Wegberg/Mönchengladbach - Versuchter Totschlag: Lange Haftstrafe für Kamano A.

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Versuchter Totschlag: Lange Haftstrafe für Kamano A.

Von: Heike Ahlen
Letzte Aktualisierung:

Wegberg/Mönchengladbach. Für fünf Jahre und sechs Monate muss Kamano A. (24) aus Wegberg ins Gefängnis. Das Mönchengladbacher Landgericht hat ihn wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

An sein Opfer muss er außerdem 3000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Wie viel dieser Haftstrafe er in Deutschland absitzen muss, ist noch ungewiss. Denn A. ist als Asylbewerber schon lange abgelehnt, sollte bereits mehrfach in sein Heimatland Guinea in Westafrika abgeschoben werden. Einmal floh er dabei sogar spektakulär in Paris beim Umsteigen zwischen Zug und Flugzeug.

Für die Richter war klar, dass er am Morgen des 9. April versucht hat, Werner F. (57) mit einem Messer zu töten. Das hatte er sich in der Küche des Opfers unter dem Vorwand, zur Toilette zu müssen, geholt und in seiner Jacke verborgen. Ob er sich dann zunächst im Wohnzimmer mit seiner Ex-Freundin Cecile P. (49) und dem Opfer unterhalten hat oder sofort auf Werner F. losging, hat das Gericht nicht klären können - die Richter fanden aber auch nicht, dass das relevant sei.

Denn dem Argument des Angeklagten, man habe dort zu dritt am Morgen noch gemeinsam getrunken, deshalb könne er sich auch nicht an die Messerattacke erinnern, weil er einen Filmriss gehabt habe, glaubte die Kammer ohnehin nicht. Bilder vom Tatort kurz nach der Tat zeigten zwar Frühstücksgeschirr und eine einzelne Bierflasche, nicht aber Spuren eines Gelages, sagte der Vorsitzende Richter Lothar Beckers in seiner Urteilsbegründung dazu.

Trotzdem nehme man einiges zugunsten des Angeklagten an - nämlich eine verminderte Schuldfähigkeit aufgrund seiner Alkoholabhängigkeit. Weil A. nach der Tat geflohen war und erst mehr als eine Woche später festgenommen werden konnte, gibt es weder einen Alkoholwert noch ein Drogenscreening vom Tattag.

Für die psychologische Gutachterin Annette Korte war der Fall nicht ganz eindeutig. Sowohl aus der Gesamtpersönlichkeit A.s heraus, der emotional instabil und depressiv sei, als auch aus einem Cocktail von Alkohol und anderen Drogen könnte die Tathandlung zustande gekommen sein, erklärte sie. Schon der Alkoholmissbrauch an sich, mit dem A. schon im Alter von 15 Jahren begonnen habe, lasse es aber nicht zu, eine verminderte Steuerungsfähigkeit auszuschließen. Dem schlossen sich die Richter an.

Das Urteil ist bereits rechtskräftig, der Angeklagte akzeptierte es.
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