Winter-Jobs: Mit steifen Fingern wird das Schräubchen zum Problem

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
4805972.jpg
Durch das neue Begas-Haus in Heinsberg pfeift zum Teil noch der Wind. Für Elektriker Cihan Abbasoglu (rechts) und Azubi Sven Lentzen auch bei Minusgraden kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Foto: Herwartz
4806010.jpg
Das Garagentor muss sauber schließen. Da lässt sich Johannes Nießen auch von Schnee und Eis nicht aus der Ruhe bringen.
4805985.jpg
Stefan von Birgelen ist Herr über 450 Container. Seine Mitarbeiter (im Hintergrund) haben sich gegen die Kälte dick vermummt.

Heinsberg. Es ist knackekalt. Der Schnee hat sich draußen eingerichtet. Und von Tauwetter keine Spur. Eigentlich ist die weiße Pracht ja schön anzuschauen und durchaus ein Vergnügen. Tja, wenn nicht gerade das Auto bewegt werden muss oder – noch schlimmer – trotz eisiger Temperaturen im Freien der Job zu verrichten ist. Doch nicht jeder hat in diesen Tagen das Glück, in einem kuschelig warmen Büro sein Tagewerk vollbringen zu dürfen.

„Das größte Problem sind die steifen Finger, die es nach einer gewissen Zeit fast unmöglich machen, noch kleine Schräubchen zu bewegen. Mit Handschuhen kann man nämlich hierbei nicht arbeiten“, sagt Johannes Nießen. Der Inhaber von Hans Reuters Baueisen und Bauelemente aus Waldfeucht spricht da aus leidvoller Erfahrung. „Unsere Garagentore werden aber selbst unter den erschwerten Bedingungen noch montiert. Bei Neubauten ist die Witterung egal. Im Sanierungsfall sieht das allerdings anders aus, weil dann ja in der Regel Beiputzarbeiten anfallen.“ Und die würden daran scheitern, dass der Putz nicht abbindet, wenn es zu kalt ist. Das Problem ergebe sich übrigens auch beim Zaunbau, einem weiteren Standbein des Betriebes. Der Beton für die Pfähle würde einfach einfrieren. Da geht nichts mehr.

Aber wer hätte gedacht, dass bei den Elektrikern schon weit früher der Hammer fällt? „Im Inneren von nicht beheizten Gebäuden sind zwar Schlitz- , Stemm- oder Montagearbeiten von Kabelführungssystemen möglich. Das Kabel selbst sollte aber schon ab fünf Grad plus nicht mehr verlegt werden, da die Gefahr besteht, dass es brüchig wird“, erklärt Josef Heinrichs, Bauleiter bei der Heinsberger Firma Elektro Schroeder. „Kunststoffhalterungen lassen sich auch schlecht verarbeiten, weil sie mit zunehmender Kälte steifer werden.“ Damit das nicht auch den Arbeitern so ergeht, wird ihnen meist ein Bauwagen mit einem Heizgerät zum Aufwärmen zur Verfügung gestellt. Und dennoch: „Bis zur Rente lässt sich ein solcher Job nur schwer machen“, sagt Heinrichs. „Ältere Mitarbeiter werden daher bei uns auf beheizten Baustellen eingesetzt oder in der Werkstatt.“

Grundsätzlich seien die Arbeitsabläufe an kalten Tagen nicht so fließend, weiß der Bauleiter, der seit 40 Jahren im Unternehmen ist. „Dauert die Kälteperiode länger, spürt man das an der absolvierten Arbeitsleistung insgesamt. Heute sollten Mitarbeiter zu einer Baustelle nach Solingen, mussten aber aufgrund der vereisten Straßen auf halbem Weg umkehren.“ Apropos Glatteis: „In der Zeit, in der ich nun schon hier arbeite, erinnere ich mich nur an einen Unfall. Ein sehr netter Kollege trat aus der Tür und ist so unglücklich ausgerutscht, dass er sich den Fuß gebrochen hat.“

Obwohl seine Mitarbeiter, 13 an der Zahl, auch in diesen Tagen auf den zum Teil vereisten und mit Schnee bedeckten Containern herumklettern müssen, blieb Stefan von Birgelen, Geschäftsführer des gleichnamigen Containerdienstes in Haaren, in puncto Glatteisunfälle auch von schlimmeren Missgeschicken verschont. „Wir bewegen jeden Tag mehrere 100 Tonnen Material, hauptsächlich Abfallstoffe. Doch der Tagesablauf vollzieht sich an solch kalten Tagen zum Teil im Schneckentempo. Manche geplante Tour musste schon ausfallen.“

Besonders schwierig gestalte sich der Transport von flüssigen Abfällen in Tanks – wie zum Beispiel Speiseresten. „Da ist schon viel Erfahrung gefordert und einige Kniffe und Tricks.“ Doch hin und wieder helfe halt nur die pure Kraft. „Denn oft lassen sich selbst die Container nur schwer entleeren, weil ihr Inhalt festgefroren ist. Draußen auf der Baustelle ist dann Man-Power gefragt mit Hammer, Schaufel oder Brecheisen.“ Die dick vermummten Arbeiter, allesamt 25 bis 45 Jahre alt, geraten dabei trotz Minusgraden mächtig ins Schwitzen.

Nicht immer jedoch führt der Einsatz zum Erfolg. „Zur Not muss der Container stehenbleiben, bis es wieder taut“, sagt von Birgelen. Das könnte allerdings noch etwas dauern, denn – wie gesagt – Tauwetter ist nicht in Sicht.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert