Viel Arbeit und Respekt vor der Wegberger Stichwahl

Von: Monika Baltes
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Viel Arbeit in den Amtsstuben: (v.l.) Maike Klotz, Katharina Speen und Nico Kupschus bereiten die Stichwahl vor. Foto: Monika Baltes

Wegberg. 20 Umzugskartons mit Wahlunterlagen warten in einer Ecke des Wegberger Rathauses auf fleißige Hände. „Das sind die Reste der Wahl vom 25. Mai, die noch archiviert werden müssen“, erklärt Ulrich Schulz, Fachbereichsleiter Bürgerservice und Sicherheit.

Aber dafür ist jetzt keine Zeit. Denn Schulz, „Herr der Wahlen“ im Wegberger Rathaus, kümmert sich bereits um die nächste Wahl. Er ist ein „alter Hase“, vier Bundestagswahlen, vier Landtagswahlen und etliche Wahlen auf Kommunalebene hat er schon betreut. Und doch steht er jetzt vor einer Premiere. Denn eine Stichwahl gab es noch nie in Wegberg. 23.498 Wahlberechtigte werden innerhalb von drei Wochen zum zweiten Mal an die Urnen gerufen, um am Sonntag, 15. Juni, zu entscheiden, wer Bürgermeister in Wegberg wird: Amtsinhaber Reinhold Pillich (CDU) oder Herausforderer Michael Stock (SPD).

Präzise wie ein Uhrwerk laufen die Vorbereitungen. Sechs Mitarbeiter der Verwaltung sind permanent mit Vorarbeiten beschäftigt. Viele andere werden noch sporadisch und punktuell hinzukommen. „Die Organisation einer Wahl ist immer eine Mannschaftsleistung“, sagt Schulz und bedankt sich ausdrücklich „bei allen, die mithelfen.“ Die gelben Stimmzettel sind längst aus der Druckerei im Rathaus eingetroffen und präsentieren sich wohltuend übersichtlich mit zwei Kandidaten.

Die Schulung der Wahlvorsteher und Schriftführer ist vorbereitet, der Termin für den Transport von Wahlurnen und Wahlkabinen steht. „Einige Hausherren der Wahllokale waren so nett, die Sachen gleich dort zu behalten“, freut sich Schulz, dass nicht jeder Wahlraum der 23 Stimmbezirke angefahren werden muss. Am Tag vor der Wahl werden die Wählerverzeichnisse bei der Datenverarbeitungszentrale abgeholt, die Überstunden für die Mitarbeiter sind angeordnet, alle Wahlhelfer für die Wahllokale sind rekrutiert.

Im Wahlamt herrscht derweil geschäftige Betriebsamkeit. Riesige Papierhaufen werden abgetragen. Fünf Mitarbeiter der Verwaltung sortieren, falten, packen, füllen Postkisten bis zum Rand. 2.500 Briefwähler erhalten ihre Wahlunterlagen.

Vor der Zeit zwischen halb acht und acht Uhr am Wahltag hat Schulz bei aller Gelassenheit ein wenig Respekt. Das ist die Zeit, wenn ihn im Büro Meldungen aus den Wahllokalen erreichen wie: „Herr Schulz, hier sind keine Urnen!“ Die Reinigungskraft hatte sorgfältig aufgeräumt und die Teile eingeschlossen. Oder der Hilferuf, dass der behindertengerechte Zugang fehle. „Da haben wir aus Resopalplatten eilig eine Behelfsrampe gezimmert“, erinnert er sich lächelnd.

Vor Überraschungen ist niemand sicher, die beste Vorbereitung kann am kleinsten Rädchen scheitern. Das weiß Schulz, aber mit größeren Schwierigkeiten rechnet er nicht. Vorgesorgt ist auch für den Fall, dass die Wahlbenachrichtigung, die auch für die Stichwahl gültig ist, verlegt oder entsorgt wurde.

„Dann kann man bei Vorlage des Personalausweises trotzdem wählen“, beruhigt Schulz. Als schlimmste aller möglichen Unwägbarkeiten bezeichnet er den Ausfall der EDV. „Aber auch dann würde es ein Wahlergebnis geben“, zaubert er mit einem gezielten Handgriff einen Ordner mit Formularen hervor, in die ganze Tabellenkolonnen handschriftlich eingetragen werden können.

Wenn er sich bei der Wahl etwas wünschen dürfte, dann wäre das eine hohe Wahlbeteiligung. „Viele wissen unser Wahlrecht nicht zu schätzen“, sagt er und kramt eine Anekdote aus seinem Gedächtnis, die ihn beeindruckt hat. Im Flur des Rathauses habe eine ältere Dame einige vor dem Wahlaushang diskutierende Kritiker der letzten Wahl zurechtgewiesen: „Es gibt Länder, in denen Menschen sterben, um wählen zu dürfen.“

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