Wenn die Seuche droht, wird es eng im Stall

Von: Rainer Herwartz
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Schweinezüchter Fred Gossen aus Aphoven (links) und Kreislandwirt Hans-Gerd Joeris zwischen prächtigen Sauen. Sie hoffen, dass die Afrikanische Schweinepest nicht bis in den Kreis Heinsberg gelangen wird. Fotos (2): Rainer Herwartz
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Mutterfreuden sind in der Schweinezucht nur von kurzer Dauer. Pro Wurf werden durchschnittlich zwölf Schweine geboren.

Kreis Heinsberg. Der Deutsche Bauernverband hat seine Mitglieder bereits dazu aufgerufen, ihre Betriebe vor der Afrikanischen Schweinepest zu schützen. Bei einem Ausbruch der Krankheit könnten die Folgen aufgrund des fehlenden Impfstoffes verheerend sein, hieß es. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit hat die Seuche vor wenigen Tagen die EU erreicht.

Genauer gesagt war sie bei einigen Wildschweinen in Litauen entdeckt worden. Die Gefahr, dass die hochansteckende Seuche auch nach Deutschland eingeschleppt werde, sei größer denn je, hatte der Präsident der Bundestierärztekammer verlauten lassen. Alle Schweine haltenden Betriebe sollten daher ein striktes Hygienemanagement betreiben.

Ganz so dramatisch sehen die Schweinehalter im Kreis Heinsberg die Situation derzeit jedoch noch nicht. Ein Beispiel hierfür ist Fred Gossen aus Aphoven. Die Sauen des 47-jährigen Schweinezüchters produzieren jährlich etwa 3000 Ferkel. Doch seine Sorge im Hinblick auf die Schweinepest hält sich in Grenzen. „Ich sehe das Thema derzeit noch sehr gelassen, weil das Pro-blem noch recht weit weg ist“, sagt er. „Wir haben ohnehin einen sehr hohen Hygienestandard. Das Futter für die Tiere wird zu 100 Prozent selbst angebaut mit Ausnahme von Mineralstoffen und Eiweißträgern.“

Gerade dieser Aspekt hat eine hohe Bedeutung für den Allesfresser Schwein, denn die Virusinfektion, die für ein Schwein meist in wenigen Tagen tödlich verläuft, wird in unseren Breiten nicht nur von Tier zu Tier, sondern auch über Fahrzeuge, Lebensmittel oder Kleidung, zum Beispiel von Jägern, verbreitet. Die Überlebensfähigkeit des Virus ist dabei beachtlich. In Fleisch- und Wurstwaren beispielsweise hält es sich über Monate hinweg. Für den Menschen sowie Haus- und andere Wildtiere ist das Virus allerdings ungefährlich.

Gab es vor zehn Jahren noch 280 Schweinehalter im Kreis Heinsberg, so sind es heute noch 90, bestätigt Kreislandwirt Hans-Gerd Joeris, der selbst noch bis vor einigen Jahren zu ihnen gehörte. „In den verbliebenen Betrieben stehen etwa 80.000 bis 90.000 Tiere.“ Auch Joeris wirkt im Hinblick auf eine drohende Schweinepest noch sehr entspannt. Im Kreisgebiet habe es, was Tierseuchen in der Schweinezucht angeht, in den letzten Jahrzehnten kaum Fälle gegeben, erklärt er. „Der letzte, an den ich mich erinnern kann, datiert aus den 70er Jahren. Damals handelte es sich um die Maul- und Klauenseuche. Nur auf dem betroffenen Hof mussten die Tiere gekeult werden. Der Grund für das geringe Auftreten von Tierseuchen ist die konsequente Umsetzung von Hygienemaßnahmen in den Betrieben“, glaubt Joeris.

Fatale Folgen

Sollte sich die Afrikanische Schweinepest dennoch bis in den Kreis Heinsberg ausdehnen, wären die Folgen für die Schweinezüchter fatal. „Bei einem Betrieb, in dem die Seuche festgestellt würde, müssten alle Tiere innerhalb von zwei Tagen gekeult werden“, beschreibt der Kreislandwirt die Situation. „Der Halter erhält dann eine Ausgleichszahlung aus der Seuchenkasse. Die übrigen Betriebe, die in dem Sperrbezirk liegen, haben zwar ein ähnliches Problem, erhalten jedoch in diesem, Fall zunächst keine Entschädigung.“

Unter „ähnlichem Problem“ versteht Joeris einen sogenannten „Stand still“. In diesem Fall dürften die Tiere eines Hofes nicht bewegt, sprich verkauft werden und den Hof nicht verlassen. Um die Tragweite eines solchen Szenarios einmal zu verdeutlichen, geht Joeris von einem Zuchtbetrieb mit 120 Sauen aus, wie er im Kreis Heinsberg durchschnittlich anzutreffen sei. Innerhalb von nur drei Wochen würden hier etwa 210 neue Ferkel geboren, die dann den Betrieb nicht verlassen dürften, für die jedoch gar kein Raum vorgesehen sei. Ein „Produktionsstopp“ sei jedoch auch nicht so einfach zu bewerkstelligen, erläutert der Experte. „Würde man nun die rauschigen Säue nicht mehr besamen, weil der ‚Stand still‘ droht, dann stünde der Züchter in etwa sieben Monaten ohne verkaufsfähige Ferkel da.“ Da kann man nur hoffen, dass Züchter und Mäster auch weiterhin Schwein haben, was die Ausbreitung der Seuche angeht.

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