Hückelhoven - Unheimliche Motivsuche für die „Verlorene Heimat“

Unheimliche Motivsuche für die „Verlorene Heimat“

Von: hewi
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Außergewöhnliche Ausstellung: Im Café Lebensart in Hückelhoven präsentieren Mitglieder der Fotogruppe Lebensart ihre Arbeiten. Foto: Koenigs
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„Verlorene Heimat – für immer festgehalten“: Eines der Motive aus der Ausstellung der Fotogruppe Lebensart, die im Café Lebensart zu sehen ist. Foto: Koenigs

Hückelhoven. Eine außergewöhnliche Fotoausstellung ist jetzt im Café Lebensart der Gangelter Einrichtungen in Hückelhoven an der Dr.-Ruben-Straße zu sehen. 26 Aufnahmen haben die Mitglieder der Fotogruppe Lebensart der „Verlorenen Heimat“ gewidmet.

Gemeint sind die Ortschaften, die im Erkelenzer Land dem Braunkohlentagebau weichen müssen.

Im Mai hatten die Hobbyfotografen mit Handicap auf der Suche nach bemerkenswerten Bildmotiven eine Exkursion nach Immerath und Borschemich unternommen. Die Ergebnisse hätten ihn beeindruckt, betonte der Vorsitzende des Fotoclubs Hückelhoven, Heinz Beckers.

Er und seine Fotokollegen greifen den Lebensart-Fotografen gerne mal unter die Arme, wenn es um das richtige Motiv geht oder einfach nur eine Batterie leer oder eine Speicherkarte voll ist. „Der erfrischend andere Blick auf altbekannte Motive macht den Reiz aus“, erklärte er bei der Ausstellungseröffnung. So zum Beispiel Marcel Rickards „Ave Maria“. Die hellblauen Bodenplatten mit dem Schriftzug fand er vor einer Kirche.

Durch den Fokus auf die Buchstaben strahlt das Bild einen lebendigen Optimismus aus, den man in einem dem Untergang geweihten Ort nicht vermuten würde. Denn: „Es ist ein Geisterort“, wie Heike Regner erklärte. Sie selbst sei berührt gewesen, weil ihr Onkel einmal in Immerath gelebt habe. „Es war sehr unheimlich“, erinnerte sie sich, „weil man keine Autos und Alltagsgeräusche hörte.“

Bei der Stille sei einem das eigene Lachen schon unheimlich geworden, erinnerte sich auch Ramona Krüger. Die Teilnehmer der Exkursion fanden trotzdem Motive, die es ihrer Meinung nach wert waren, für die Nachwelt festgehalten zu werden. Dabei reicht die Motivpalette von kleinen Details der verlassenen Häuser bis hin zu Graffiti, die nun in den Orten überhandnehmen. Arnd Wackernagel hatte zur Ausstellungseröffnung sogar eigens ein Lied der Bläck Fööss umgetextet auf Garzweiler II.

Vor einigen Gebäuden wurden die Fotografen aber – so war zu erfahren – bei ihrem Besuch vom Werksschutz der RWE verscheucht. Am Tag des Besuches wurde das nahegelegene Gut Spenrath dem Erdboden gleich gemacht. Ließ man sich dabei nicht gerne zuschauen?

Die Fotogruppe Lebensart existiert seit fünf Jahren. Seit drei Jahren wird sie von Bettina Mennen betreut. In der Gruppe arbeiten sowohl Menschen mit geistiger Beeinträchtigung als auch mit psychischer Behinderung mit. Bei vielen Teilnehmern habe sie schon eine persönliche Entwicklung erlebt, betonte sie. Auch das sei der Zusammenarbeit mit dem Fotoclub zu verdanken. Einige Mitglieder hatten mit ihren Fotoarbeiten auch schon die Gelegenheit, im „Wohnzimmer des Fotoclubs“, dem alten Ratheimer Rathaus, dabei zu sein.

Die Ziele für die Fotoexkursionen werden gemeinsam ausgesucht. Im Mai geht es auf die Museumsinsel Hombroich zur Motivsuche.

Ob bei dem Besuch auch wieder eine thematische Ausstellung herauskommen wird, bleibt abzuwarten.

„Denn in erster Linie geht es um den Spaß, den wir bei der Beschäftigung mit der Fotografie haben“, so Mennen.

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