Wassenberg - Wassenberger bauen für Behinderte ferngesteuerte Kamelle-Kanonen

Wassenberger bauen für Behinderte ferngesteuerte Kamelle-Kanonen

Von: Willi Erdweg
Letzte Aktualisierung:
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Im jetzigen frühen Zustand ist von der fertigen Maschine noch nicht viel zu sehen: Einer der bewegungseingeschränkten Zugteilnehmer nimmt das Kanonenrohr auf seine Schulter. Dahinter, in der Hocke, Kfz-Meister Frank Sodermanns. Foto: W. Erdweg

Wassenberg. In einer Wassenberger Autowerkstatt wird samstags nach Feierabend fleißig geschweißt und gehämmert. Die „Interessengemeinschaft Wassenberg barrierefrei” baut ein Piratenschiff für den Karnevalszug, auf dem unter anderem bis zu zehn Rollstuhlfahrer Platz finden können.

Das Besondere dabei: Den bewegungseingeschränkten Jecken werden zwei automatische Kamelle-Wurfmaschinen in Form von Kanonen, je eine für Back- und Steuerbord, zur Verfügung stehen.

„Die Idee ist von mir. Die Jungs im Rollstuhl wollen auch mal Karneval feiern”, sagt Kfz-Meister Frank Sodermanns. Er hat vor einiger Zeit für 3000 Euro einen 14 Meter langen Pritschen-Lkw, Baujahr 1990, erworben. Das Fahrzeug soll künftig jedes Jahr bei den Karnevalszügen in Wassenberg und Myhl dabei sein, zunächst als Piratenschiff aufgemacht, später dann vielleicht als Wikingerschiff oder Traumschiff.

Zurzeit erhält der Lkw dafür ein Grundgerüst verpasst. Das Gefährt ist ausgelegt für zehn Rollstuhlfahrer und zusätzlich zehn „Fußgänger”. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Rollstuhlfahrer Selbstfahrer mit Elektro- oder Aktivrollstuhl sind oder geschoben beziehungsweise gefahren werden müssen. Sie werden mit einem Hub-Hebelift am Heck des Fahrzeuges auf die Plattform gehievt und brauchen auch nicht zu frieren, denn es wird eine Heizung installiert. Eine befahrbare Toilette für die Bewegungseingeschränkten (nebst eventueller Begleitperson) wird ebenfalls an Bord sein.

Es ist also an alles gedacht, vor allem auch an die Kamelle, die zum Karneval gehören wie das „Alaaf” und „Helau”. Damit auch querschnittsgelähmte Teilnehmer, die nur noch geringe Restkräfte in ihren Händen beziehungsweise Fingerspitzen haben, Bonbons und Geschenke vom Wagen aus unters Volk schleudern können, hat der Maschinenbauingenieur Dr. Roman Jansen, Schwager von Frank Sodermanns, zwei schwenkbare Kanonen als automatische Wurfmaschinen konstruiert, die über eine Tastatur von den Körperbehinderten leicht zu bedienen sind.

Im jetzigen frühen Stadium ist noch nicht viel zu sehen vom fertigen Zustand. Sodermanns und seine Mitarbeiter zeigen ein etwa 1,50 langes, leeres Rohr aus Plastik, das schwarz gestrichen wird. Im Innern wird später ein pneumatischer Hubzylinder arbeiten. Durch Pressluft (acht bis zehn bar) wird eine Kolbenstange hervorge-stoßen, die, abgedeckt mit einer runden Scheibe, den Inhalt der Kanone herausschleudert.

Das „Geschütz” kann wahlweise geladen werden mit Bonbons, Konfetti, Päckchen von Popcorn, Plüschtieren oder Bällen. Deren Flugbahn wurde, abhängig vom Luftdruck, genau berechnet. Hier wird also nichts dem Zufall überlassen.

Die Wassenberger technische Entwicklung ist neu: „Zwar gibt es Konfettikanonen, aber solche Wurfmaschinen, wie wir sie bauen, sind mir von anderswo nicht bekannt”, so der Schwiegervater von Frank Sodermanns, Helmut Jansen, ein langjähriger und erfahrener Wassenberger Wagenbauer.

Neben ihm beteiligen sich unter anderem auch Exprinz Markus Hortmann und Guido Meerkötter, Mitglied des Kongo-Elferrates. Ihre „Jungfernfahrt” wird die in wenigen Wochen fertiggestellte Fregatte beim Tulpensonntagszug in Wassenberg erleben, es folgt der Rosenmontagszug in Myhl.
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