Wegberg-Prozess fortgesetzt: Daumen falsch angenäht?

Von: dpa
Letzte Aktualisierung:
Wegberg Antonius-Klinik
Der ehemalige Chef der Antonius-Klinik in Wegberg muss sich vor Gericht verantworten, weil sieben Patienten durch Behandlungsfehler gestorben sein sollen. Foto: dpa

Mönchengladbach. Im Prozess um den Wegberger Klinikskandal hat der frühere Chefarzt Arnold Pier am Donnerstag weitere Vorwürfe der Körperverletzung abgestritten. Dabei geht es um die Operation eines Mannes, der mit seinem Daumen in eine Kreissäge geraten war.

Pier hatte den teilweise abgetrennten Daumen noch am Tag des Unfalls wieder angenäht. Später starb jedoch Gewebe ab und der Daumen musste amputiert werden.

Die Anklage wirft Pier vor, erforderliche mikrochirurgische Techniken nicht angewendet zu haben. Der Daumen sei lediglich durch zwei Spickdrähte und eine einfache Hautnaht wieder befestigt worden. Zudem hätte der Patient in eine Spezialklinik verlegt werden müssen. Pier sagte, er habe den Verletzten auf andere Kliniken hingewiesen. Der Patient habe aber von im operiert werden wollen. Außerdem sei der Daumen nicht so weit abgetrennt gewesen wie behauptet.

Wegen des heimlichen Einsatzes von Zitronensaft zur Wundbehandlung bei einer 80-jährigen Patientin war Pier bereits zu 15 Monaten Haft auf Bewährung wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt worden. Die Verteidigung hat dagegen Revision eingelegt. Wegen der Erkrankung eines Schöffen musste der Prozess nach dem Teilurteil abgebrochen und neu begonnen werden. Neben Pier sind nun noch zwei weitere Klinikärzte angeklagt.

Pier hatte die wirtschaftlich angeschlagene kleine Klinik in Wegberg bei Mönchengladbach zum 1. Januar 2006 übernommen. Der Hauptangeklagte war Klinik-Besitzer, Chefarzt und ärztlicher Direktor in einer Person.

Die Homepage wurde aktualisiert