Versicherungsbetrug? Angeklagte sagt nichts

Von: Heike Ahlen
Letzte Aktualisierung:

Gangelt/Mönchengladbach. Es gibt Gesundheits-Leistungen, die die Krankenkassen und auch die Beihilfe, von der Beamte profitieren können, einfach nicht übernehmen. Patienten haben dann zwei Möglichkeiten: Entweder darauf verzichten oder die Leistungen selbst bezahlen.

Die inzwischen 70-jährige Marlene D. aus Heinsberg soll noch eine dritte Variante gefunden haben. Deswegen steht sie seit Dienstag – wieder – vor dem Mönchengladbacher Landgericht. Der Prozess hatte bereits im Jahr 2009 begonnen, musste aber Anfang 2010 nach zehn Verhandlungstagen auf unbestimmte Zeit unterbrochen werden, da die Angeklagte schwer erkrankt war, sich Operationen und Chemotherapien unterziehen musste.

Zahl ist deutlich höher

Die Anklage wirft ihr Betrug vor – und listet 230 Taten mit einem Gesamtschaden von rund 200 000 Euro für Beihilfe und Zusatzversicherungen. Nimmt man jede einzelne Rechnung, die sie ausgestellt haben soll, dann ist die Zahl noch deutlich höher.

Und darum geht es: Die Frau hatte ein Kosmetik-Institut in Gangelt-Stahe betrieben, bei dem sie, die selbst keine Heilpraktiker-Zulassung besaß, auch Heilpraktiker beschäftigt hatte. Als die finanzielle Situation im Jahr 2000 immer schwieriger wurde, sie aber auf die Einnahmen aus teuren Kosmetik-Behandlungen angewiesen war, soll sie auf die Idee gekommen sein, mit Kunden „Honorargespräche“ zu führen, in denen sie ihnen vorgeschlagen haben soll, die Rechnungen zu fingieren, einfach andere Behandlungen als die ausgeführten zu berechnen. Das hatte zur Folge, dass Beihilfe und Zusatzversicherungen die Rechnungen übernahmen.

Alle Taten gestanden

Zwei Frauen und ein Mann hatten ursprünglich als Mittäter mit ihr auf der Anklagebank gesessen. Sie haben alle Taten gestanden, Gelder an die Versicherungen zurückgezahlt und sind zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Sie waren in das Institut gekommen, weil sie vor allem unter entstellenden Hautkrankheiten litten, die ihnen auch auf die Psyche schlugen.

„Meine Mandantin sagt, die Vorwürfe stimmen nicht“, hatte Verteidiger Falk Stange noch vor Prozessbeginn erklärt. Diese Haltung habe sie auch im ersten Prozess immer vertreten. Und er wolle die alte Dame nicht in Haft sehen. Im Gerichtssaal berichtete Marlene D. dann von ihren momentanen Verhältnissen. Das Kosmetik-Institut samt Einrichtung sei versteigert worden, sie habe eine Putzstelle auf 400-Euro-Basis, um ihre karge Rente aufzubessern.

Zu den Vorwürfen sagte sie auf Anraten ihres Anwalts erstmal nichts. Das könnte sich aber heute ändern. Denn der Vorsitzende Richter Helmut Hinz zeigte sich bemüht, eine Lösung zu finden. Er machte deutlich, dass man sich in den anderen Verfahren anhand der Zeugenaussagen bereits ein Bild der Sachlage gemacht habe, und es nicht zu erwarten sei, dass diese Zeugen, die ja selbst bereits gestanden haben und verurteilt sind, nun aussagen würden, dass es keinen Betrug gegeben habe.

Aussage muss heute kommen

Diese Zeugen sollen heute aussagen. Der Verteidiger kündigte aber an, er wolle Dienstagnachmittag noch ein klärendes Gespräch mit der Angeklagten führen, ob sie vielleicht doch eine etwas andere Aussage machen wolle. Die müsste heute kommen, wenn sie sich strafmildernd auswirken soll.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert