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Was machen die Gänse am Lago Laprello?

Von: mib
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Fühlen sich am Lago auch ohne Haus und Hirte wohl: Hausgänse. Sie gehören niemanden. Sie stören niemanden. Sie sind einfach da. Foto: M. Ibsen

Heinsberg. Sie sind schneeweiß, haben harte Schnäbel und kommen Spaziergängern am Heinsberger Lago Laprello manchmal ziemlich nahe. Der Mensch könnte ja ein Stückchen Brot dabei haben, das ist zwar nicht gesund, aber das weiß die Gans ja nicht oder es ist ihr egal, denn es schmeckt.

Die großen Vögel können auf ihrer Nahrungssuche ziemlich frech werden, denn Angst haben sie im Gegensatz zu den meisten anderen gefiederten Bewohnern des Baggersees keine. Bei Irmgard Forscheln, die seit 22 Jahren am Seeufer wohnt, watscheln sie drei Mal täglich vorbei und holen sich eine Leckerei ab. „Sie sind ganz zutraulich“, sagt sie. Aber wie kommen die Hausgänse eigentlich an den Lago Laprello?

„Eigentlich gehören sie da nicht hin“, sagt Martin Temme, Vogelexperte vom Naturschutzbund (Nabu) Kreisverband Heinsberg. Schließlich seien es ja Haus- und keine Wildtiere. Aber sie fühlen sich dort wohl, meint Martin Gellissen, sein Nabu-Kollege: Genug Futter und eine Badegelegenheit sind ja vorhanden. Problematisch seien sie aber nicht. Damit meint Temme, problematisch für die dortige Vogelwelt. Sie verdrängen keine anderen Vögel, sind aber auch nicht bedroht, deshalb ist der Nabu auch nicht zuständig in dieser Gänsefrage.

Weil die orangefüßigen Schnabelträger auch sonst für keine große Unordnung sorgen, muss auch das Ordnungsamt nicht aktiv werden, teilt der Pressesprecher der Stadt Heinsberg, Carsten Cordewener, mit. Der städtische Biologe Frank Backwinkler, der sich um die Flora und Fauna des Naherholungsgebietes kümmert, sorgt dafür, dass sich Pfeifenten, Eisvogel und Flussregenpfeifer am See wohlfühlen. Für das Wohlfühlgefühl der Gänse ist aber auch er nicht zuständig.

Die Gänse sind einfach da. „Gefangenschaftsflüchtlinge“ nennt Temme sie. Die meisten von ihnen sind weißen Hausgänse, in Züchterkreisen als Emder Gans oder Schwanengans bekannt, nicht zu verwechseln mit der zentralasiatischen Anser cygnoides, die ebenfalls Schwanengans genannt wird. Die Emder Gans ist groß, weiß und schwer und laut Wikipedia Deutschlands älteste Gänserasse. Ihre Zucht soll bis ins 13. Jahrhundert nachweisbar sein. Der Vater und die Mutter aller Hausgänse waren Graugänse, die haben bereits die Griechen wegen ihrer lieblichen Schönheit verehrt. Und weil sie so schön laut schnattern, und auch sonst ein beachtliches Gewese machen, wenn sich eine unbekannte Person nähert, werden sie bis heute als Wachgänse gehalten.

Noch häufiger allerdings als Mastgans, um anschließend als Festtagsbraten auf dem Tisch zu landen. Knödel und Rotkohl werden aber nicht die letzten Begleiter der Gänse vom Lago sein. Sie dürfen nicht gejagt werden und vermehren sich ungestört. Die Tiere, die ihrem Partner treu bleiben, haben schon so manche Graugans überzeugt, sich ihnen anzuschließen. Oder war es umgekehrt?

Was sie am Heinsberger Lago bewachen sollen, wissen die Gänse wohl nicht so genau. Vielleicht Autos? Oder die Straße? Mitarbeiter des Kieswerks Laprell berichten, dass die Langhälse öfter die Stoßstangen der dort parkenden Wagen angriffen, als das Büro noch direkt am Lago lag. Das war aber eine andere Generation, denn Gänse gibt es am Lago schon seit über 40 Jahren, erzählt Agnes Laprell, die viele Jahre dort gearbeitet hat. Finnische Graugänse waren das.

„Die waren zum Kaputtlachen.“ Die sind nicht etwa von der Straße gegangen, wenn ein Auto kam, mit der Stoßstange wegschieben musste man die. Im Winter hätten die Mitarbeiter die Gänse mit Körnern gefüttert „und nicht mit Brot“, erzählt sie. Ein Ausrufezeichen und ein bisschen Empörung schwingen in ihrer Stimme mit. Das seien aber noch richtige Winter gewesen, „nicht so wie jetzt“. „Die haben sich ihr Futter auch geholt. Wenn man nicht kam, haben sie in den Putz gepickt“, erzählt sie und lacht.

Wie die Tiere dorthin kamen, weiß sie allerdings auch nicht so genau. Ausgesetzt, wie so viele Tiere, vermutet sie. Das sei wohl nicht mehr herauszufinden. Ihr Vater mochte Tiere. „Er fand alles Viehzeug schön.“ Vielleicht hat er . . .

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