Heinsberg - Willibert Pauels begeistert bei Karnevalsmesse mit geistlichem Dreigestirn

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Willibert Pauels begeistert bei Karnevalsmesse mit geistlichem Dreigestirn

Von: Anna Petra Thomas
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Das Dreigestirn mit Prinz Markus I. (Bruns), Bauer Martin (Jordan) und Jungfrau Reni (René Mertens) sang in der Kirche sein Sessionslied und wie die Klingelköpp von den Sternen am Himmel.
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Auch der Adler trug seinen kleinen roten Dreispitz, als Diakon Willibert Pauels darüber predigte, wie gut Humor und Religion zusammenpassen.

Heinsberg. Wenn die Heinsberger Innenstadt kurz vor Karneval rund um den Burgberg völlig zugeparkt ist, dann ist obendrauf im Selfkantdom mächtig was los. Kaum noch ein Stehplatz war in dem großen Gotteshaus zu ergattern, hatte sich doch Diakon Willibert Pauels, in der Bütt bekannt als „Ne bergische Jong“, als Prediger für die Karnevalsmesse mit dem geistlichen Dreigestirn des Heinsberger Karnevalsvereins (HKV) angesagt.

Schon die Beschreibung seiner Anfahrt nach Heinsberg war lustig. Noch am Morgen habe er im bergischen Land, „in Sibirien“, predigen müssen, erzählte er. Dann habe er sein Navi eingeschaltet, und das habe ihm als Ankunftszeit in Heinsberg 11.11 Uhr angezeigt. Kurz vor Heinsberg habe er es auf 10.55 Uhr geschafft, den Selfkantdom schon gesehen und dann die Auffahrt auf den Kirchberg nicht gefunden. Irgendwann sei er vor der evangelischen Kirche gelandet, und dort habe man sich überlegen wollen, ob man ihm den Weg hinauf zeigen wolle. Schon nach dieser Schilderung hatte er das Lachen der vielen Menschen für sich gewonnen.

Pauels freute sich, dass die Zelebranten der Messe kein zur Karnevalsmesse passendes, sondern das Evangelium des Tages ausgewählt hatten, in dem es um die Dämonenaustreibung und um die Heilung der Schwiegermutter von Petrus ging (Mk 1, 29-39). Dieses Evangelium höre auch der Papst, eine Gemeinde in den USA ebenso wie eine in Peru, Manila oder in Mülheim an der Ruhr. „Wenn Petrus eine Schwiegermutter hatte, dann hatte er auch eine Frau. Da müssen wir mal drüber nachdenken“, schmunzelte Pauels ins Publikum und griff damit die Diskussion um den Zölibat in der Katholischen Kirche auf.

Dann wandte er sich dem eigentlichen Inhalt des Evangeliums zu. Wer wirklich aufgeklärt sei, der wisse, dass es auch heute noch die dunklen Seiten gebe, die wie Dämonen seien, die sich auf die Gesellschaft legen würden, „und die wir in uns selbst tragen: Angst, Trauer, Verzweiflung, Depression, Hass. Wenn das kein Dämon ist!“ Das Internet sei wie ein dämonischer Sog und der größte Dämon der Tod. „Ich muss Euch nicht sagen, wie dieser Dämon seine Fratze ziehen kann. Ich sage nur Kalle“, erinnerte Pauels an Kalle Mohnen, den plötzlich gestorbenen Sitzungspräsidenten des HKV, dessen Foto mit einem Trauerflor auf dem Altar stand.

Jedes Jahr wieder gebe es viele Beschwerden, auch über ihn, fuhr Pauels fort. Es gehöre sich nicht, dass sich Geistliche in der sündigen Welt des Karnevals tummeln würden: „Entweder Gott oder die Welt, Kirche oder Karneval.“ Er halte es da jedoch eher mit dem griechischen Philosophen Epiktet, der erkläre, dass nicht die Dinge an sich entscheidend seien, sondern eher, wie man sie sehe. „Das Entscheidende ist die Perspektive!“ Und Religion sei dann befreiend, wenn sie den Gläubigen vermittle, über den Dingen zu stehen. „Eine gesunde Religion duldet Witze nicht nur, sie fördert sie“, so Pauels. „Eine Religion ist nur dann gesund, wenn sie die Menschen in die Position über den Dingen führt.“

Wer in diesem Zusammenhang die österliche Perspektive in seinem Herzen trage, der wisse: „Wenn wir sterben, wechseln wir nur die Räume! Das dürfen wir auch bei Kalle so sehen.“ Alle die vor ihm gegangen seien und die er geliebt habe, werde er wiedersehen. „Das ist die wirkungsmächtigste Perspektive gegen alle Dämonen dieser Welt.“

Witze und Sessionslied

Der Humor sei also eine Erscheinungsform der Religion, befand Pauels. „Nur wer über den Dingen steht, kann sie belächeln. Ich hoffe, dass uns das Tag für Tag mehr gelingt.“ Der Mensch sei mehr als Biochemie. „Der Mensch hat eine Seele, und die kann nichts zerstören, auch nicht der Tod! Wenn das kein Grund zur Freude ist, dann weiß ich es nicht!“, schloss der Diakon seine Predigt, die er natürlich noch mit dem einen oder anderen Witz garniert hatte.

Mit seinem Sessionslied und Bauer Martin (Jordan) an der Gitarre beschloss das Dreigestirn die heilige Messe, nicht ohne für Kalle Mohnen noch einmal das Klüngelköpp-Lied „Wenn am Himmel die Stääne danze“ angestimmt zu haben.

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