Jülich - 36 Millionen Euro Anschub für Pflanzenforschung in Jülich

36 Millionen Euro Anschub für Pflanzenforschung in Jülich

Von: hfs.
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Professor Ulrich Schurr (2.v.l.) erläuterte dem Parlamentarischen Staatssekretär Thomas Rachel im Hightech-Gewächshaus, wie die Wissenschaft das Wachstum von Kulturpflanzen untersuchen kann. Foto: hfs.

Jülich. „Die Wahrheit liegt auf dem Feld“, sagt Professor Ulrich Schurr als Leiter des Instituts für Bio- und Geowissenschaften im Forschungszentrum Jülich. Ihm überreichte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Thomas Rachel (CDU), einen Bewilligungsbescheid, der mit einer Höhe von knapp 36 Millionen Euro der höchste ist, den der Parlamentarier in seiner bisherigen Dienstzeit überreichen konnte.

Mit dieser Projektförderung sollen Entwicklung und Aufbau eines Deutschen Pflanzen Phänotypisierungs-Netzwerk (DPPN) auf den Weg gebracht werden.

Dass die dringlichen Fragen zur künftigen Ernährung der Weltbevölkerung nicht auf Deutschlands Äcker beantwortet werden, ist klar. Klar ist aber auch, dass das Jülicher Forschungszentrum mit verantwortlichen Wissenschaftlern vom Helmholtz-Zentrum München und dem Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben federführend in Europa sind, was die Züchtung und vor allen Dingen die Widerstandsfähigkeit von künftigen Kulturpflanzen anbelangt, „damit diese mehr Produktivität und Ertrag bringen, um die Ernährung der rasant anwachsende Weltbevölkerung zu garantieren“, umschrieb Schurr als Koordinator des DPPN-Projektes die Zielsetzung des Netzwerks. Dessen Ursprung wurde schon vor Jahren in Jülich gelegt.

„Der Pflanzenforschung kommt aus Sicht der Bundesregierung in den kommenden Jahren eine große Bedeutung zu“, meinte Thomas Rachel. Er unterstrich, dass man von den drei Kooperationspartnern wichtige Impulse erwarte, um zum Beispiel Alternativen zu fossilen Rohstoffen zu entwickeln. „Wir müssen eine biobasierte Wirtschaft auf den Weg bringen, um Produkte und Lösungen zu bekommen, damit die Nahrung von Mensch und Tier gesichert wird.“

Deshalb werden die Wissenschaftler in den nächsten fünf Jahren – für diese Dauer gilt zuerst einmal der Bewilligungsbescheid – in Jülich Infrastrukturen aufbauen, um unter genau kontrollierten Umweltbedingungen im Labor und auf dem Feld das Pflanzenwachstum zu erforschen. Damit dies in Gestalt und Größe widerstandsfähiger, gegenüber Stress unempfindlicher wird und auf unterschiedlichen Böden nahezu unveränderte Erträge liefern kann. Kurzum: Die Ertragsqualität und die Nachhaltigkeit müssen verbessert werden.

Ans genetische Potenzial

Da Pflanzenwurzeln bislang züchterisch kaum zugänglich sind, müssen die Forscher an das genetische Potential heran, müssen Umwelteinflüsse, denen die Pflanzen zum Beispiel durch den Klimawandel ausgesetzt sind, untersuchen. „Der Phänotyp ist das, was wir von Pflanzen sehen und nutzen“, hob Schurr hervor und betonte, „dass jetzt für das Netzwerk die strukturellen und physiologischen Eigenschaften von Pflanzen für deren Forschung und die praktische Züchtung quantitativ erfasst werden“. Dabei würden sich die drei Partner hinsichtlich ihrer technologischen Kompetenzen bei der Entwicklung neuer Methoden ergänzen. Dementsprechend ist die Fördersumme aufgeteilt, wobei das FZJ mit 18 Millionen Euro den größten Teil erhält.

„Wir müssen dahin kommen, die Erträge und die Produktivität der Pflanzen zu steigern. Dies aber auf gleichbleibender Fläche“, erläuterte Ulrich Schurr das grundlegende Problem, neue Eigenschaften bei den Pflanzen zu züchten, damit erneuerbare Rohstoffe und damit auch Biomasse unbegrenzt zur Verfügung stünden. „Wir müssen den Zugang zur Produktivitätssteigerung finden“, sind es nach Aussage von Schurr nicht nur die Experten aus der Molekularbiologie, von denen Antworten erhofft werden. „Viele Disziplinen sind gefragt, dazu eine internationale Zusammenarbeit.“ Die sollen neue Konzepte und Technologien entwickeln, damit dann nationale Züchter und Agrarindustrie-Unternehmen gewonnen werden, um anschließend die neue Pflanzenbiotechnologie der Zukunft auf den Weg zu bringen.

Die beteiligten Partner im DPPN erhielten ihren Bewilligungsbescheid im Institut für Phytosphäre, wo ein Hightech-Gewächshaus betrieben wird. Prozesse wie Nährstofftransport oder aber die Pflanzenreaktion auf veränderte Licht- und Klimaverhältnisse werden dort visualisiert und messbar gemacht. Die Ergebnisse dieser Forschung werden praxisnah den Anwendern zur Verfügung gestellt, wobei die Untersuchung von Pflanzen als Basis für Nahrungsmittel, Rohstoffe oder Energie im Fokus des wissenschaftlichen Interesses steht.

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