Umsiedlung Erkelenz-Nord: Beruhigende Zahlen, aber unruhige Zeiten

Von: hewi
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Vollends gefüllt war die Mehrzweckhalle von Keyenberg. Bürgermeister Peter Jansen (links) begrüßte die Anwesenden. Foto: Sommer

Erkelenz-Keyenberg. Nach der Wahl ist vor den Verhandlungen. Nachdem die Bürger aus Keyenberg, Kuckum, Berverath sowie Ober- und Unterwestrich sich am Sonntag mit großer Mehrheit für die gemeinsame Umsiedlung nach Erkelenz-Nord entschieden hatten, geht es nun ans Eingemachte. Denn vor ihnen liegen in den nächsten Jahren die Verhandlungen mit RWE Power über die Höhe der Entschädigungen.

Nach welchem Fahrplan die Verhandlungen stattfinden und welche Entschädigungssummen zu erwarten sind, war Gegenstand der Informationsveranstaltung, zu der die Bezirksregierung Köln und RWE Power auf Betreiben des Bürgerbeirates eingeladen hatten.

Die Mehrzweckhalle war bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Beiratsvorsitzende Hans-Willi Peters appellierte an diejenigen Umsiedler, die am Sonntag für Schwanenberg als Standort gestimmt hatten, sich auf Erkelenz-Nord als neue Heimat einzulassen und an der gemeinsamen Umsiedlung teilzunehmen. Bei den meisten entscheide die Höhe der Entschädigung über die Teilnahme an der gemeinsamen Umsiedlung, betonte er.

Nachdem Elisabeth Mayers-Beecks von RWE Power über die Grundzüge der Entschädigung informiert hatte, konnte ihr Kollege Thomas Kolbe die zukünftigen Umsiedler mit einem Rechenbeispiel aus der Realität beruhigen. Demnach soll ein Umsiedler für sein Haus aus dem Jahr 1972 und mit einem Verkehrswert von rund 207.000 Euro bei einer Teilnahme an der gemeinsamen Umsiedlung mit rund 296.000 Euro entschädigt werden. Denn auf den Verkehrswert werden noch einige Zuschläge und Pauschalen angerechnet.

Auch bei Nichtteilnahme an der gemeinsamen Umsiedlung fiel in dem Beispiel die Entschädigung mit über 287.000 Euro noch recht üppig aus. Der Verkehrswert der Immobilie hängt vom Alter und von ortsspezifischen Regelungen ab. Die „zumutbare Eigenbeteiligung“, deren Erwähnung einigen Unmut im Publikum auslöste, sei bei den bisherigen Entschädigungsverfahren erst bei einem Prozent der Fälle zum Tragen gekommen, betonte Kolbe.

Nach dem Notartermin und dem Überschreiben der Immobilie an RWE haben die Umsiedler noch zwei Jahre Zeit, am neuen Standort zu bauen und die alte Immobilie zu räumen. Bei älteren Immobilien, deren Verkehrswert nicht ausreicht, um am neuen Standort zu bauen, kann ein sogenanntes „Sicherheitsnetz“ zum Tragen kommen, wie Kolbe betonte.

Gemeint sind damit individuelle Finanzierungshilfen seitens RWE. „Wer in der Gemeinschaft bleiben will, soll das auch können“, betonte er. Dies gilt auch für Mieter, die mit an den neuen Standort umsiedeln wollen. Wenn ihr bisheriger Vermieter keinen neuen Wohnraum schafft, können sie zur Eigentumsbildung Grundstücke erwerben. Darüber hinaus sorgen Mieter-Börsen vor Ort für die Vermittlung von Wohnungen.

Der Fahrplan ist zeitlich klar definiert: Das Verfahren beginnt am 4. Januar 2013 mit einer Haushaltsbefragung durch das Institut Infas. Einen Monat lang haben die Bewohner der betroffenen Ortschaften die Möglichkeit, sich anonym zu äußern, ob sie an der gemeinsamen Umsiedlung teilnehmen werden.

Ende 2013 wird der Entwurf des Braunkohleplans in der Stadtverwaltung offengelegt und kann von den Betroffenen eingesehen werden. Ende 2014 wird der Plan aufgestellt, Mitte 2015 genehmigt. Mit der Umsiedlung kann Ende 2016 begonnen werden. Bereits ab 2014 kann mit der Bewertung der Immobilien und Grundstücke sowie mit den Verhandlungen über die Höhe der Entschädigungen begonnen werden.

Sobald die Umsiedler und der Energieriese sich über die Höhe der Entschädigung geeinigt und den Verkauf notariell beurkundet haben, werden 90 Prozent der Entschädigungssumme ausgezahlt, damit der Bau am neuen Standort nicht von den Umsiedlern zwischenfinanziert werden muss.

So beruhigend die Auskünfte seitens Bezirksregierung und RWE auch waren, die Umsiedler wissen doch, dass ihnen unruhige und ereignisreiche Jahre bevorstehen, bis sie endgültig in Erkelenz-Nord angekommen sein werden.

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