Heinsberg - Weihbischof spendet in der JVA Sakramente

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Weihbischof spendet in der JVA Sakramente

Von: Anna Petra Thomas
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Nach einer Taufe firmte Weihbischof Karl Borsch in der JVA Heinsberg sechs Häftlinge. Foto: Anna Petra Thomas
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Der Chor Cantiamo aus Oberbruch gestaltete die heilige Messe musikalisch. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Eine Taufe, eine erste heilige Kommunion und sechs Firmungen prägten in diesem Jahr die Feier der heiligen Messe, für die Aachens Weihbischof Karl Borsch in die kleine Gefängniskirche der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Heinsberg gekommen war.

Zum ersten Mal falle der Besuch mit einer Fußball-Weltmeisterschaft zusammen, erklärte Pfarrer Rüdiger Hagens in seiner Begrüßung und zeigte auf den Fußball, der vor dem Altar seinen Platz gefunden hatten. „Wenn der Ball keine Luft hat, kann man nicht spielen“, erklärte er dem Täufling und den Firmlingen. So ähnlich sei es mit dem Glauben. „Wenn man davon nicht begeistert ist, ist es mit dem Christentum auch schwierig.“

„Es gibt nur Gewinner“

Einer der Gefangenen begrüßte anschließend selbst den Bischof und dankte ihm, dass er eigens aus Aachen für ihn und seine Mithäftlinge gekommen war. Borsch erläuterte dem Täufling und den Firmlingen seine Mitra und seinen Stab, Ring und Kreuz. Danach griff er das Bild des Fußballs auf. „Im Fußball gibt es Gewinner und Verlierer. Im Glauben gibt es nur Gewinner“, erklärte er. „Wer glaubt, gewinnt das ganze Leben, vor dem Tod und nach dem Tod.“

Das sei nicht immer bequem und einfach, aber ein Leben in Fülle. In seiner Predigt erinnerte Borsch an die Ermordung von Martin Luther King vor genau 50 Jahren. Der US-amerikanische Baptistenpastor und Bürgerrechtler gilt als einer der herausragendsten Vertreter im gewaltfreien Kampf gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit.

„Stark ist nicht der, der zuschlägt“, so der Weihbischof. „Stark ist der, der den Kreislauf von Schlag und Gegenschlag unterbricht, der nicht zurückschlägt.“ Er rief die sechs Häftlinge auf, in ihrem Leben jetzt Frieden und Versöhnung eine Chance zu geben. „Stark ist der, der auf sein gutes Recht verzichtet!“

Zunächst taufte Borsch einen der sechs Häftlinge, dann firmte er sie. Alle seien jetzt sozusagen Mitglieder in der WhatsApp-Gruppe des lieben Gottes. „Gott ist stand-by. Er wartet darauf, dass wir uns einschalten“, erklärte der Weihbischof. „Und egal, was Du anstellst. Nie im Leben fällst Du tiefer als in die Hand Gottes“, ergänzte er, an jeden einzelnen der sechs Firmlinge gewandt. Frieden falle jedoch nicht vom Himmel. „Er will getan werden“, schloss er und forderte die Häftlinge auf, sich hier aktiv „einzuschalten“.

Nach den Fürbitten, die alle sechs selbst formuliert hatten und in denen es vor allem um das Wohl ihrer Familien ging und darum, „nie wieder einem Menschen weh zu tun“, überreichte der Weihbischof allen zum Schluss noch ein kleines Buchgeschenk mit dem Evangelium.

Der Weihbischof und auch Pfarrer Rüdiger Hagens dankten ganz herzlich den Messdienern der Pfarrei St. Lambertus aus Dremmen und dem Chor Cantiamo aus Oberbruch für die musikalische Gestaltung der heiligen Messe.

Häftling Dominik (22) aus Düsseldorf wurde nicht nur getauft und gefirmt, er empfing auch zum ersten Mal die heilige Kommunion. Das jüngste von insgesamt zehn Geschwistern sei er, hatte er vor der Messe erzählt. All seine Geschwister seien getauft. Ihm hätten seine Eltern jedoch die Entscheidung selbst überlassen. Er habe zwar geglaubt, „den Glauben aber nicht gelebt“, sagte er.

„Das ist jetzt etwas für mich, das kann mir niemand mehr wegnehmen!“, freute er sich auf Taufe, Kommunion und Firmung. „Mir ist es egal, was andere sagen. Das hier gibt mir Kraft, auf der ich aufbauen kann.“

 

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