Heinsberg - Von Vollrausch, Müll und einem Wunsch

Von Vollrausch, Müll und einem Wunsch

Von: Rainer Herwartz
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Bevor der Bauhof in Heinsberg in Aktion tritt, müssen die Vereine schon eine Grobreinigung vorgenommen haben. Foto: ddp/Martin Oeser

Heinsberg. Das Warten hat endlich ein Ende, ab Donnerstag sind die Narren außer Rand und Band. Traditionell beginnt mit Weiberfastnacht die heiße Phase des ausgelassenen Karnevalstreibens. Doch so schön es auch sei, nicht jeder sehnt die tollen Tage herbei. Denn für manche Zeitgenossen bedeuten sie nicht nur Spaß, sondern vor allem jede Menge Arbeit. Und dass nicht bloß beim Servicepersonal in den Kneipen.

„In den Erstversorgungsbereichen der Abteilungen Innere Medizin und Chirurgie verstärken wir jedes Jahr zu Altweiber, Tulpensonntag und Rosenmontag das ärztliche und pflegerische Personal“, sagt Heinz-Gerd Schröders, der Geschäftsführer der Krankenhauses in Heinsberg. Die Schichten des Pflegebereichs würden dann jeweils mit einer zusätzlichen Arbeitskraft besetzt.

„Weil erfahrungsgemäß mehr Unfälle auftreten durch alkoholbedingte Beeinflussung.“ Eine Statistik für derlei Fälle führe das Krankenhaus nicht, aber: „Auffällig ist jedoch, dass wir in den letzten Jahren deutlich weniger minderjährige Betroffene verzeichnen, was den Missbrauch von Alkohol angeht. Es hat Zeiten gegeben, da hatten wir an Altweiber morgens um 11 Uhr schon den ersten Zwölfjährigen im Vollrausch zu behandeln.“

Schröders führt die Verbesserung der Situation auf die „doch deutlich verstärkten Aufklärungskampagnen der Jugendämter in Zusammenarbeit mit den Schulen“ zurück. In der Tat weisen die Zahlen für den Kreis Heinsberg zwischen 2011 und 2012 einen deutlichen Rückgang der vom Alkoholmissbrauch betroffenen Minderjährigen aus – von 56 auf 40.

Beim Müll allerdings, der sich in den tollen Tagen zusätzlich anhäuft, habe sich eine gewisse Konstanz herauskristallisiert, sagt der Erste Beigeordnete der Stadt Heinsberg, Jakob Gerards. Am Aschermittwoch werden die Kollegen des städtischen Bauhofes wohl wieder vor drei Containern mit insgesamt 60 Kubikmetern stehen. Dazu bedarf es offenbar keiner Kaffeesatzleserei.

„Es gibt eine Verpflichtung der Karnevalsvereine, nach den Zügen eine Grobreinigung vorzunehmen, also alles zu entfernen, was die Kehrmaschine nicht schafft“, erläutert Gerards die Planung. „Der Bauhof fährt vor Veilchendienstag nicht raus.“

Die „städtische Nachschau“, wie er es in Amtsdeutsch nennt, erfolge dann eben Dienstag und Mittwoch, zuerst mit sechs, dann mit neun Mitarbeitern. „Es hat sich eingebürgert, dass die Anwohner, bei denen Unrat im Vorgarten gelandet ist, diesen in blaue Plastiksäcke packen und diese an die Straße stellen. Dort werden sie dann vom Bauhof abgeholt.“

Ob der eine oder andere Narr eventuell von der Polizei abgeholt wird, steht noch in den Sternen, ist aber nicht gänzlich unwahrscheinlich, wenn er über die Stränge schlagen sollte. Hauptkommissar Karl-Heinz Frenken sieht dem Sessionshöhepunkt aber gelassen entgegen. Eine Urlaubssperre gebe es bei der Polizei deshalb nicht.

Mit „der Lage angepassten Kräften“ stellen sich die Ordnungshüter der närrischen Übermacht. Die genaue Personalstärke bleibt ein Geheimnis. „Derbe Ausschreitungen hat es in den letzten Jahren nicht gegeben“, meint Frenken. „Bei steigendem Alkoholkonsum geraten schon einmal welche aneinander“, doch grundsätzlich stehe die Polizei dem bunten Treiben positiv gegenüber.

Einen Wunsch hätten seine Kollegen allerdings, sagt Frenken. Und den äußern sie auch noch weltmännisch auf Englisch: „Don‘t drink and drive!“ Für den, der Alkohol trinkt, heißt also das Motto: Hände weg vom Steuer.

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