Heinsberg-Oberbruch - Zahlreiche Nationalitäten an einem Frühstückstisch

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Zahlreiche Nationalitäten an einem Frühstückstisch

Von: Rainer Herwartz
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Amos-Geschäftsführerin Elfi Brockhoven, Renate Becker, Leiterin des Arbeitslosenzentrums und Sprachlehrerin Feride Rüber (von Links) holen Menschen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen an einen Tisch. Foto: Herwartz

Heinsberg-Oberbruch. Frauen sind eindeutig das kommunikativere Geschlecht. Ihre im Vergleich zum Mann weit ausgeprägtere Freude am verbalen Austausch ist längst wissenschaftlich bewiesen. Und dass gerade dies ein entscheidender Schlüssel im täglichen Miteinander der Kulturen ist, beweist ein neues Projekt in Oberbruch unter dem Motto „Lasst uns Brücken bauen“. Die Besonderheit dabei ist, dass das Fundament für die Brückenpfeiler schon in der kleinen Küche des Arbeitslosenzen-trums gelegt wird.

„In erster Linie geht es darum, die immer noch vorhandenen Berührungsängste zwischen den Kulturen Stück für Stück abzubauen, die auf allen Seiten den Alltag bestimmen“, sagt Renate Becker, die Leiterin des Arbeitslosenzentrums in Oberbruch. „Es ist in der heutigen Zeit leider immer noch nicht selbstverständlich, dass Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen alle an einem Tisch sitzen. Oft lebt man nebeneinander her und versucht nicht, den Anderen und seine Kultur zu verstehen.“

Was zunächst vielleicht banal klingt, weil es kein Resultat großer, medienwirksam propagierter Integrationspolitik ist, erwies sich dennoch als gelungene Aktion. Mit der Organisation eines deutsch-türkischen Frühstücks, bei dem deutsche und türkische Frauen Seite an Seite einen Multikulti-Gaumenkitzel für ihre gemeinsamen Gäste zauberten, wurden nicht nur die Geschmacksnerven für neue Erlebnisse sensibilisiert, sondern ebenso der Verstand.

„Die Idee hatten Frau Rüber und ich“, sagt Renate Becker. „Frau Rüber“ heißt mit Vornamen Feride, ist Türkin, lebt seit elf Jahren in Deutschland und ist zudem mit einem Deutschen verheiratet. Um die „Brücken“ zu den unterschiedlichen Kulturen zu bauen, stünde man natürlich nicht nur gemeinsam in der Küche, erklärt die junge Frau. Zu diesem Zweck würden seit längerem auch kostenlose Sprachkurse angeboten. Sie selbst leite den Deutschkurs für türkische Frauen, die zweimal in der Woche mit Begeisterung bei der Sache seien. Bei den Männern sei die Offerte übrigens eher auf taube Ohren gestoßen, schiebt Johannes Eschweiler, der Amos-Vorsitzende, ein. Nur ein einziger Mann hatte sein Interesse bekundet. „Die türkischen Männer gehen schon wegen des Berufs mehr nach draußen als die Frauen und denken deshalb, sie können ausreichend Deutsch – aber ich denke das nicht“, sagt Feride Rüber. Und mit einem breiten Grinsen erzählt sie von dem türkischen Ehemann einer Freundin, der stets mit dem Brustton der Überzeugung die Hausaufgaben seiner Frau „korrigierte“ und dabei ihre richtig geschriebenen Texte in bester Absicht mit Fehlern spickte.

Gespickt mit allerlei Leckerem wie Hack oder Käse sind hingegen die Börek genannten Teigröllchen, die Tasci Sengül gerade hereinträgt. Sie lassen den Gästen ebenso das Wasser im Mund zusammenlaufen wie das besondere Spiegelei namens Melemen mit Zwiebeln, grünem Paprika und Tomaten oder die scharfe türkische Knoblauchwurst Sucuk. „Mein Vater hat sie früher noch selbst gemacht“, schwärmt Feride Rüber. Wer‘s lieber süß mag, darf sich über türkische Pfannkuchen freuen.

Plötzlich ganz ungezwungen

Alles wird am Ende nicht nur die Gaumen erfreuen, sondern auch die Zungen der Gäste lösen. Dann plaudert es sich plötzlich ganz ungezwungen mit dem Tischnachbarn, egal ob der aus Deutschland, der Türkei, Sri Lanka, Mazedonien, Russland oder Spanien stammt.

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