000 Tonnen Kerosin in der Luftfahrt verbraucht. Da sich nach Schätzung von Experten das Fluggastaufkommen in den nächsten zehn Jahren verdoppeln wird, steigt auch der Kerosinverbrauch drastisch.

„Treibstoff wird immer knapper, er wird aus dem nicht nachhaltigen Energieträger Erdöl hergestellt. Zuerst war die Idee, aus Algen Kerosin zu machen, eine Illusion, die wird nun aber realisiert.“ Dr. Dominik Behrendt blickt auf seine Algenzucht. Gleich drei Produktionssysteme haben er und seine Mitarbeiter zur Verfügung. Auf insgesamt 1500 Quadratmetern gedeihen die Algen prächtig, jede Stunde können sie ihr Gewicht verdoppeln. Dabei spielt es keine Rolle, ob Süß- oder Salzwasseralgen verwendet werden. Dass bereits sehr viel über Algenkerosin geschrieben wurde, verheimlichen die Wissenschaftler nicht. „Aber bisher fehlen Anlagen, die unter ökologischen und ökonomischen Aspekten die besten Ergebnisse liefern“, sagt Behrendt.

Da in erster Linie die Luftfahrt angesichts der Zuwachsprognosen mittelfristig nachhaltigen Treibstoff benötigt – jedenfalls, was die Produktion von Kerosin betrifft – waren und sind Wissenschaftler in aller Welt bemüht, die Herstellung von Flugzeugbenzin mittels Mikroalgen zu bewerkstelligen. „Die winzigen Algen enthalten bis zu 70 Prozent fette Öle, für unsere Produktion genau das Richtige“, sagt Behrendt, dessen Team elf Einrichtungen aus Forschung und Industrie im Verbundprojekt „Aufwind“ koordiniert.

Im unlängst eröffneten „Algen Science Center“, hoben der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Thomas Rachel aus Düren, sowie sein Kollege Peter Bleser dessen Bedeutung hervor, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Während das Forschungsministerium das Projekt drei Jahre lang mit 1,4 Millionen Euro fördert, gibt das Ernährungsministerium 5,75 Millionen.

Wie die Algenzucht im FZJ optimiert wird, erläuterte Andreas Müller vom Institut für Bio- und Geowissenschaften. Da die verwendeten Algen „Wildstämme“ sind, die nicht an die Bedingungen in den Bioreaktoren angepasst sind, werden die Forscher die genetische Vielfalt der grünen Pflanzen hinsichtlich Photosynthese, Wachstum und Stoffproduktion testen. Erklärtes Ziel ist es, nachhaltig Biomasse für Treibstoff zu produzieren, ohne dafür landwirtschaftliche Flächen zu verbrauchen. Denn eines steht fest: Im Luftverkehr, betonte Lufthansa-Vizepräsident Joachim Buse, „gibt es zu flüssigen Treibstoffen keine Alternativen“. Elektromotoren und Brennstoffzellen fallen aus Gewichts- und Sicherheitsgründen für den Antrieb aus.

Wann mit der industriellen Produktion für Algensprit in großem Stil zu rechnen ist, kann nur spekuliert werden. „Ich rechne damit, dass wir bis 2035 die Produktion für den Luftverkehr hinkriegen“, sagt Dr. Behrendt. Wo die riesigen Algenzuchten dann erfolgen werden – in Gewächshäusern, riesigen Hallen oder auf Seeflächen – darüber sind sich die Wissenschaftler noch nicht einig. Fest steht jedoch, dass das jetzige Forschungsvorhaben in Jülich zu dieser Frage (noch) keine Alternative bietet. „Wir schaffen mit unseren Mikroalgen gerade einmal eine Tonne Kerosin im Jahr. Die würde uns aus Kostengründen aber keiner abnehmen“, sagt Behrendt.

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