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Wilfried Schmickler: Bissig und ein wenig versöhnlich

Von: hewi
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Hückelhoven. Dieser Mann muss privat so ausgeglichen sein wie der Papst höchstpersönlich. Denn seinen ganzen Grell scheint der Kölner Kabarettist und Wortakrobat Wilfried Schmickler auf den Bühnen an Rhein und Ruhr abzuarbeiten.

Wer Zeuge eines solchen Auftritts wird, hat gut lachen, bis ihm das Lachen angesichts der Themen und düsteren Prognosen, zu denen Schmickler neigt, auch schon mal im Halse stecken bleibt. Obwohl sein neues Programm „Ich weiß es doch auch nicht“ heißt, hatte er einige ziemlich überraschende Antworten auf mehr oder weniger empörende und weltbewegende Fragen parat, mit denen er sein Publikum konfrontierte.

Bekannt ist Schmickler dem breiten Publikum vor allem durch seine cholerischen Auftritte in der WDR-Sendung „Mitternachtsspitzen“, bei denen man ihn stets am Rande des Schlaganfalls wähnt und die er gerne nutzt, um den Zuschauern auch mal gehörig den Kopf zu waschen. In der Aula in Hückelhoven gab er sich ein wenig versöhnlicher, griff nicht persönlich an und war dabei jedoch nicht weniger bissig.

Zu berichten wusste er zum Beispiel über die „hohe Kunst des parlamentarischen Wachkomas“, bei dem es die Volksvertreter verstünden, mit offenen Augen zu schlafen und Hörbeauftragte abstellten, die bei den Reden gelegentliche Einwürfe in Form von „Hört, hört!“ absonderten. Gerne hackt Schmickler allem Anschein nach auf der FDP herum, die er als „intrigante Zwergenpartei“ bezeichnete, deren ehemaliger Vorsitzender Guido Westerwelle auf der Beliebtheitsskala zwischen Sepp Blatter und dem EHEC-Erreger rangiere.

Interessant waren Schmicklers Statements wie das über die Protestwähler, die rechtsradikal wählen. Denn das sei, als ob man im Restaurant aus Protest gegen die Speisekarte aus der Kloschüssel esse.

Bundespräsident Gauck bezeichnete er als „protestantische Spaßbremse“ und klärte darüber auf, dass das Senderkürzel ARD für „Alle reden dauernd“ steht, was ein Zeichen für „digitale Demenz“ sei. Beißend war seine Kritik an der sich ausbreitenden Event-Kultur und den Mitmenschen, die selbst jeden Krach der Welt produzieren, aber gegen die Geräusche von spielenden Kindern gerichtlich vorgehen. Dann tat er einem schon fast leid, der wortgewaltige Wüterich, wenn er gestand: „Es ist die Hölle.“ Insgesamt ein gelungener Abend für diejenigen, denen beim Nörgeln schon einmal die passenden Worte fehlen.

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