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Vereinsförderung: Schießt sich die Politik ein Eigentor?

Von: Monika Baltes
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Gut möglich, dass sich die Politk in Wegberg in ihrem Umgang mit den Vereinen ein Eigentor geschossen hat: Bernd Stamms, Vorsitzender des Stadtsportbundes, jedenfalls ist nicht zum Jubeln zumute. Foto: stock/Peters

Wegberg. Er hat nicht nur Schelte gekriegt, sondern regelrecht Prügel bezogen, von allen Fraktionen des Rates im Rahmen der Neuordnung „Vereinsförderung“. Bernd Stamms, Vorsitzender des Stadtsportverbandes Wegberg (SSV), bleibt gelassen.

Sein breites Kreuz hat der 51-Jährige sich wachsen lassen. Schon vor mehr als 20 Jahren hat er seinen ersten Vorstandsposten in der Vereinsarbeit übernommen, den Stadtsportverband führt er seit 2011.

Wenn ihn die Vorwürfe, er habe versäumt, die Belange der Vereine zur richtigen Zeit im richtigen Gremium vorzutragen, getroffen haben, lässt er es sich das nicht anmerken. „Aber bei der Wahrheit sollte man schon bleiben“, meint er. Stamms ist als „Sachkundiger Einwohner“ Mitglied des Ausschusses für Bildung, Kultur, Soziales und Sport (BiKKS). Er hat Rederecht aber kein Stimmrecht. „Hier wird in der Regel abgestimmt, nicht diskutiert. Die Beratungen finden in den Fraktionssitzungen statt“, erläutert er.

Wegen einer Teilnahme an genau diesen Fraktionssitzungen hat er bei allen Parteien angeklopft. Die CDU winkte ab: „Mit dem SSV sprechen wir nicht, wir lassen unser Ergebnis nicht verwässern“. Die SPD wollte keinen Kontakt – eine lange Geschichte, an deren Anfang ein belauschtes Privatgespräch zwischen Stamms und dem Bürgermeister steht, was anschließend zu allerlei merkwürdigem Schriftverkehr geführt hat. Als „unsachlich, polemisierend und populistisch“ wird Stamms in dem Brief der SPD-Fraktion bezeichnet, „tollpatschiges und ungeschicktes Wahlkampfgetöse“ wird ihm vorgeworfen.

Die Grünen „wollten sich melden, wenn Gesprächsbedarf besteht“. Und die FDP ließ verlauten: „Wir fördern keinen Leistungssport, nur Breitensport.“ Stamms schüttelt verständnislos den Kopf: „Die Wortwahl der Freien Wähler zur Absage – das druckt keine Zeitung.“

Ein erstaunliches Verhalten gegenüber einem Mann, der von 48 Vereinen an die Spitze gewählt wurde, dahinter stehen 8500 Vereinsmitglieder, das ist fast ein Drittel der Bevölkerung in Wegberg.

Schon im Mai 2012 hatte der SSV aufgrund eines Mitgliederbeschluss gefordert, dem Vorsitzenden Stamms ein Mitspracherecht an der fraktionsübergreifenden Arbeitsgruppe „Neuordnung Vereinsförderung“ einzuräumen.

Der lange Dienstweg hatte seine Aufgabe erfüllt. Im Oktober 2012 wurde der Antrag vom Rat abgelehnt. „Zu diesem Zeitpunkt waren die Beratungen schon abgeschlossen. Was sollte ich also noch in der Arbeitsgruppe?“, fragt Stamms.

Unbeeindruckt von diesen Ereignissen betreibt Stamms weiterhin Aufklärungsarbeit bei den Vereinen. Die Fußfallen der Details seien den meisten Vereinen in der ersten Empörung noch gar nicht aufgefallen. „Ab Januar 2014 werden die Fußballplätze den Vereinen überlassen, einschließlich Pflegeleistungen. Bisher hat der Bauhof diese Anlagen gepflegt.“

Der wird nicht mehr kommen. Bisher wurden Zuschüsse zum Flutlicht gezahlt, auch das fällt demnächst weg. Der hierfür vorgesehene Betrag von insgesamt 5270 Euro ist in die Fördersumme von 44 976 eingestellt worden.

Das ist aus einer Anlage zu den neuen Richtlinien ersichtlich. Die neuen Richtlinien sind den Vereinsvertretern mit der Einladung zur Info-Veranstaltung in der Burg Wegberg verschickt worden, diese Anlage fehlte. „Zufall?“, erkundigt sich Stamms rhetorisch.

„Wir haben eine Schlacht gewonnen, nicht den Krieg“, mahnt er die Mitgliedsvereine zur Besonnenheit bei aller Freude über den Erfolg in der letzten Ratssitzung, als unter anderem die Energiekosten für 2014 halbiert wurden.

Merkwürdige Terminvereinbarung

„Klare Aussagen über die Handhabung danach wurden nicht getroffen“, gibt er zu bedenken und lacht herzlich über den Termin zur Vorlage der angeforderten Liste mit den tatsächlichen Energiekosten in den Hallen. Sicher jongliert er mit den Zahlen: „Die Vereine haben bisher jährlich 5000 Euro gezahlt, im nächsten Jahr sind es schon 12.500, die neuen Richtlinien sehen 50.748 Euro vor.“

Er weiß, wie schwierig sich die Schnittstelle zwischen Vereinsarbeit und Politik gestalten kann. „Bürgermeister Pillich ist ein Freund der Vereine, muss sich aber immer wieder der Politik beugen. Ich würde bedauern, wenn ausgerechnet dieser Vereinsmensch der Totengräber der Wegberger Vereine würde.“ Stamms sieht nur einen Ausweg aus dem Dilemma zwischen Sport und Politik: „Wir müssen endlich dazu kommen, miteinander zu reden.“

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