Wegberg/Geilenkirchen - Wegberger Arzt wegen Betrugs in 200 Fällen angeklagt

Wegberger Arzt wegen Betrugs in 200 Fällen angeklagt

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:

Wegberg/Geilenkirchen. Gegen Thomas B., Arzt aus Wegberg-Wildenrath, ist Anklage erhoben. Der Vorwurf lautet Betrug in mehr als 200 Fällen, zum Teil wegen Urkundenfälschung.

Das teilte die Staatsanwaltschaft Aachen am Mittwoch auf Anfrage mit. „Der Kernvorwurf lautet, dass B. - obwohl er nicht mehr als Arzt zugelassen war - gegenüber drei Krankenkassen den Anschein erweckt hat, dies noch zu sein”, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Jost Schützeberg.

Die Schadenshöhe beliefe sich auf rund 65.000 Euro. „Im droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren”, sagte Schützeberg weiter. Ob und wann der Prozess vor dem Schöffengericht Geilenkirchen beginnt, ist noch unklar.

B. hatte bis 2006 eine Praxis in Wegberg-Arsbeck. Nachdem er diese aufgegeben hatte, arbeitete er 2009 und 2010 in einer Heinsberger Gemeinschaftspraxis. Mitte 2009 gab er laut Ärztekammer Nordrhein bereits seine Kassenzulassung als Arzt zurück und meldete sich ab, er wolle nach Polen gehen, hieß es, von wo auch seine Frau stammt. B. stellte aber weiter Rezepte aus und versah diese mit dem Stempel der Gemeinschaftspraxis.

Das flog per Zufall auf, als sich bei der Praxis ein Apotheker meldete, er könne die Schrift nicht lesen - dabei stellte die Praxis schon längst keine handschriftliche ausgefüllten Rezepte mehr aus. Die Praxis meldete den Vorfall der Ärztekammer und der Krankenkasse. Peter Kolen, einer der Ärzte der Gemeinschaftspraxis, sagte, dass sich die Schadenshöhe auf rund 60.000 Euro belaufen habe. Das sei das Budget für ein Quartal. B. habe er zwar versucht zu kontaktieren, aber nie erreicht.

Ende 2010 erstattete dann die AOK Rheinland/Hamburg zusammen mit zwei anderen gesetzlichen Krankenkassen Strafanzeige. „Zuerst hatten wir ihm eine Unterlassungserklärung zugeschickt, mit der Bitte, sie zu unterschreiben. Darauf erhielten wir aber keine Reaktion”, sagt AOK-Sprecher André Maßmann. Stattdessen habe B. weiter Verordnungen ausgestellt, habe also weiter praktiziert, obwohl er dies bei der Ärztekammer hätte melden müssen. Der Anwalt von B., Dirk Schreurs, wollte am Mittwoch keine Stellungnahme abgeben und auch zum Aufenhaltsort seines Mandanten nicht sagen.

Erst kürzlich ist ein Verfahren gegen B. wegen Betrugs eingestellt worden - wegen Verjährung. Bei diesem Fall wurde ihm vorgeworfen, dass er sich erst das Vertrauen, dann Hab und Gut eines älteren Patientenpaares erschlichen habe. Auf zivilrechtlichem Weg versuchen die Geschädigten nun, den Vertrag rückgängig zu machen, weil B. aus ihrer Sicht mehrere Vertragsbrüche begangen hat.

2001 war B. in einer anderen Sache verurteilt worden: Das Mönchengladbacher Schöffengericht hatte ihn wegen Untreue zu sechs Monaten auf Bewährung und einer Geldbuße in Höhe von 5000 Euro verurteilt. 1995 hatte er von einer Patientin eine Generalvollmacht über ihr Konto erhalten. Zwei Jahre später war das über 100.000 Mark schwere Konto nahezu geräumt.

Dirk Schulenberg, Justiziar der Ärztekammer Nordrhein sagte, dass es nicht mehr nachzuvollziehen sei, ob es nach der Verurteilung B.s von 2001 eine Sanktion oder Rüge gegen den heute 61-Jährigen gegeben habe. Es lägen keine Akten mehr aus der Zeit vor.

Der übliche Weg sei, dass am Ende der Ermittlungen oder spätestens nach dem Urteil geprüft werde, ob eine Berufsunwürdigkeit vorliege. „Wenn das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt missbraucht wird, ist das ein Verstoß gegen die Berufsordnung”, sagt Schulenburg. Das hatte das Mönchengladbacher Schöffengericht eigentlich schon 2001 festgestellt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert