Waisenkindern in Afrika Freude am Leben schenken

Von: dawin
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Burundi ist ein wunderschönes Land, sagt Frans Couvée. Ein Stück davon hat er in seinem Waldfeuchter Wohnzimmer – als Foto. Foto: dawin

Waldfeucht. Manchmal nimmt das Leben merkwürdige Wege, die einen dorthin führen, wo man es vielleicht am wenigsten erwartet. So war es auch bei Frans Couvée, einem Niederländer, der in Waldfeucht wohnt und sich für Waisenkinder in Burundi einsetzt.

Damit fing alles an: Couvée wurde 1998 plötzlich schwer herzkrank – ein Schicksal, das sein Leben drastisch verändern sollte. „Ich habe viele Geschwister. Doch in der Notsituation war keiner zur Stelle“, erinnert sich Couvée. „Aber ohne Familie wollte ich auch nicht leben“, sagt er.

Den „Familienersatz“ fand er dan in einer caritativ-humanitären Einrichtung. Er engagierte sich bei „Body-Project“, einer Organisation in den Niederlanden, die ihre Wurzeln in den USA hat und sich um HIV-Infizierte und Aidskranke kümmert. „Da war ich hauptsächlich umgeben von dunkelhäutigen Menschen aus Burundi“, erklärt Couvée.

Im Umgang mit den kranken Menschen entwickelte sich das Interesse an Ostafrika. Allmählich entstand ein enger Kontakt zu Land und Leuten. Auch in privater Hinsicht: Seit zehn Jahren ist Couvée mit seiner Frau Christine verheiratet, sie stammt aus Burundi. Seit 2006 ist er Mitglied im Burundischen Kulturverein. Nicht ohne Grund: Denn der Waldfeuchter ist Bildhauer und Maler, bis zu seiner Pensionierung im vergangenen Jahr arbeitete er als Kunsttherapeut im AHG Therapiezentrum Loherhof.

„Der Vergleich zwischen der europäischen und afrikanischen Kultur interessiert mich“, konstatiert Frans Couvée. Mehrmals im Jahr pendeln er und seine Frau Christine zwischen Waldfeucht und Afrika.

Bis vor einigen Jahren hat Couvée in afrikanischen Schulen sein kreatives Wissen und Werken vermittelt. Das Land, das einst eine deutsche Kolonie war, ist ihm, nicht nur familiär, ans Herz gewachsen. „Ich engagiere mich caritativ für die armen und kranken Kinder vor Ort“, erzählt er.

Kritik an Politikern und Pastoren

Er hat sich dem ANSS angeschlossen, das ist der Dachverband der Hilfsorganisationen, die sich der HIV-Infizierten und Aidskranken in Burundi annehmen. Den Impuls hierzu hat eine befreundete UN-Diplomatin gegeben. Sie selbst ist seit 30 Jahren infiziert, ihre Familie ist bereits Opfer jener Krankheit geworden, die das ostafrikanische Land ganz besonders plagt. „Über ihre Vermittlung bin ich zu einem Waisenhaus gekommen, um das ich mich caritativ kümmere“, erklärt der 69-Jährige.

Und da mimt Frans Couvée auch schon mal in der Adventszeit den mit Präsenten bepackten Weihnachtsmann – im dicken Kostüm und mit dichtem Rauschbart in afrikanischer Sonne für hiesige Betrachter sicherlich ein nur schwer vorstellbares Bild. Doch die dankbaren Gesten der Waisenkinder, einmal waren es gar 1000, entschädigen den Waldfeuchter für die Strapaze. „Weihnachten ist auch in Burundi ein Begriff. Natürlich. Die Menschen dort sind in großer Zahl sehr gläubige Katholiken. Die Kirchen sind bei Messen so voll, dass die Menschen sogar scharenweise draußen davor stehen.“

Auf die Pastore wie auch auf die Politiker in Burundi ist Frans Couvée indes nicht gut zu sprechen. Sie seien nicht wirklich für das Volk da, würden sie hinters Licht führen. „Es ist ein wunderschönes Land, in dem es wunderschöne Urlaubsziele gäbe“, beklagt Couvée die aktuelle Lage. Gäbe, sagt er, ja gäbe, „wenn Burundi nicht durch die ungeheure Kriminalität und die Korruption beherrscht würde“. Vor diesem Hintergrund ist es Frans Couvée wichtig, für die Ärmsten der Armen, nämlich für die zumeist HIV-infizierten Waisenkinder, Partei zu ergreifen, sie mit Hilfsgütern und vielleicht mit einer Patenschaft zu unterstützen.

In ein paar Wochen wird er wieder seine Freunde in Burundi besuchen. Und er wird – wie in den Jahren zuvor auch – seine Notizen machen und sie in seinem noch unvollendeten Manuskript niederschreiben. „In dem, was ich hier auf den vielen Papierseiten bereits zusammengetragen habe, werden Menschen und Situationen geschildert, die das Land irgendwie charakterisieren.“ Kritik an den politischen Verhältnissen natürlich auch, sagt er.

Aber gerade das mache die Veröffentlichung eines Buches so schwierig. „Ich will kein Risiko eingehen, ich will schließlich noch öfter nach Burundi reisen.“ Apropos Risiko: Auf den Weihnachtsmann werden die Kinder im afrikanischen Waisenheim in Dezember verzichten müssen. Im nächsten Frühjahr sei Präsidentenwahl, und der gewaltüberschattete Wahlkampf habe bereits Todesopfer gekostet. Das schreckt Frans Couvée und seine Frau Christine – bei aller Liebe zu Land und Leuten – dann doch ab.

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