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Übergangswohnheim: Standortfrage löst heftige Debatte aus

Von: kalauz
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Hückelhoven. Zu einem heftigen verbalen Schlagabtausch zwischen CDU und Verwaltung auf der einen Seite und SPD und Linken auf der anderen kam es in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Grund: Der geplante Umbau des Kaphofes zwischen Ratheim und Hilfarth zu einem neuen Übergangswohnheim für Asylbewerber.

Helmut Holländer, Kämmerer, Erster Beigeordneter und zuständiger Dezernent, wies noch einmal eindringlich auf die Notwendigkeit einer neuen Unterbringungsmöglichkeit angesichts der ständig steigenden Zuweisungszahlen von Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten auch für die Stadt Hückelhoven hin: „Wir haben heute wieder ein Fax von der Bezirksregierung bekommen, dass wir am Freitag drei neue Asylbewerber aufnehmen müssen.“ Er sei froh, sagte Holländer, „dass wir diesen Standort gefunden haben“.

Man habe seitens der Verwaltung die verschiedensten Optionen sorgfältig geprüft und auch durchgerechnet. Der Bau einer Containeranlage beispielsweise – auch dies eine Option – würde „erheblich teurer“ als die Anmietung und der Umbau der vorhandenen Gebäude am Kaphof zu einem Übergangswohnheim für 40 Asylbewerber. Holländer betonte, dass dort nur „männliche Einzelpersonen, die meist zwischen 19 und 25 Jahre alt sind“, untergebracht würden.

Bürgermeister Bernd Jansen sprach davon, dass „sich ganze Branchen jetzt auf die Notlage der Kommunen zur Unterbringung von Asylbewerbern stürzen, die damit natürlich Geld verdienen wollen“. Wenn man Baracken oder Zelte aufstellen würde, müsste die Stadt für die notwendige Infrastruktur dieser Anlagen sorgen, „was ein enormer finanzieller Aufwand wäre“.

Jörg Leseberg, Fraktionschef der SPD im Rat, machte die Kritik der Sozialdemokraten vor allen Dingen am Standort Kaphof fest. Und er fand deftige Worte: „Wir können uns für diese Lösung nicht erwärmen. Der Standort Kaphof ist Isolationshaft für die Asylbewerber. Die sind da unmöglich weit weg vom Schuss, das ist am Arsch der Welt dort.“ Auch die Laufzeit des Mietvertrages mit dem Eigentümer, dem CDU-Stadtverordneten Max Freiherr Spies von Büllesheim, ist den Sozialdemokraten ein Dorn im Auge: „Kurzfristig mag der Kaphof ja okay sein, aber nicht für die Dauer von zehn Jahren.“ Leseberg bezweifelte, dass die Verwaltung „wirklich alles getan hat, um andere Standorte zu prüfen“. Schließlich wisse man „seit einem Jahr, was da auf die Stadt zukommt“. Dirk Kraut von den Linken argumentierte ähnlich: „Wie der Kollege Leseberg das formuliert hat, ist noch nicht einmal scharf genug. Helfen will den Menschen hier im Rat jeder. Aber kann man die Unterbringungsmöglichkeit am Kaphof nicht auf zwei Jahre beschränken?“

Michael Paulußen (CDU) sprach im Zusammenhang mit dem Wort „Isolationshaft“ von einer „Unverschämtheit seitens der SPD“. Überdies sei es „ein starkes Stück“ bei der Lage Kaphof von „am Arsch der Welt“ zu sprechen. Sein Fraktionschef Heinz-Josef Kreutzer bedauerte, „dass dieses Thema hier nicht mit der gebotenen Würde angepackt“ werde. Er sprach von „Abwehrargumenten der SPD“, die dem Zweck nicht dienten: „Da sollen Nebenkriegsschauplätze aufgemacht werden“.

Bürgermeister Bernd Jansen war sichtlich um die Rückkehr von Sachlichkeit bemüht, als er auf das „hohe soziale Engagement, das viele Menschen in unserer Stadt ehrenamtlich aufbringen“, hinwies. Sie nähmen Asylbewerber an die Hand und machten mit ihnen Behördengänge, übernähmen Patenschaften und anderes. Das, so Jansen, sei viel wichtiger als die Wohnlage. „Eine schönere Inte-gration als in unserer Stadt findet man selten“, sagte er.

Und er fügte hinzu: „Ich bin schon von vielen Amtskollegen darauf angesprochen worden: Wie macht ihr das?“

Gegen die fünf Stimmen der SPD bei Enthaltung der Linken wurde dem Rat die Empfehlung gegeben, den Standort Kaphof als weiteres Übergangsheim für Asylbewerber in der Stadt zu beschließen.

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