Aldenhoven - Abwehrfront gegen Gesamtschule wird immer breiter

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Abwehrfront gegen Gesamtschule wird immer breiter

Von: gep
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Aldenhoven. Das Vorhaben der Gemeinde Aldenhoven und der Stadt Linnich, eine gemeinsame Gesamtschule zu errichten und am 1. August 2013 in Betrieb zu nehmen, steht auf immer wackligeren Füßen.

Nachdem die Bezirksregierung bereits erhebliche Vorbehalte gegen die Errichtung einer sechszügigen integrierten Gesamtschule in vertikaler Gliederung erhoben hat, ist jetzt die Käthe-Kollwitz-Realschule in Aldenhoven ausgeschert. Die Schulkonferenz, bestehend aus Lehrern, Eltern und Schülern, hat sich gegen das Projekt ausgesprochen. Wie aus zuverlässiger Quelle zu erfahren ist, begründet die Schulkonferenz ihr Nein damit, dass ein großes gemeindeübergreifendes Schulsystem es nicht leisten könne, eine „übersichtliche und familiäre Atmosphäre” sowie eine „optimale Lehr- und Lernumgebung” zu bieten.

Dagegen befürwortet die Ganztagshauptschule (GHS) Aldenhoven die geplante Gesamtschule

Der Aldenhovener Gemeinderat und der Linnicher Stadtrat wollen am Donnerstag, 8. November, in einem Grundsatzbeschluss grünes Licht für das Projekt geben. Laut Beschlussvorschlag sollen sowohl in Aldenhoven als auch in Linnich in jedem Schuljahrgang der Sekundarstufe I jeweils drei Parallelklassen mit jeweils 25 Schülern beschult werden, das wäre die vertikale Variante mit insgesamt (mindestens) 150 Schülern. Doch intern hat der Aldenhovener Bürgermeister Lothar Tertel bereits eingeräumt, dass Marianne Moors, Regierungsdirektorin bei der Bezirksregierung als Genehmigungsbehörde, „eine vertikale Errichtung nicht für genehmigungsfähig hält”. Laut Moors würden „im Schuljahr 2015/16 sowie 2017/18 bereits keine sechs Züge erreicht”. Und Schulkinder aus anderen Kommunen könnten nur mitgezählt, „wenn es eine Beschulungsvereinbarung” mit diesen Städten und Gemeinden gebe. Diese ist aber unwahrscheinlich etwa mit Jülich, das eine Kannibalisierung seiner vier Oberstufen fürchtet, oder mit der Gemeinde Titz, die - nach ihrem Zerwürfnis mit Linnich - gerade eine unmissverständliche Resolution gegen eine Gesamtschule im Nordkreis verabschiedet hat.

Zudem steht die vertikale Sechszügigkeit unter dem Vorbehalt, dass das NRW-Schulgesetz entsprechend novelliert wird. Aber selbst diese Änderung vorausgesetzt, hat Regierungsdirektorin Moors Zweifel an der Realisierbarkeit.

Strittig ist auch die Zählweise bei der Auswertung der Elternbefragung in beiden Kommunen. „Hochgerechnet” (bezogen auf 240 angeschriebene Viertklässler-Eltern) hatten sich 172 für den neuen Schultyp ausgesprochen. Wie Tertel in einem internen Vermerk feststellt, wäre das Ergebnis „vermutlich noch besser gewesen”, wenn nur über eine vertikale Lösung hätte abgestimmt werden können. Die Bezirksregierung jedenfalls wertet die nahezu 75 Prozent Zustimmung als „falsch bzw. gar nicht”. Die CDU in Aldenhoven hält die Hochrechnung indes schlichtweg für „mathematischen Schwachsinn”. Man „rechnet sich das schön”, meinte der Fraktionsvorsitzende Reinhard Paffen auf Anfrage. Nicht hinreichend berücksichtigt werde die Zahl derer, die ein Gymnasium für ihr Kind bevorzugen würden. „Sechs Züge kriegen wir nicht zusammen”, ist sich der Siersdorfer Christdemokrat sicher.

Der Gemeinderat, der am Donnerstag ab 16.30 im Rathaus tagt, müsse den „Beschluss zumindest ändern”. Die CDU werde für eine horizontale Gesamtschule votieren. „Den Elternwillen”, so Paffen, „können wir nicht in Zweifel ziehen.” Bei der horizontalen Variante werden die Klassen 5 bis 9 am Standort 1 und die Klassen 9 bis 13 am Standort 2 unterrichtet. „Das würden wir mitmachen”, betont Paffen. Diese Lösung hält auch das Schuldezernat der Bezirksregierung laut Tertel-Vermerk für „absolut” genehmigungsfähig.

Bis zum 30. November muss der Bezirksregierung Köln der Antrag zur Genehmigung der Gesamtschule vorliegen. Tertel intern: „Die Einwände der Nachbarkommunen und die Grundeinstellung der Bezirksregierung gilt es nun auszuräumen. Ein dorniger Weg liegt noch vor uns.” Wie immer in Aldenhoven und in Linnich (ab 18 Uhr) entschieden wird, muss auf jeden Fall das Moderationsverfahren mit den Nachbarkommen erfolgen, um den regionalen Konsens herzustellen und die „bereits zahlreichen Einwände” (Moors) auszuräumen.
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