Ältere Mitbürger haben es im Winter besonders schwer

Von: ng
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Tagelang konnten ältere Bürger wegen Schnee und Eis nicht aus ihrer Wohnung. Und noch immer trauen sie sich noch nicht so recht auf die Straße, weil manche Bürgersteige noch glatt sind Foto: gep

Jülich. Ohne Stock traut sich Marlies Keil seit einiger Zeit nicht mehr auf die Straße. Zu groß ist die Angst der rüstigen Seniorin, auf den derzeit zwar tauenden aber an vielen Stellen noch immer vereisten Straßen hinzufallen.

Marlies Keil muss trotzdem vor die Tür - ihr Hund will ausgeführt werden. Doch jeder Gang aus ihrem Haus auf die Straße des Nordviertels macht ihr zu schaffen - und das macht sie sauer.

„Es ist schlicht eine Zumutung”, sagt die Vorsitzende des Seniorenbeirates Jülich. „Die Straßen im Nordviertel sind noch immer nicht anständig geräumt. Man weiß noch immer nicht, wo man überhaupt laufen soll.”

Zwar seien die Bürgersteige weitgehend frei, das Überqueren der Straße sei aber eine Herausforderung. Denn dort sei es noch immer spiegelglatt, so die Vorsitzende des Seniorenbeirates.

Keil ist bei weitem nicht die einzige, die sich über die „Zustände auf den Straßen” ärgert. Viele Ältere seien tagelang gar nicht auf die Straße gegangen, zu groß war die Angst, sich etwas zu brechen. „Wie die Einsiedler haben viele Senioren zwischen Weihnachten und Neujahr gelebt”, sagt sie.

So auch Hans P. aus Jülich. Selbst beim Tauwetter dieser Tage bewegt er sich noch ganz vorsichtig „Ich bin nicht mehr gut zu Fuß. Aber endlich kann ich mal wieder vor die Tür”, sagt der 85-Jährige erleichtert. Denn seit Weihnachten konnte er sich nur in seinen eigenen vier Wänden aufhalten. Nicht mal zum Supermarkt konnte er. Und deshalb war er auch auf die Hilfe seiner Töchter angewiesen, die ihn mit Lebensmitteln versorgten. „Ohne sie wäre ich aufgeschmissen gewesen”, sagt er.

Wenig Kontakt

Vor allem aber fehlte ihm der Kontakt zu anderen Menschen - und sei es nur die kurze Plauderei an der Wursttheke über das Wetter.

So litten nicht nur seine sozialen Kontakte, sondern auch das Gemüt. Und auch das sei ein besonderes Problem, sagt Andrea Rumpel, stellvertretende Pflegedienstleiterin der Caritas-Pflegestation Jülich-Aldenhoven. „Im Winter sind die älteren Menschen ohnehin depressiver, als in der hellen Jahreszeit. Durch eine solche wetterbedingte Isolation wird die Situation nicht gerade besser.”

Selbst ältere Menschen, die mitten in der Innenstadt Jülichs wohnen, konnten nicht mal für einen Spaziergang oder einkauf vor die Tür. „Ich kam gar nicht raus”, sagt eine 85-jährige Rentnerin. „Meine Putzhilfe war so nett, mir die wichtigsten Lebensmittel einzukaufen”, erzählt sie. Inzwischen geht sie wieder alleine einkaufen.

Doch weil die Dame auf ihren Rollator angewiesen ist, ist der Weg zum Supermarkt noch immer beschwerlich. Noch ist nicht alles weggetaut, noch muss sie Slalom um Schneehaufem fahren.

„Ich sehe zwar ein, dass auch die Stadt Jülich jede Menge mit dem Schneeräumen zu tun hatte. Aber ich verstehe nicht, warum Fußgängerüberwege nicht richtig frei gemacht wurden. Für alte Menschen mit Gehhilfen sind das unüberwindbare Hürden.”
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