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Zentraler Gutachter scheidet aus Wegberger Klinik-Verfahren aus

Von: dpa
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Wegberg Antonius-Klinik
Der ehemalige Chef der Antonius-Klinik in Wegberg muss sich vor Gericht verantworten, weil sieben Patienten durch Behandlungsfehler gestorben sein sollen. Foto: dpa

Mönchengladbach. Im Prozess um den Wegberger Klinik- Skandal hat das Mönchengladbacher Landgericht einen zentralen Gutachter ausgeschlossen. Das Gericht habe einem Befangenheitsantrag der Verteidigung stattgegeben, sagte eine Gerichtssprecherin am Donnerstag.

Weil der Professor sein Gutachten auch für einen abgetrennten Verfahrensteil erstattet hatte, der zu einer Verurteilung führte, sah das Gericht ihn für das übrige Verfahren als möglicherweise befangen an. Nun muss ein neues Gutachten erstellt werden. Unterdessen wurde das Verfahren gegen einen mitangeklagten Arzt gegen eine Geldauflage von 1000 Euro eingestellt.

Der Professor hatte besonders den Einsatz von Zitronensaft zur Wundbehandlung kritisiert. Wegen des heimlichen Einsatzes des Safts bei einer 80-jährigen Patientin war Chefarzt Arnold Pier bereits zu 15 Monaten Haft auf Bewährung wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt worden. Die Verteidigung hat dagegen Revision eingelegt. Wegen der Erkrankung eines Schöffen musste der Prozess nach dem Teilurteil abgebrochen und neu begonnen werden.

Neben Pier sind nun noch zwei weitere Klinikärzte wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. In dem neuen Prozess geht es wiederum unter anderem um die Behandlung der Wundinfektion einer Patientin mit frischem Zitronensaft. Pier hatte die wirtschaftlich angeschlagene kleine Klinik in Wegberg bei Mönchengladbach zum 1. Januar 2006 übernommen. Der Hauptangeklagte war Klinik-Besitzer, Chefarzt und ärztlicher Direktor in einer Person.

Die Staatsanwaltschaft hatte Pier vorgeworfen, für den Tod von sieben Patienten und für mehr als 60 Fälle von Körperverletzung verantwortlich zu sein. Pier habe aus rein wirtschaftlichen Gründen seinen Patienten gesunde Organe entnommen und an teuren Medikamenten gespart, so die Anklage. Pier und seine Verteidiger bestreiten die Vorwürfe vehement und haben die Verwendung des Zitronensaftes als medizinisch vertretbar verteidigt. Mehrere Gutachter sahen dies anders.

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