Wildenrather Grundschule: Kleine Europäer lernen ohne Hemmungen

Von: Monika Baltes
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Spielerisch lernen: Die Wildenrather Grundschüler sind mit Leib und Seele dabei, wenn es darum geht, eine Geschichte mit Gesten darzustellen. Foto: Monika Baltes

Wegberg-Wildenrath. Voller Begeisterung streckt Manuela Houben die Arme in die Luft: „Bijna Weekend – yes!“ Geschickt setzt sie die Körpersprache ein, um ihren 22 Schülern der Niederländisch-AG an der Grundschule Wildenrath die Geschichte in der fremden Sprache nahe zu bringen.

Die Kinder der dritten und vierten Klasse verstehen sofort: „Beinahe Wochenende – juchhu“, die Übersetzung kommt wie aus der Pistole geschossen. Und auch mit der Wiederholung des niederländischen Satzteiles haben die Kinder keine Probleme. Hemmungen, in einer fremden Sprache zu reden, scheinen ihnen vollkommen fremd zu sein. Mit ihrer Lehrerin erarbeiten sie sich durch Gesten und Nachsprechen Satz für Satz die Geschichte von Nina, die keine Lust auf Schulschwimmen hat. Und lernen ganz nebenbei eine Fremdsprache.

Eine Nachbarsprache, um genau zu sein, denn die holländische Grenze ist nur wenige Kilometer entfernt. Alle Kinder waren schon einmal jenseits der Grenze einkaufen und sind ihren Eltern offenbar eine große Hilfe. „Meine Eltern müssen mich immer fragen, sie sprechen kein Niederländisch“, erzählt Jörn stolz. Hannahs Vater dagegen „versteht Platt und dadurch fast alles in Holland“, wie viele, die hier in der Nähe der Grenze aufgewachsen sind. Aber mit dem Sprechen hapert es meistens.

Nur zwei Schulen im Kreisgebiet können sich mit der Auszeichnung „Euregioprofilschule“ schmücken, eine davon ist die Wildenrather Grundschule, inzwischen Teilstandort der KGS Arsbeck. Dort lernen die Kinder nicht nur die Nachbarsprache, sie erwerben auch Kenntnisse über die Nachbarländer.

„Holland ist toll“, stellt Jule fest, „vor allem das Meer“. Und Jörn fallen zum Thema Niederlande sofort Sinter Klaas und seine Freundin Jamila ein. Begegnungen mit der belgischen Partnerschule aus der Nähe von Maaseik (dort wird Niederländisch gesprochen) haben zu neuen Freundschaften geführt, erzählt Houben und berichtet von den euregionalen Festen, die bereits stattgefunden haben: ein Singfest und ein Sportfest.

Eifrig malt Lynn – wie alle anderen auch – inzwischen eine Bastelvorlage aus. Eine Eule, denn „Eulen sind cool“, versichert sie und färbt den rechten Flügel blau ein. Alle Eulen werden gleich aussehen, denn Karin Klinkers-Wilms gibt die Farben genau vor. In niederländischer Sprache erfolgt die Ansage natürlich – und alle wissen, was gemeint ist: rechter Flügel gelb, linker Flügel grün. Gemeinsames Basteln, Kochen und Backen bringt den Kindern ergänzend zum Unterricht in der Offenen Ganztagsschule (OGS) die niederländische Sprache in Alltagssituationen näher.

An einen Wettbewerbsvorteil denken diese Grundschüler noch nicht, haben werden sie ihn aber ohne Zweifel. Ob beim Studium in den Niederlanden oder im grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt, die Sprache wird hilfreich sein und Türen öffnen, sind sich die Initiatoren des Projekts sicher.

Die Schüler der AG haben sich unterdessen im Multifunktionsraum versammelt und lernen mit dem Lernprogramm „Elena“. Elena erklärt, singt, tanzt, hilft bei Übungen, lobt, wenn die Aufgaben gelöst wurden. Die Grundwörter zu jedem Thema sollen die Kinder am Ende der Einheit passiv und aktiv beherrschen. „Da wir über 18 Laptops verfügen, kann praktisch jedes Kind individuell und in eigenem Tempo lernen“, erklärt Houben die technischen Möglichkeiten.

Viel gelernt haben sie heute – und viel Spaß gehabt. Neugierig und offen haben sie sich den Herausforderungen gestellt, die kleinen Europäer. Ihr Fazit ist ausgewogen: Ihren Urlaub verbringen die Kids lieber in den Niederlanden am Meer, die beliebtere Fußballnationalmannschaft ist diejenige aus Deutschland.Jonas winkt noch einmal: „Tot ziens“, ruft er, als habe er nie etwas anderes gesprochen als Niederländisch.

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