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„Wassenberger Feuerwehr ist keine Feierwehr“

Von: Nicola Gottfroh
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Der Leiter der Wassenberger Feuerwehr, Holger Röthling, möchte sich „nicht für den Wahlkampf einer Partei instrumentalisieren lassen“. Foto: Gottfroh

Wassenberg. Holger Röthling ist sauer. Ziemlich sauer sogar. Und das hat mit dem Wahlkampf in Wassenberg zu tun – obwohl er selbst mit der Politik eigentlich gar nicht so viel am Hut hat. Eigentlich.

Denn als Wehrführer der Wassenberger Feuerwehr werden er und die ganze übrige Stadtfeuerwehr seiner Meinung nach von einem „Bürgermeisterkandidaten für seinen Wahlkampf instrumentalisiert“. „Und das schon seit einer ganzen Weile“, betont er.

Nun ist ihm aber der Kragen geplatzt. Genau in dem Moment, in dem er aus seinem Briefkasten eine Ausgabe von „Richtig belichtet“ fischte, einem Blatt der Wassenberger SPD. Darin ging es unter anderem auch um die Feuerwehr Wassenberg, deren Leiter der Stadtbrandinspektor ist. Genauer gesagt wurde eine Dienstanweisung kritisiert, die im Dezember vergangenen Jahres in Kraft trat. Sie verbietet es den Wehrleuten, Feiern mit ausschließlich privatem Charakter in den Räumen der städtischen Feuerwehrgerätehäuser zu veranstalten. „Und dies“, so kritisieren die Autoren des Artikels, „obwohl mittlerweile die Erwartungshaltung Standard ist, dass die Feuerwehrleute ihre Gerätehäuser in großer handwerklicher Eigenleistung selbst errichten sollen“.

Röthling hat für diese Art der öffentlichen Kritik keinerlei Verständnis und distanziert sich von dieser Stellungnahme in dem Blatt, auf die er und „seine Leute“ in jüngster Vergangenheit immer wieder angesprochen wurden. „Ich kann als Leiter der Feuerwehr nicht akzeptieren, dass die Feuerwehr für den Wahlkampf des SPD-Kandidaten instrumentalisiert wird – auch, wenn er selbst ein langjähriges Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt ist“, betont Röthling.

Besonders prekär werde die Thematik seines Erachtens dadurch, dass Sachverhalte falsch wiedergegeben würden. „Im Wahlkampf wird es so dargestellt, als hätten die Wehrleute diese Anweisung vom amtierenden Bürgermeister aufgezwungen bekommen und sie darüber verärgert wären, fortan nicht mehr mit privaten Veranstaltungen in Gerätehäusern aufwarten zu können“, so Röthling.

Er wolle jedoch richtigstellen, dass diese Dienstanweisung keinesfalls ein Alleingang von Bürgermeister Manfred Winkens war, sondern der mehrheitliche, demokratische Beschluss der Führungskräfte aus den sechs Ortslöschgruppen der Stadt.

Das habe gleich zwei gute Gründe: „Zum einen heißt die Feuerwehr nicht Feierwehr. Es hat uns viel Zeit und Mühe gekostet, das Vorurteil, wir seien eine trinklustige Truppe, aus der Welt zu räumen. Die Feuerwehr ist eine schlagkräftige und professionelle Institution mit hoheitlichen Aufgaben, die zwar Kameradschaft lebt, in erster Linie aber dazu da ist, Wassenberger Bürgern in Not schnell und qualifiziert zu helfen“, führt der Leiter der Feuerwehr Wassenberg aus.

Zudem seien Feuerwehrgerätehäuser einfach keine Event-Locations. „Die Fahrzeughallen sind so eingerichtet, dass Löschfahrzeuge geschützt und stets einsatzbereit mit Druckluft- und Strom versorgt werden, dort stehen persönliche Schutzausrüstungen griffbereit, und verschiedenste Werkzeuge und Kommunikationseinrichtungen werden einsatzbereit vorgehalten“, erklärt er. Das sei nötig, um ein sofortiges Ausrücken im Ernstfall sicherstellen zu können.

„Mit dem Anstieg rein privater Feiern in Feuerwachen würde uns neben versicherungsrechtlichen Problemen eine Zweckentfremdung dieser sicherheitsrelevanten Gebäude drohen“, so Röthling.

Dem versicherungstechnischen Problem könne man entgehen, sagt dagegen Bürgermeisterkandidat Hermann Thissen auf Nachfrage unserer Zeitung. „Durch die Erstellung eines Vordrucks der vom Veranstalter einer Feier unterschrieben wird, kann man die Stadt von allen haftungsrechtlichen Gründen freistellen“, sagt Thissen. „Warum soll man Wehrleuten und deren Angehörigen nicht das Privileg zugestehen, Kindergeburtstage und Kommunionen und Ähnliches in den Schulungsräumen der Gerätehäuser zu feiern – dort steht man im Notfall den Wehrleuten ganz sicher nicht im Weg“, so der Bürgermeisterkandidat.

Röthling sieht das anders: „Es spricht wohl nichts dagegen, dass auch Wehrleute Geburtstage, Silberhochzeiten und Polterabende wie alle anderen Bürger der Stadt an anderen Locations feiern. In Wassenberg haben wir schließlich viele schöne Lokale“, betont Holger Röthling.

Natürlich blieben Feuerwehrfeste, Fahrzeugeinweihungen und Kameradschaftsabende von einer solchen Dienstanweisung unberührt, denn sie seien Bestandteil einer funktionierenden Öffentlichkeitsarbeit.

Natürlich, so gesteht er ein, habe es in der Vergangenheit die eine oder andere Ausnahme gegeben. Der ehemalige Leiter der Feuerwehr, sein Vorgänger also, habe nach Rücksprache mit dem Bürgermeister seinen 50. Geburtstag mit vielen Wehrangehörigen im Gerätehaus gefeiert. „Aber das waren schon immer seltene Ausnahmen. Jetzt wird so getan, als hätte jeder jederzeit dort feiern können“, ärgert er sich.

Froh und glücklich ist er jedoch darüber, so betont er, dass das Gros der Feuerwehrleute aus Gründen der Vernunft und der Sicherheit mit der Regelung einverstanden ist – und sich mit keinem Wort beschwert hätte.

Ihm, so sagt er, sei es vollkommen egal, wen die Bürger am Sonntag auf den Chefsessel des Rathauses wählen. „Mir ist nur wichtig, klarzustellen: Ein Freibrief für private Veranstaltungen aller Art würde die Einsatzbereitschaft von Mannschaft und Gerät möglicherweise in Frage stellen.“ Und das könne weder in Sinne der Wehrleute noch der Bürger sein – und schon gar nicht im Sinne eines SPD-Bürgermeisterkandidaten.

„Solange die Feiern nicht ausufern, sollten wir den Wehrleuten, die eine Menge ehrenamtliche Arbeit leisten, dieses Privileg zugestehen“, betont dagegen Hermann Thissen.

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