Jülich - 15 Jahre KuBa: Erzählabend mit Marias Vater

15 Jahre KuBa: Erzählabend mit Marias Vater

Von: ptj
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Gestenreich und locker: Der er
Gestenreich und locker: Der erfolgreiche Journalist und Schriftsteller Jan Weiler bereichert die Jubelwoche im Kulturbahnhof. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Das wär auch mal was für Jülich”, dachte sich Cornel Cremer bei der Jan-Weiler-Verfilmung „Maria, ihm schmeckts nicht”, und richtig: Ein voll besetzter Saal im KuBa zu dessen 15-jährigem Jubiläum und ein begeistert lachendes Publikum bestätigten seine gute Wahl.

„Mein neues Leben als Mensch” heißt Weilers brandneue Veröffentlichung, Fortsetzung seines zwei Jahre alten Buchs „Mein Leben als Mensch” und seiner gleichnamigen Wochenkolumne. Bevor der gebürtige Düsseldorfer und Wahlmünchner allerdings den Protagonisten Leben einhauchte, wärmte er die Lachmuskeln des Publikums mit Anekdötchen an, „großartigen Dingen in Zügen und auf Bahnhöfen”, die er von Lesereise zu Lesereise passiert.

Dann gab es das versprochene „Wiedersehen” mit dem „italienischen Gastarbeiter”, seinem Schwiegervater Antonio Marcipane, Weilers Frau Sara und den Kindern Karla und Nick, die im Gegensatz zum nicht alternden Erzähler reifer geworden sind: „Pubertier” Karla ist inzwischen zwölf und tritt „maulfaul und übelnehmerisch auf”. Also sieht sich der Schriftsteller gezwungen, sich mit „Mickey-Mouse-Hightech und Spion-Equipment” auf dem Laufenden zu halten. Karla brachte auch den Begriff „endlaser” (mega cool) in die Familie (und ins Publikum). Noch kindlich ist hingegen ihr achtjähriger Bruder Nick. Mit ihm fährt der Erzähler unter anderem nach missglückten Bastelversuchen einer Martinsfackel mit „Sackkarre und Gasbrenner zum Martinszug, selbst St. Martin war schwer beeindruckt”.

Ferner geht es um Weilers sprachliche Weiterentwicklung vom „Wüstfluchen” am Steuer, das auch seine Kinder als Winzlinge sogleich verinnerlicht hatten, und etliche Lebensweisheiten und -fragen. So liegt dem Autoren „die Weltherrschaft überhaupt nicht”, und er findet auf manche Fragen im Leben keine Antwort, zum Beispiel: „Was wollte der Typ von der Kuh, der irgendwann mal die Milch entdeckt hat?” Weiler weiß: „Otterfellmützen sind zum Regieren absolut notwendig”, wie in Nordkorea, wo „nur der Chef eine tragen darf”, um gleich die Kurve zum hessischen Vize-Bundesvorsitzenden Volker Bouffier zu kriegen: „Nordkorea ist bei uns Hessen.”

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel diente als Vorlage: „Wir sollten alle viel öfter auf unsere Bundeskanzlerin hören: Aussteigen ja, aber mit Augenmaß.” Wer hier allerdings einen politischen Exkurs erwartete, irrte: Es folgte eine urkomische Ausstiegs-Trampelei aus einem Zug.

Mit einer Passage aus seinem „Buch der 39 Kostbarkeiten” verabschiedete sich Weiler in die Pause, einem Lachkrampf-gefährdeten „Selbstversuch in der Volksmusik”. Gleich zu Beginn der zweiten Hälfte stellte der Schriftsteller klar, dass nach weiteren etwa „40 Minuten einfach Schluss” sei. Aus Rücksicht auf die „mitgeschleppten Ehemänner” entfiele der gefürchtete Satz: „Hat jetzt irgendeiner noch eine Frage?”, um gleich darauf seine Vorliebe fürs Signieren zu erwähnen. Dafür stünde er im Anschluss gerne zur Verfügung. Ein Exkurs in die Welt der Witze und deren unterschiedliche Wirkung auf zwei Generationen folgte.

Statt des abrupten Endes ließ er mehrere kleine Zugabe folgen, zum Beispiel die Weisheit: „Wenn am Samstag ein Mann zur Lesung geht, dann geht er auch zur Eheberatung.” Deshalb verzichtet Weiler nun auf samstägliche Lesungen, nachdem auch kurze Sportberichterstattungen während der Veranstaltung bei den Herren der Schöpfung nicht die gewünschte Wirkung erzielt hatten.
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