100-facher Protest gegen Windkraftriesen

Von: Otto Jonel
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Die Liste, die Bernward Fladun
Die Liste, die Bernward Fladung (r.) Bürgermeister Wolfgang Witkopp übergab, wiegt schwer. Über 100 Hottorfer protestieren darin gegen die 200-Meter-Windkraftanlagen an der Ortsgrenze. Foto: Jonel

Linnich. „Wir haben rund 120 Haushalte in Hottorf und über 100 Unterschriften gesammelt”, nordete Bernward Fladung die Bedeutung des Hefterinhalts ein, den er dem Linnicher Bürgermeister Wolfgang Witkopp übergab. Der so dokumentierte Protest ist geradezu umfassend.

Die unterzeichnenden Hottorfer dokumentieren ihren Widerstand gegen die Pläne eines Windparks an der Ortsgrenze. Dabei richtet sich der Protest nicht allgemein gegen Windkraft oder Windkraftanlagen, sondern konzentriert sich auf einen wesentlichen Aspekt der Hottorfer Planung. „Das Schlimme ist die Höhe der Anlagen. Die waren in Nordrhein-Westfalen bisher tabu”, so Bernward Fladung, der in Begleitung einer kleinen Schar aus dem Dorf in das Linnicher Rathaus gekommen war. Die geplanten Anlagen und ihre Nähe zum Dorf machen jetzt schon Angst, bekannte Wilma Fladung.

Die Hottorfer sehen sich mit einem Anlagetyp konfrontiert, den es so in Deutschland nur an einem Standort in Bayern gibt und „der nur in der Nähe von Autobahnen” errichtet werden sollte. Diese Windkraftanlage hat eine Gesamthöhe von 200 Metern bei einer Nabenhöhe von 143 Metern und einem Radius von 57 Metern Flügelblatt. Sechs dieser Großanlagen - jede fast 40 Meter höher als der Kölner Dom - sind mit einem Abstand von 1000 Metern zur Wohnbebauung bei Hottorf geplant.

Diese Riesen ersetzten im Juni ohne Aufhebens die bis dahin geplante Anlagengröße von lediglich 180 Metern Gesamthöhe, wie das Planungsbüro VDH Erkelenz auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte. Sowohl dieses Planung als auch die Art und Weise, wie sie kommuniziert wurde, so Fladung, nämlich erst auf Nachfragen während der Bürgerinformationsveranstaltung zur Jahresmitte, „ist völlig inakzeptabel”.

Als die Hottorfer Bevölkerung realisierte, welche Giganten nur 1000 Meter von der Ortsgrenze aus dem Acker wachsen sollen, formierte sich Widerstand. „Wir sind nicht gegen Windkraft”, betonte Wilma Fladung im Gespräch mit dem Bürgermeister. Allerdings fühlten sich viele buchstäblich überfahren. Nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Gesundheit der Anrainer werde durch diese Windräder beeinträchtigt.

Anlass zu dieser Vermutung gebe das Beispiel der Bewohner des belgischen Ortes Estinnes. Dort seien solche Anlagen in Betrieb. „Die Leute sagten uns, dass sie die Dinger noch in 2000 Meter Entfernung hören”, gab Fladung Erfahrungen wieder. „In Estinnes sind viele Menschen krank geworden.” Da es in Deutschland keine Erfahrungswerte gebe und die Schallemissionen nur hochgerechnet würden, wie Toningenieur Stefan Ebert vom Planungsbüro erfahren hatte, „sind wir die Versuchskaninchen”.

Die Befürchtung der Initiative: Wird mit diesen gigantischen Anlage erst mal der Tabubruch in Hottorf vollzogen, gebe es kein Zuück mehr. „Das ist brandgefährlich”, warnte Fladung. Mit den Unterschriften reichten die Hottorfer ihren Widerspruch gegen die Planung ein.

Bürgermeister Witkopp versicherte, die Einwände der Hottorfer sehr ernst zu nehmen. Er habe „großes Verständnis für das, was Sie vortragen”. Seit der Kommunalwahl 2009 und dem politischen Wechsel habe es in Linnich einen Sinneswandel hin zu mehr Windkraft gegeben. Im Frühjahr 2011 lagen der Stadt „25 Anträge von Investoren” auf Errichtung von Windkraftanlagen vor.

Ob die drei beschlossenen Windkraftkonzentrationszonen sich als profitabel für die Stadt erweisen werden, bezweifelte Witkopp angesichts der hohen Abgaben an den Kreis. Unabhängig von seiner Überzeugung, dass das Planungsbüro sich im Rahmen der gesetzlichen Auflagen bewege, liege, so Witkopp, die letztlichen Entscheidungskompetenz der Stadt. Er werde die Bedenken der Hottorfer an die Fachgremien weiterleiten.
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